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Guter Rat seit 804

Karl der Große, Charlemagne, den sowohl die Franzosen als auch die Deutschen mit einiger Berechtigung zu ihrem Ahnherren erklären, soll sozusagen den ideologischen Grundstein zum Château Monconseil Gazin gelegt haben. Es war nach seinem zweiten, wenigstens einigermaßen erfolgreichen Feldzug gegen die spanischen Mauren, als er auf dem Rückmarsch an dieser Stelle im Jahre 804 einen Kriegsrat einberief. Wie immer sprach der weise Herrscher kluge Worte und das beeindruckte Volk nannte den Ort daraufhin “Mon Conseil”, was soviel wie “Mein Rat” heißt. Irgendwann 500 Jahre später hat hier jemand ein Landgut errichtet und den Namen übernommen. Und da es sogar einen Wehrturm und einige dicke Mauern gab, durfte sich das Gebäude nunmehr Château nennen.

Der Wehrturm ist heute noch erhalten, aber das Landgut auf dem Jean-Michel und Francoise Baudet leben, macht weniger einen wehrhaften, als einen einladenden Eindruck. Das man hier nahe an der Gironde und damit auch am Meer ist, merkt man erst, wenn man auf einen der Hügel hinaufsteigt und plötzlich auf der Flussmündung ein Kreuzfahrtschiff vorbeifährt. Die Landschaft mit ihren sanft gewellten Hügeln und dem weiten Himmel wirkt dann wie ein surreale Kulisse. Jean-Michel will uns erst einmal die Gegend zeigen. Ein großer Teil seiner Weinberge liegt zum Glück direkt vor der Haustür an einem sanft geneigten Hang. Hinter dem Haus, in Richtung Süden steht ein kleiner Laubwald, durch den der Ruisseau de Brouillon fließt, nur einen Kilometer weiter tröpfelt der kleine Bach unspektakulär in das unermessliche Delta der Gironde. “Ruhig hast du es hier”, sage ich zu Jean-Michel. “Oh ja”, meint er, “hier gibt es nicht einmal einen Nachbarn in unmittelbarer Nähe, der einem mit dem Rasenmäher auf die Nerven gehen kann. Wir wollen jetzt demnächst auch hier in den Gebäuden am alten Turm ein paar Ferienwohnungen einrichten. Ich glaube, das dürfte auch ein paar Urlaubern gefallen. Das ist übrigens der Monconseil Weinberg.” Er zeigt unbestimmt auf die Reben vor dem Haus. “Sozusagen die Urzelle des Weinguts, das mein Ururgroßvater gegründet hat. Ihr habt ihn eben in der Probierstube gesehen. Da hängt eine Fotografie von ihm. Der mit dem weißen Backenbart und dem undefinierbaren Lächeln. Man kann nur leider auf dem Foto nicht sehen, ob er noch einen Ring im Ohr trägt, aber meine Großmutter hat mir immer erzählt, dass er mächtig stolz darauf war.” Der Ururgroßvater war nämlich eigentlich Fassmacher und trug deswegen natürlich das Kennzeichen der Gilde, den Ohrring. “Das waren kräftige Gesellen, da wusste jeder, mit den Jungs mit dem Ohrring legt man sich besser nicht an.” Dabei sieht der Großvater auf dem Bild ganz freundlich und friedlich aus. “Ja, da konnte er auch zufrieden und altersmilde schauen”, sagt Jean-Michel freundlich lächelnd, “er hatte sich ja hochgearbeitet. Vom Fassmacher- Gesellen zum Château-Besitzer. Das war schon ein Aufstieg. Aber dann wurde es schwer. Mitte des 19. Jahrhunderts kam auch hier die Reblaus und innerhalb kürzester Zeit wurden in der ganzen Region nicht einmal mehr zehn Prozent der ursprünglichen Weinmenge produziert. Da haben viele Winzer aufgegeben, wir haben weitergemacht. Nur musste das Weingut mehrfach geteilt werden, das französische Erbrecht ist zwar irgendwie gerecht, aber am Ende hat man nur noch ein paar Hektar Land übrig, von denen man kaum leben kann.”

