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In der Weltspitze angekommen

Das Dritte der Léoville-Weingüter hat sich lange Zeit etwas unter Wert verkauft, wenn man bedenkt, dass einige der besten Weinberge Saint-Juliens dazugehören. Dafür ist das Comeback dieses 2ème Grand Cru umso eindrucksvoller, und das Team um Inhaber Didier Cuvelier, der einer der ältesten Weinhändler-Familien des Bordelais entspringt, weiß das auch darzustellen.

Wir parken auf einem großen Parkplatz hinter dem Weingut und Schilder weisen darauf hin, dass man hier nicht nur als angemeldeter Besucher willkommen ist. In einem modernen, aber mit viel Holz eingerichteten Shop, in dem alles was mit Poyferré zu tun hat ausgestellt und Wein verkauft wird, empfängt uns Lori Westmorland. Bordeaux ist ja seit jeher international, und auf Menschen mit englischem Namen trifft man hier öfter. Ihr Akzent lässt aber eher auf die USA schließen, also fragen wir nach. Die resolute Lori meint, das sei eine ganz einfache Geschichte. Sie komme ursprünglich aus den USA, aber nach der Uni habe sie mal was von der Welt sehen wollen, habe einen Rucksack gepackt und sei durch Europa gereist: “In Bordeaux bin ich dann hängen geblieben und hab’ mich als Englischlehrerin verdingt. Irgendwann habe ich dann auch Didier Cuvelier Englischstunden gegeben und irgendwie hat er mir dabei auch viel über Wein beigebracht. Daran kommt man hier in der Region nicht vorbei.”

Verkostung

Der Kontakt zu Didier sei nie abgerissen, das Bordeaux ist schließlich irgendwie auch klein. “Und als er hier das Château umbaute, hat er mich gefragt, ob ich mich nicht um die Gäste kümmern wolle – Et voilá, here I am.” Lori kümmert sich dabei nicht nur um die professionellen Gäste, hier kann im Prinzip jeder vorbeikommen. Man kann Führungen, Tastings, Kochkurse und so weiter buchen, außerdem stehen Räume für Veranstaltungen bereit. Poyferré ist mehr als nur ein Weingut. “Unsere Idee war, das Weingut zu öffnen”, erzählt sie, “Grand-Crus haben ja schnell etwas Snobistisches an sich. Genau deswegen sollten wir jedem, der vorbeikommen will, die Möglichkeit geben, kennenzulernen, was wir machen. Daher gibt es hier auch richtige Seminare. Wir wollten kein Disneyland, aber eben auch kein abgeschotteter Ort sein.” Wir staunen, wie gut das gelungen ist. Ein herrlich offener Ort, der seine Besucher freundlich empfängt und trotzdem die Klasse des Weins wiederspiegelt.

Vin de PresseFüllung der BarriqueVerksotungsecke

Wir überqueren die Straße, bei Las-Cases über den Hof gehen wir in das Chais von Poyferré und treffen Kellermeister Didier Thomann. Thomann klingt auch nicht wirklich französisch. “Nein, mein Großvater kam aus Hamburg – aber jetzt verlangt bloß nicht, dass ich was auf Deutsch sage.” Didier zeigt uns die letzten Tanks mit den Trestern. Alles riecht verführerisch nach Wein und Gerbstoffen. “Wir haben in den letzten Jahren stark an unserer Stilistik gearbeitet und festgestellt, dass sich unsere Weinberge perfekt für einen etwas konzentrierteren Saint-Julien eignen. Viele Weingüter hier haben beispielsweise den Petit Verdot ganz aus ihrer Cuvée verbannt. Wir haben aber noch ein paar Flächen mit sehr alten Rebstöcken und einem besonderen Boden, also gibt es bis zu sieben Prozent davon in unserer Cuvée und auch etwas Cabernet Franc, aber das ist nur einer der Gründe für die besondere Würze des Weins.” Alex de Boubers kommt hinzu. Die beiden wollen heute das Weinjahr sozusagen abschließen. Die letzten Fässer werden mit dem Vin du Presse gefüllt. Da muss auch Alex, der sonst für die Weinberge zuständig ist, im Keller mithelfen. “Wahrscheinlich muss ich ihm zeigen, wo was ist,” scherzt Didier, “der kennt sich ja nur zwischen den Rebstöcken aus.” Lori führt uns durch den Barriquekeller, wo in aller Ruhe ein paar Arbeiter die letzten Fässer füllen. “Wir haben hier 20 verschiedene Fasshersteller im Einsatz”, erklärt Lori, “da sich jedes Fass ein wenig anders zum Wein verhält, möchte Didier dem Wein auf diese Weise mehr Komplexität geben. Es ist extrem spannend, die verschiedenen Fässer vor der endgültigen Cuvéetierung zu verkosten. Das gibt natürlich auch immer Anlass zu endlosen Diskussionen.” Lori klingt nicht, als hätte sie Angst davor. Als Lehrerin sollte sie so etwas ja gewöhnt sein.

Im Barrique Keller

 

2011 CHÂTEAU LÉOVILLE POYFERRÉ

2ème Grand Cru Classé, Saint-Julien

Es müssen nicht immer die Jahrhundertjahrgänge sein, in denen große Weine entstehen. Robert Parker hat den 11er Léoville Poyferré als einen der besten Weine des Jahrgangs bezeichnet. Auch in diesem Jahr ein kraftvoller und vollmundiger Poyferré, der vor saftiger, dunkelbeeriger Frucht geradezu explodiert. Die Tannine sind hochfein, was eine Leistung in diesem Jahrgang ist. Das ist das Großartige bei Poyferré, das hier quasi immer fantastische Weine entstehen. Delikat! Er ist jetzt in einer ersten attraktiven Trinkphase.

94 Parker

0,75l  78,50 € shopping_basket

 

2015 CHÂTEAU LÉOVILLE POYFERRÉ

2ème Grand Cru Classé, Saint-Julien

In 2015 ist der Poyferré wieder einmal der hedonistische der drei Léovilles. Er ist der einzige mit etwas Petit Verdot in der Cuvée. Das gibt ihm seinen markant-würzigen Charakter, der an frisch zerstoßene dunkle Beeren, Graphit und Veilchen erinnert. Gewohnt offenherzig und reif. Auch wenn er problemlos weiter reifen kann, ist das sofortige Öffnen einer Flasche im Gegensatz zu denen seiner Nachbarn keine Sünde. Nach zwei- bis dreistündigem Aufenthalt im Dekanter offenbart er seine gewohnt großzügige Fülle, seinen weichen Schmelz und attraktive Frische im langen Finish. Ein gebratenes Steak steht ihm kongenial zur Seite.

0,75l  93,00 €shopping_basket

 

Hier finden Sie alle Weine von Château Léoville-Poyferré.

 

*Angebote gültig bis 11.11.2018, bzw. so lange der Vorrat reicht.