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Chill-Out mit Grand Cru - Grans-Fassian

Der Moselaner ist fröhlich, aber direkt. „So, was wollen wir machen?“, meint Gerd Grans sofort, als wir im April bei ihm in Leiwen vorbeischauen. Na, ein bisschen was probieren, ein wenig quatschen und vielleicht noch in den Weinberg. „Alles zusammen oder in welcher Reihenfolge?“, kommt es direkt zurück und dann lacht er einmal laut auf. Wir werden genau das in den nächsten drei Stunden alles zusammen und auch in Reihenfolge machen. Zuerst geht es um die Gretchenfrage des Moselweinbaus: trocken oder fruchtig. „Nun ja“, sagt Gerd Grans, „wenn man es einmal so betrachtet, ist fruchtig für den Winzer die etwas einfachere Variante. Man kann mit Süße und Säure spielen, geringe Mengen Botrytis machen nicht so viel aus, ich brauche die Erträge nicht so zu reduzieren und die Weine reifen in der Regel ziemlich gut.“ Wir schauen etwas verdutzt. „Ich sage bewusst ‚die einfachere‘ beim Weinmachen, nicht ‚die bessere‘ oder ‚schlechtere‘. Es ist ja nicht alles gut, nur weil es schwierig ist.“ Und vor allem macht man bei Grans Fassian ja auch hervorragende fruchtige und edelsüße Weine, und die kann man auch nur so machen, wenn man sie wirklich liebt. Wir werden das später noch eindrucksvoll sehen oder besser schmecken. „Ich glaube aber …“, meint Gerd, und jetzt kommen wieder seine ziemlich durchdachten Ansichten, die auch die Kollegen sehr schätzen und Gerd Grans blickt über die Leiwener Laurentiuslay die er oft unvermittelt durch witzige Einschübe würzt, „Ich glaube aber, dass die Mosel international nur dann wieder ein großes Gewicht erzielen wird, wenn wir auch großartige trockene Weine machen. Ich rede nicht von einzelnen Betrieben, und dass der das oder jenes machen muss, das kann ja jeder machen wie er will, aber insgesamt müssen wir uns auch mit den trockenen Weinen richtig positionieren.“ Aber da ist die Mosel doch auf einem guten Weg, oder? „Na, auf jeden Fall!“ meint er lachend, steht unvermittelt auf und kommt augenblicklich mit drei Flaschen zurück.