Francoise-Jean-Michel-Baudet-Monconseil-GazinDer-UrUrGrossvater

Es ist Ende Oktober, einige Weinberge leuchten in den schönsten Gelb- und Rottönen, andere sind schon fast ohne Blätter und manche zeigen sogar noch ein saftiges Grün. Jean-Michels Weinberg ist auch auf dem Boden erstaunlich grün. “Wir machen zwar keinen Bio-Anbau”, erklärt er, “aber wir sind in der Terra Vitis Vereinigung und versuchen dadurch, so naturnah und nachhaltig wie möglich zu arbeiten. Ich wohne ja auch nur 20 Meter vom Weinberg entfernt, es käme schließlich auch niemand auf die Idee seinen Garten zu vergiften.” Pheromonfallen für den Traubenwickler sind ja mittlerweile schon Standard, aber bei Terra Vitis, dem mittlerweile mehr als 500 Winzer in Frankreich angehören, macht man sich noch weit mehr Gedanken. “Wie können wir die Mikroorganismen im Boden erhalten, wie die nützlichen Insekten stärken und vieles mehr. In einer Gruppe kann man da viel lernen und muss nicht alles selber ausprobieren.” Er nimmt ein paar Pflanzen vom Boden auf. “Hier säen wir zum Beispiel bewusst Feverole aus Ackerbohnen, die verbessern den Boden und wir müssen nicht mehr wie früher düngen.” Hauptsächlich Merlot und etwas Cabernet stehen im Weinberg vor seinem Haus, aber er will uns unbedingt noch einen anderen Cru zeigen. “Wir fahren jetzt zum zweiten Teil des Namens.” An einem Weinberg mit etwas knorrigeren Rebstöcken steigen wir aus. “Hier steht mehr Malbec, den hat man eine zeitlang eher rausgerissen, weil die alten Klone oft etwas schwierig waren. Aber mein Vater hat in den 50er Jahren nicht gezögert, diese Parzelle hier zu kaufen und da haben wir immer nur einzelne Rebstöcke ausgetauscht. Das gehörte zu einem Weingut namens Château Gazin. Hatte aber nichts zu tun mit dem berühmten Château aus Pomerol.” “Hast du nie Ärger wegen des Namens bekommen?”, fragen wir, “es gibt ja Weingüter die sind da etwas empfindlicher.” “Jooo,” sagt er, “da hat mal jemand vorgefühlt. Aber erstens ist das hier in der Region ein gängiger Flurname und zweitens hieß ja das Château, das hier stand, schon so und bei Aufteilungen oder Zukäufen ist das üblich, den Namen anzuhängen.” “Und, haben sie dich verklagt?” “Nein, wir haben uns mal auf eine Flasche Wein getroffen und dann war die Sache erledigt … Sonst hätte ich das Weingut vielleicht umbenannt. Wir haben ja auch einen Turm und Château Monconseil-Latour hätte ja auch nicht schlecht geklungen.” Er ergänzt noch lächelnd, “im übrigen ist unser Turm auch deutlich älter.”

Weinberge von Monconseil Gazin Blaye

Wir fahren runter zur Gironde. “Das muss ich euch zeigen, kurz vor Blaye in Plassac gibt es die Überreste eines gallo-römischen Dorfes. Hier stand ein großes Landgut, eine richtige Villa mit Fußbodenheizung, Gärten und Thermen. Und vorne in Blaye wurden die Schiffe damals schon mit Wein beladen. Das muss hier eine reiche Gegend gewesen sein.” Die bordelaiser Gallier von damals hatten etwas anderes im Kopf, als den Eindringlingen heroischen Widerstand zu leisten, sie genossen die Annehmlichkeiten der römischen Zivilisation. Die integrative Kraft des Imperium Romanum machte es ihnen auch leicht, denn in den Provinzen war irgendwann der Unterschied zwischen Römern und der ursprünglichen Bevölkerung verschwunden. Wir gehen runter zum Fluss, wo an der kurzen, aber steilen Böschung einige Häuser auf Stelzen stehen. “Das sind die Fischerhäuschen”, erklärt er, “da sitzt du drin oder bei schönem Wetter davor und hältst die Angel ins Wasser. Und wenn du Glück hast, gibt es abends was zu Essen. Manche haben auch Klappen unten, an denen sie Reusen ablassen können um die berühmten kleinen Krabben zu fangen.”

Fischerhaus Gironde bei BlayeAn der Gironde im Herbst

Wir fahren zurück zum Weingut und Jean-Michel zeigt uns seinen Keller “das ist ja alles kein Geheimnis hier,” sagt er und zeigt uns voller Stolz in einer alten Scheune nebenan einen hochmodernen Vollernter, den er sich mit anderen Winzern teilt. Vollernter! Das ist etwas, das andere Winzer in der Garage des Nachbarn verstecken, wenn Weinhändler oder Weinjournalisten zu Besuch kommen. Wenn ich oft so lese, wer bei welchen Weinen alles Handlese, besser noch selektive Handlese betreibt, frage ich mich, ob es so viele Hände überhaupt gibt. Jean-Michel lacht, “Schau mal das Ding ist der Wahnsinn, wenn du die Vorarbeit im Weinberg ordentlich gemacht hast, dann ist das besser als jede Handlese mit schlechtem Personal. Vor allem noch besser als gar keine Lese mit gar keinem Personal …” Es war 1983, als die gesamte spanische Pflückmannschaft einfach nicht auftauchte. “Wir hatten immer die gleichen Leute und auch schon einen Termin mit ihnen ausgemacht, aber in dem Jahr kam einfach keiner. Die Trauben wurden reifer und reifer, viele der Kollegen waren schon fertig und als dann Regen angesagt war für Ende der Woche hingen immer noch drei Viertel der Trauben. Da bin ich zu einem Freund gefahren, der bei der Genossenschaft arbeitet und die haben mir für drei Tage den Vollernter geliehen, sonst hätten wir keinen Wein im Keller gehabt. Ja, das war damals nicht so der tollste Wein, aber wir hatten wenigsten was und ganz schlecht war er auch nicht. Seitdem haben wir uns dann intensiver mit dem Thema beschäftigt und die Maschinen haben sich rasant weiterentwickelt. “Klingt vernünftig”, sage ich, “aber leider vergessen viele Leute ja, dass man als Winzer vom Wein verkaufen auch leben muss und die Erntehelfer gerne einen gerechten Lohn hätten.” “Ja, aber es sind eben nicht nur die Kosten”, ergänzt Jean-Michel “gerade der Einstiegswein, den wir mittlerweile zu fast 100 Prozent maschinell ernten, wäre wahrscheinlich eher schlechter, weil die Rebflächen mit den etwas höheren Erträgen auch empfindlicher sind, was die Reife und eventuellen Regen während der Ernte angeht. So kann man vorher in Ruhe die Rebzeilen durchgehen und da die notwendige Arbeit machen und dann alles auf einmal reinholen und schnell verarbeiten.”

