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David gegen Goliath: Barbaresco

Spielregeln von „David gegen Goliath“
In unserer Rubrik “David gegen Goliath” treten jeweils zwei Weine “gegeneinander” an: “große” gegen “kleine”, kostspielige gegen günstige Weine oder berühmte gegen unbekannte Weingüter, wobei interessanterweise immer davon ausgegangen wird, dass sich die Bekanntheit auch auf die Qualität des Weins auswirkt. Auf den ersten Blick hat also einer klar die Nase vorn. Auf den zweiten Blick stellt sich (wie meinstens) heraus, dass man doch gar nicht so leicht einen Sieger feststellen kann. Zum Glück gibt es bei Wein nicht nur Sieg, Niederlage und Unentschieden wie im Fußball, sondern auch die beste aller Lösungen: sowohl als auch!

Der Duft des Nebbiolo

Barbaresco kann man jeden Tag trinken, Barolo nur samstags. Barbaresco wirkt immer etwas leichter und schlanker, hat dafür aber mehr von dieser feinen Duftigkeit, was ihn bekömmlicher macht”, so hat Bruno Rocca für uns seine Appellation im Unterschied zum bekannteren Nachbar-Gebiet erläutert. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Was Bruno da beschreibt ist aber auch eine Art stilistisches Manifest, denn diese duftige Leichtfüßigkeit zeichnet seine Weine aus. Sein Einzellagenwein von der Rabajà, die um das Weingut herum liegt, duftet köstlich nach Blumen, Herzkirschen und Himbeeren – dazu kommen zarte Röstnoten. Am Gaumen total in sich ruhend und ausgewogen mit feiner Frucht, guter Frische und Tanninstruktur. Allerdings gleicht er dem Barolo in einer Hinsicht absolut: Er braucht ein gewisses Alter, um sich zu öffnen. Noch scheint er in einer Art Trotzphase zu sein, wo die Aromen sich erst nach geduldigem Belüften entfalten.

Bei Fontanabianca werden die Weine mit einem größeren Augenmerk auf Tradition und Authentizität gemacht. Zwar sind auch diese Weine elegant, haben aber einen grundlegend anderen Charakter als die ätherischen, fragilen Kunstwerke Roccas. Bei Fontanabianca findet man einen gänzlich unverfälschten Barbaresco, der von unterschiedlichen Lagen rund um den Ort Neive stammt. Er verfügt über ausgewogene Konzentration und zeigt sich im reifen Jahrgang 2015 besonders aufgeschlossen. Er besitzt neben anziehend saftigen Fruchtaromen auch einen feinen Schmelz.

Man kann, aufgrund der unterschiedlichen Stile und der Bandbreite, nicht seriös behaupten, einer dieser Weine wäre besser als der andere. Man müsste also streng genommen sagen, dass die Region Barbaresco den Sieg davonträgt, weil hier so unterschiedliche und fantastische Weine hergestellt werden.    

 

Rebsorte: NEBBIOLO

Nebbiolo ist so herrlich altmodisch und letztlich immun gegen alle Moden der Weinwelt. Klar, auch dieser Rebsorte sollte vor einigen Jahren mit neuem Holz ein schickes Gewand gegeben werden. Aber sie sträubt sich, es liegt nicht in ihrem Naturell, zu blenden. Die großen Nebbiolo-Weine sind vor allem auf eines ausgelegt: Zeit. Durch die dichten Tannine und die komplexe Säure dieser Weine dauert es Jahre bis Jahrzehnte, ehe der Wein wirklich auf den Punkt ist. Dann ist beispielsweise Barolo unvergleichlich: er duftet nach Rosen und Teer, Kirschen, Pflaumen, Backobst, Maulbeeren, Schlehen, Lakritz und hat am Gaumen eine wunderbare Weichheit, die von den abgerundeten Tanninen herrührt. Aber neben diesen Langstreckenläufern gibt es mittlerweile von den meisten guten Produzenten auch Weine, die sofort ein Genuss sind, oft als Langhe Nebbiolo gekennzeichnet. Dann zeigt sich die Traube von ihrer koketten Seite: sie hat meist viele florale Noten und mag nicht gern alleine sein: wie auch Baroli und Barbareschi verlangen diese Weine nach etwas zu Essen als Begleitung.

 

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