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Zwischen grossen Namen

Unser Weg führt uns von Saint-Émilion, wo wir unseren überdimensionierten Wagen mit Mühe und Not und frankophiler Parkkunst halb in einen Weinberg zwängen konnten, an Beauséjour-Duffau-Lagarosse vorbei zu Angélus, hier endet das Plateau und die Côtes beginnt. Es geht etwas abwärts, aber nach nicht einmal 500 Metern ruft Marco Stopp. Wir wären fast an dem netten, kleinen Häuschen vorbeigefahren. Ein paar alte Bäume, drei bis vier Zypressen, die großen Türen und einladenden Fenster im hellen Sandstein- Bau stehen weit offen. Hier atmet alles einen fröhlich-beschwingten Geist.

Als unsere Reifen auf dem hellen Kies knirschen, kommt ein regelrechtes Empfangs-Kommando heraus. Wir wissen erst einmal gar nicht genau, mit wem wir uns verabredet haben, aber die drei Herren und eine Dame gehören alle zum Weingut – irgendwie.

Das Team von Château RoyllandMadame e Monsieur Chambard Chateau Roylland

Aber vielleicht fangen wir mal ganz am Anfang an: Die Parzelle in so prominenter Nachbarschaft trägt eine uralte Flurbezeichnung. Als Aquitanien noch zur englischen Krone gehörte, war das Land Eigentum des englischen Königs und trug selbstverständlich die französische Bezeichnung “Lande du Roi”, das Land des Königs. Sehr einfach, aber nicht einfach genug, denn irgendwann wechselte der König und war ein Franzose. Irgendwann wurde im Sprachgebrauch auch das “Lande” ans Ende gestellt und der König bekam den ihm gebührenden Platz an der Spitze: Voilá Roylland. Nachdem die Franzosen ihren König nicht mehr haben wollten, blieb nur eine kleine Parzelle des Château Königsland übrig.

2010 wollte der alte Besitzer nicht mehr weitermachen. Zum Glück war er auch wohl ein wenig sentimental. Monsieur Chambard zeigt hangabwärts, “seht ihr diesen Teil da direkt unterhalb von Angélus. Das ist ein Hektar. Der gehört zu Roylland. Hätte er das an Angélus verkauft, wäre das automatisch in die höchste Stufe der Klassifikation gerutscht und die hätten vielleicht 4.000 Flaschen im Jahr mehr machen können. Wahrscheinlich hätte er für den einen Hektar mehr bekommen, als für das gesamte restliche Weingut, aber er wollte seine Parzellen zusammenhalten.” Also wurden aus dem Arzt und seiner Frau Winzer oder besser Halbwinzer. Monsieur Chambard lächelt, “Ja, Winzer wird man doch nicht eben mal. Aber wir sind viel in der Gegend gewesen. Als wir die Chance hatten, Roylland zu kaufen, haben wir direkt zwei Freunde einbezogen.” Jetzt kommen die anderen beiden Herren ins Spiel: der eine stellt sich als Jean-Francois d’ Espagne vor, einen Namen den wir doch kennen, der andere als Thomas Thiou. Die Besitzer von Grand Corbin d’Espagne und La Couronne, die man nach zwei bis drei Sätzen schon als echte Winzer identifizieren kann, meinen nur “Wir helfen hier ein wenig …” Monsieur Chambard protestiert leise, “nein, nicht nur helfen. In Wirklichkeit machen die beiden den Wein und ich helfe ein wenig mit. Gut, bei der Lese da packen wir alle mit an, natürlich.” Und Thomas ergänzt mit einem kleinen Seitenhieb auf Madame Chambard: “Die Traubensortierung steht allerdings voll unter dem strengen Befehl der Chefin.”

Weinberge und GartenDer Brunnen von RoyllandRoylland - Blick Richtung Angelus und Saint Emilion

Wir gehen in einen kleinen Anbau, den wir für die Garage gehalten haben. “Hier machen wir den Wein”, erklärt Jean-Francois, “alles relativ einfach. Ein bisschen Edelstahl, ein bisschen Beton und zum Schluss kommt alles in Barriquefässer, dafür haben wir allerdings hinter dem Haus einen neuen Fasskeller gebaut.” Alles sehr überschaubar. “Wie viel Flaschen macht ihr denn so?”, fragen wir. “In guten Jahren 15.000 bis 18.000 Flaschen und dann noch etwas Zweitwein. Vom 17er wird es allerdings nur einen Bruchteil geben, vielleicht 2.000 Flaschen. Die Ernte war eh gering und dann,” sagt er schelmisch grinsend, “hat die Chefin noch die Hälfte aussortiert.” “Dafür ist der Wein wenigstens ordentlich geworden!”, kontert die Chefin freundlich. “Auf jeden Fall.”