Im Keller stehen viele Barriquefässer. Von vielen Winzern kennen wir es, dass sie auf ein oder zwei Fassmacher schwören. Hier aber scheinen alle Fassmacher der Weinwelt vertreten zu sein. “Zu Fassmachern haben wir ja ein familiär geprägtes Verhältnis”, sagt er lachend, “da kann ich keinen diskriminieren …” Eigentlich ist es eher so, dass er zu den Fässern ein lässig-pragmatisches Verhältnis hat. “Ich bin kein Freund von zuviel Barrique im Wein, also benutze ich am liebsten gebrauchte Fässer, nur für den Grand Reserve nehme ich einen kleinen Anteil an neuem Holz. Also kaufe ich einen Großteil meiner Fässer, wenn sie bei anderen Château ausrangiert werden und nutze sie dann noch drei bis vier Jahre. Das ist perfekt für meinen Wein und es kommt dann weniger darauf an, wer das Fass gemacht hat, als wie es gepflegt wurde.” Was hätte wohl der Ururgroßvater dazu gesagt? “Der war sparsam und pragmatisch, sonst hätte er es ja nie zu einem Weingut gebracht.”

 

2015 CHÂTEAU MONCONSEIL GAZIN ROUGE

A.O.C., Blaye

Bei jeder Verkostung sind wir immer wieder überrascht, wie gut er ist und das mit einer beeindruckenden Kontinuität und einem immer noch mehr als attraktiven Preis. 2015 ist er natürlich besonders ansprechend gelungen. Würziger Duft mit feiner Frucht von dunklen Kirschen und reifen Pflaumen. Etwas Lakritz und Graphit. Saftiger Charakter mit fantastischem Trinkfluss. Die Tannine sind spürbar, aber bestens in die Frucht integriert. Manche Weinfreunde glauben ja nicht mehr daran, aber der Monconseil Gazin ist der Beweis: Es gibt sie noch, die klassischen, feinen Alltagsbordeaux’ die als vielseitige Speisebegleiter, einfach so als Feierabendglas oder beim Boule großartig Spaß machen.

0,75l nur 8,90 €  shopping_basket

 

2012 CHÂTEAU MONCONSEIL GAZIN GRANDE RÉSERVE ROUGE

A.O.C., Blaye

Von der wunderbaren Réserve von Jean-Michel Baudet können wir Ihnen zwei Jahrgänge anbieten. Vom herrlichen, jetzt schon etwas reiferem 12er haben wir nämlich noch einige, wenige Flaschen beiseite gelegt. Er duftet einladend nach eingekochten Kirschen und Hagebutte. Diskret rauchiger Toast und deutliche Süßholznoten. Sein vollmundiger Saft mit weichem Kern präsentiert sich mit harmonischer Frische. Bleibt lange nach mit gut eingebundenen Gerbstoffen und feiner Süße.

0,75l nur 16,50 € shopping_basket

 

2014 CHÂTEAU MONCONSEIL GAZIN GRANDE RÉSERVE ROUGE

A.O.C., Blaye

Der 14er dagegen ist noch jugendlich, aber mit etwas Luft auch schon sehr gut zu genießen. Im Duft mit klarer, expressiver Kirschfrucht, Hagebutte, Graphit und edler Tabakwürze. Schmeckt sehr kultiviert und fein. Sein klarer Fruchtgeschmack mit saftigen Tanninen ist perfekt austariert. So wirkt er jetzt schon ausgewogen, kann aber noch weiter reifen. Uns gefällt seine frische Eleganz jetzt bereits sehr gut.

0,75l statt 15,50 € nur 13,90 € shopping_basket

 

Hier finden Sie alle Weine von Château Monconseil-Gazin

 

Angebote gültig bis 11.11.2018, bzw. so lange der Vorrat reicht.