Zurück

David gegen Goliath: Riesling

Spielregeln von „David gegen Goliath“
In unserer Rubrik “David gegen Goliath” treten jeweils zwei Weine “gegeneinander” an: “große” gegen “kleine”, kostspielige gegen günstige Weine oder berühmte gegen unbekannte Weingüter, wobei interessanterweise immer davon ausgegangen wird, dass sich die Bekanntheit auch auf die Qualität des Weins auswirkt. Auf den ersten Blick hat also einer klar die Nase vorn. Auf den zweiten Blick stellt sich (wie meinstens) heraus, dass man doch gar nicht so leicht einen Sieger feststellen kann. Zum Glück gibt es bei Wein nicht nur Sieg, Niederlage und Unentschieden wie im Fußball, sondern auch die beste aller Lösungen: sowohl als auch!

In der Lage liegt die Kraft

Hier ist ja schon durch die Deutsche Ordnung vorbestimmt, wer Goliath und wer David ist: Das Große Gewächs steht oben an der Spitze der Qualitätspyramide. Ortswein, wie der Deidesheimer Riesling trocken, kommt erst zwei Stufen weiter unten.

Wenn man aber mal genauer hinschaut, ist zu erkennen, dass die Sache nicht ganz so einfach ist: Denn der Deidesheimer von Christmann ist zwar offiziell Ortswein, aber die Reben stehen auf Weinbergen, die als Große Lage oder sogar als Erste Lage klassifiziert sind. Der Unterschied zum Großen Gewächs ist also gar nicht mal so groß. Es geht dabei lediglich um das Alter der Pflanzen oder um den genauen Standort im Weinberg.

Das Große Gewächs kommt nun ganz langsam in eine erste Reifephase, hat aber noch bestimmt eine Dekade Leben in sich. Der Wein hat helle, klare Aromen von grünem Apfel mit einer straffen mineralischen Kühle. Einige Anklänge exotischer Früchte kündigen sich an. Am Gaumen setzt sich der helle Eindruck fort, um sich allmählich über das extrem lange Finish zu dunkleren, mineralischen Tönen hin zu wandeln.

Was ihm das GG an Mysterium und Altersfähigkeit voraushat, macht der Deidesheimer Ortswein durch direkte Zugänglichkeit und Trinkfreundlichkeit wett. Und das bedeutet keineswegs, dass es hier um einen einfachen Wein für den Konsum auf Dorffesten handelt. Mit seiner Konzentration und Struktur steht er einigen Lagenweinen nicht nach. Reife Aprikose, Pampelmuse, frische Kräuter an der Nase, dann am Gaumen gehaltvoll, lebendiger Säurenerv, elegante Struktur und ein mineralischer, salziger Abgang, das haben wir notiert.

Auch aus diesem Kräftemessen David gegen Goliath gehen ganz klar zwei Sieger hervor, die beide den anspruchsvollen Riesling-Trinker zu Jubelstürmen hinreißen dürften: Ortswein zum Soforttrinken und GG zum Einkellern und später genießen.

 

VDP.KLASSIFIKATION

Mit der Qualitätspyramide des VDP hat sich der Winzerverband der Prädikatsweingüter Deutschlands im Jahr 2012 eine eigene Klassifizierung für ihre Weine geschaffen. Grundlage ist hier nicht die alte, auch germanisch genannte Klassifizierung nach Prädikaten, die auf der Reife der Trauben basiert, sondern ein, auch romanisch genanntes System, in dem die Herkunft der Trauben, das Terrior, im Vordergrund steht. Vom Gutswein, für den die Trauben aus allen gutseigenen Lagen stammen können, bis hin zum Wein aus der Großen Lage, die vom VDP als solche anerkannt sein muss, reicht das Spektrum. Der trockene Spitzenwein aus einer Großen Lage wird als Großes Gewächs bezeichnet und zu bestimmten Zeitpunkten vermarktet.