Roylland - Blick auf Angelus, Ausone & Co

Wir verkosten jetzt gemeinsam 10er, 15er und 16er. Es wird schnell gefachsimpelt und diskutiert, ein herrliches Durcheinander. Auf jeden Fall fällt uns auf, dass die Stilistik der beiden jüngeren Jahrgänge sich deutlich geändert hat. “Wir sind konzentrierter und vielleicht auch vielschichtiger geworden”, erklärt Thomas, “der Wein braucht jetzt sicher etwas mehr Zeit. Da hat sich die bessere Selektion und die Präzisierung der Abläufe bei der Verarbeitung ausgezahlt.” Und Jean-Francois ergänzt, “auch im Weinberg haben wir einiges verändert, das braucht ein paar Jahre, bis das durchschlägt. Das Lesegut ist jetzt deutlich besser, die Schalen sind etwas dicker und der Ertrag ist von vornherein geringer.” “Eigentlich haben wir alles getan, damit die Beiden nicht mehr so viele Flaschen verkaufen können”, meint Thomas. “Nun ja,” flachst Jean-Francois, “die müssen ja zum Glück vom Wein verkaufen auch nicht ihre Rente finanzieren.”

Verkostung auf Château Roylland

Wir merken, es kann sehr leicht und beschwingt sein, schweren Wein zu machen. “Wisst ihr,” sagt uns Monsieur Chambard, als wir wieder abfahren, “das hier, das ist immer mein Traum gewesen, seit ich Wein trinke. Und jetzt kann ich hier in der Abendsonne sitzen, auf Angélus, Ausone und Saint-Émilion blicken und meinen eigenen Wein trinken. Was will man mehr …”

 

2015 CHÂTEAU ROYLLAND

Grand Cru, Saint-Émilion

Das kleine Château von Monsieur Chambard hat im Spitzenjahr 2015 einen Rotwein auf Grand-Cru-Niveau abgeliefert. Das ist klassischer, ja im erfreulichen Sinn schon fast etwas altmodischer Saint-Émilion, nicht auf den schnellen Genuss getrimmt, sondern lagerfähig und vielschichtig. Wenn Sie wissen wollen, was aus diesem Wein noch werden kann, dann geben Sie ihn einmal zwei bis drei Stunden vor dem Genuss in eine Karaffe. Denn mit etwas Luft entfaltet er betörend tiefe Fruchtaromen von reifen Kirschen, Schlehen und einem Hauch Cassis. Am Gaumen zeigt er sich ausdrucksstark, saftig und mit einer ungestüm jugendlichen Ader, was ungemein trinkanimierend wirkt. Wird sich mindestens so gut entwickeln wie der tolle 2010, vielleicht hat er sogar die Nase etwas vorn. Lohnt sich, den einzulagern!

0,75l nur 25,90 € im 5+1 Angebot  shopping_basket

 

2015 Château Roylland Grand Cru

 

2010 CHÂTEAU ROYLLAND

Grand Cru, Saint-Émilion

Die schlechte Nachricht zuerst: die Bestände des 10ers sind jetzt fast aufgebraucht. Es könnte also das letzte Mal sein, dass dieser große Jahrgang bei uns im WeinBrevier zu finden ist. Wir vermuten es, denn die gute Nachricht ist: jetzt zeigt er sich absolut auf der Höhe. Nach acht Jahren ist der Roylland perfekt gereift! Natürlich wird er noch einige, vielleicht sogar viele Jahre durchhalten, aber wir finden, der Wein lebt von seiner satten Frucht, der sich jetzt die ersten Reife-Aromen zugesellen und ihm damit noch mehr Charakter geben. Ein Zustand des Übergangs in Perfektion, in der sich die dunklen Beerennoten mit ersten Tabak- und Herbstwald-Aromen abwechseln. Seine feine Saftigkeit mit dem gaumenwässernden Finale hat er noch nicht verloren, die geschliffenen Tannine mit den Anklängen an Schokolade bleiben erstaunlich lang am Gaumen. Man könnte es auch so zusammenfassen: Einfach gut!

0,75l nur 26,90 € -limitiert- shopping_basket

 

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*Alle Angebote gelten bis 11.11. bzw. so langer der Vorrat reicht.