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David gegen Goliath: Grauburgunder

Spielregeln von „David gegen Goliath“
In unserer Rubrik “David gegen Goliath” treten jeweils zwei Weine “gegeneinander” an: “große” gegen “kleine”, kostspielige gegen günstige Weine oder berühmte gegen unbekannte Weingüter, wobei interessanterweise immer davon ausgegangen wird, dass sich die Bekanntheit auch auf die Qualität des Weins auswirkt. Auf den ersten Blick hat also einer klar die Nase vorn. Auf den zweiten Blick stellt sich (wie meinstens) heraus, dass man doch gar nicht so leicht einen Sieger feststellen kann. Zum Glück gibt es bei Wein nicht nur Sieg, Niederlage und Unentschieden wie im Fußball, sondern auch die beste aller Lösungen: sowohl als auch!

Alles andere als Grau

Weine dieser Rebsorte sind formbarer als andere. Welche Traditionen im jeweiligen Anbaugebiet auch vorherrschen, meist findet sich ein Weg, den Grauburgunder einzubinden. Es ist noch nicht sehr lange her, dass sein Image am Boden war. Hohe Erträge, hohe Alkoholwerte und hoher Restzucker machten ihn zu einem langweiligen Wein ohne Trinkfluss. Umso erfreulicher, dass der Grauburgunder in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit gewonnen hat. Vor allem wenn sich so großartige Winzer des Weines annehmen, wie in dieser Paarung.

Das Weingut Bernhard Huber aus Baden gehört zu den Schwergewichten der Winzerszene in Deutschland, besonders, wenn es um Burgundersorten geht. Hier werden Pinots gemacht, die sich mit den großen Weinen des Burgund messen können. Insofern tritt auch der Grauburgunder von Julian Huber als Favorit an. Die Sorte stammt zwar aus dem Burgund, wirklich groß ist sie in ihrer Herkunftsregion aber nicht. Insofern ist es gar nicht verwunderlich, dass Julian hier einen Wein auf die Flasche bringt, der überrascht. Er ist, wie es dem Selbstbild des Weinguts und Winzers entspricht, eher auf Lagerung als auf den schnellen Schluck ausgelegt. Unheimlich elegant, filigran und zurückhaltend, mit Noten von Birne und Rauch und leichten Kräutern, sowie am Gaumen leichter, aber spürbarer Gerbstoffigkeit. Das ist eine ganz eigene Vision davon, was Grauburgunder darstellen kann.

Der Herausforderer Thomas Hensel aus der Pfalz hat dagegen eine andere Herangehensweise: Was, wenn man Grauburgunder so macht, dass er die Erwartungen erfüllt, aber trotzdem anspruchsvoll ist? Zu der saftigen Frucht, und der gewissen Cremigkeit, die man gemeinhin mit Grauburgunder assoziiert, kommen hier weitere delikate Noten, Wildkräuter und ein Hauch von Grapefruit und Mandel, die dem Wein eine begeisternde Vielschichtigkeit verleihen.