2013, 2012, 2011 - Laurentiuslay, Apotheke, Drohnhofberger. Der Laurentiuslay zeigt sich noch sehr spröde, selbst für uns Rieslingtrinker ist das am frühen Morgen noch etwas zu … na ja … frisch. „An der Mosel hatten wir ja lange das Problem, dass die Säure oft nicht richtig reif wird“, erklärt er uns, „vor dreißig, vierzig Jahren waren große trockene Weine nur alle vier bis fünf Jahre drin. Da brauchte es einen ’03er Sommer, damit was Richtiges daraus wird. Klimaerwärmung, aber auch die besseren Kenntnisse der Winzer bringen uns jetzt eigentlich jedes Jahr gute trockene Rieslinge, aber für richtig Große muss man noch ordentlich, sehr ordentlich arbeiten. Die Weine leben ja von der Säure, aber wie gesagt, die muss reif sein. Sie leben vom Extrakt, den muss man sich erarbeiten, indem man seine Anlagen so pflegt, dass die Trauben doch recht lange hängen. Andererseits darf man sich keine Fehler erlauben, für große trockene Weine braucht man absolut gesundes Lesegut. Das ist immer ein Tanz auf Messers Schneide, wir sind hier halt nicht am Mittelmeer …” Er hat unterdessen den ’12er eingeschenkt. Herrlich, der Jahrgang war am Anfang auch etwas störrisch, jetzt öffnet er sich langsam. Immer noch fordernd, aber schon auf dem Weg, sein Potenzial zu zeigen. Der ’11er, das war ja nicht so ganz mein Jahrgang, ein Riesling für Nicht-Riesling-Trinker hatte ich mal gesagt und merke jetzt, wie falsch ich gelegen habe. Jetzt strahlt er nicht kristallin, sondern eher wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum. „Kann man trinken, was?“, meint Gerd Grans lachend. Ja, kann man, auf jeden Fall. „Den kann man jetzt toll mit Speisen kombinieren, der ist jetzt schon wunderbar großzügig und auf der einen Seite harmonisch, aber auch noch spannend genug.“ Keine Widerrede. „Aber ihr wolltet ja auch noch was aus meiner Schatzkammer für euer Weinbrevier, sollen wir da mal was verkosten?“ Natürlich sagen wir nicht nein. Es gibt eine ’02er Spätlese aus dem Goldtröpfchen. Marco und mir läuft schon beim Duft das Wasser im Mund zusammen. „Das Kuriose bei den fruchtigen Rieslingen ist, dass sie mit der Reife immer trockener schmecken und die Säure milder wird. Das ist ja alles noch da, aber der Traubenzucker verestert halt und man schmeckt ihn nicht mehr so. Mit der Säure ist das ähnlich. Daher ist das natürlich Quatsch, dass man so einen Wein nicht zum Essen trinken kann. Der passt doch hervorragend auch zu Fisch oder Meeresfrüchten.“ Passt er, in der Tat. Jetzt kommt er richtig in Fahrt. „Moment, ich hab da noch eine Idee …“ Einige Minuten später kommt er wieder. Eine verstaubte Flasche in der Hand, das Etikett nur noch schwer lesbar. 1971 Leiwener Laurentiuslay Auslese können wir entziffern. 44 Jahre alt. „Meine Lieblingslage. Den hat mein Vater noch gemacht.“ Er zieht den Korken raus. „Jetzt schauen wir mal, was Moselriesling so alles kann …“ Yes, it can! Fast trocken kommt er daher, aber unheimlich elegant. Kein Stück Alterungstöne, kein Stück Petrol, einfach pure, feinfruchtige Eleganz. „Was habt ihr denn jetzt noch vor?“ Na, ein paar Bilder im Weinberg wären doch schön. „Hmm, ich muss aber jetzt nach dem Riesling irgendwie was essen.“ Ein guter Plan, aber Zeit, irgendwo richtig was essen zu gehen, haben wir nicht, der nächste Winzer wartet. „Ich mach euch einen Vorschlag. Wir fahren um die Ecke zum Metzger, der hat wunderbare Fleischwurst und tolle Brötchen, packen hier die paar Weine ein und machen dann ein kleines Picknick in der Laurentiuslay.“ Moselaner sind pragmatisch. Wir fahren also zum Metzger um die Ecke, machen da so viel Wind, dass die Kasse spontan für die 5,20 € für drei üppige Fleischwurst- und Leberkäsebrötchen, 2.509 € Rückgeld geben möchte, verursachen einen kleinen Mitarbeiterauflauf am Kassensystem und versichern, wenn das so an der Mosel liefe, kämen wir bald wieder.

Kurze Zeit später sitzen wir in der strahlenden Sonne auf einem kleinen Plateau an der steilsten Stelle der Laurentiuslay, hoch über der Mosel. Die Sonne scheint, nachts hat es auf den Moselhöhen noch etwas Frost gegeben, hier kann man gegen Mittag im T-Shirt sitzen und schwitzt. Wir prosten uns mit dem ’71er zu und schauen dösig vor uns hinkauend ins Moseltal. „Man müsste öfter hier hoch kommen“, meint Gerd Grans „irgendwie ist man ja sonst nur zur Arbeit hier oben. Da sieht man oft gar nicht, wie schön das hier ist.“ Er verteilt noch etwas vom ’02er, als Dessert sozusagen, besser als jedes Drei-Sterne-Menü. Wir reden über Gott und die Welt, die Mosel, den Wein und dies und das. Der nächste Winzer wird doch noch etwas warten müssen. „Am besten kommt ihr bald mal wieder, dann haben wir wieder einen Grund, zusammen im Weinberg zu sitzen“. Machen wir, versprochen.

 

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