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Der Klassiker

Charles Duchemin hatte zwar seinen Geschmackssinn verloren, aber den 53er Léoville-las-Cases erkannte er natürlich alleine am brillanten Glanz und den wenigen Schwebeteilchen. In der großartigen Szene von “Brust oder Keule” ist Louis de Funés für seine Verhältnisse sogar einmal ganz ruhig. Ob er während der Dreharbeiten wohl den echten 53er Léoville im Glas hatte?

Dem Las-Cases scheint auf jeden Fall etwas freundlich-beruhigendes zu eignen. Als wir auf das Weingut kommen, merken wir, dass heute vielleicht nicht der perfekte Tag für einen Termin mit dem Kellermeister sein könnte. Zwar wird überall geschäftig gearbeitet, doch Bruno Rolland kommt entspannt lächelnd auf uns zu. “Pardon”, sagt er, “es ist gerade ein wenig was los hier, wir füllen den Vin de Presse. Das ist die letzte Arbeit im Herbst und mit den ganzen Trestern und dem farbintensiven Presswein sieht das immer etwas unsauber aus.” Er scheint aber nicht im mindesten hektisch zu sein, denn er bleibt an jedem Fass stehen, um uns die Welt von Las-Cases zu erklären.

Bruno Rolland - Der KellermeisterIm Keller

Erst einmal sind wir erstaunt, dass uns hinter dem alten Schloss kein architektonisch kühner Neubau erwartet. Die Gärständer in der gepflegten, aber historischen Halle sehen aus, als stünden sie schon mindestens 100 Jahre hier. “Ganz so lange nicht”, sagt Bruno lächelnd, “aber es stimmt schon, wir sind sehr traditionell hier. Wenn man mit ihnen zufrieden ist, muss man ja Dinge nicht ändern, nur weil es andere tun. Es gibt wahrscheinlich viele Wege zu gutem Wein, und wenn andere einen anderen wählen, dann ist das gut so.” Man sieht Bruno an, dass er selber gerne im Keller arbeitet, seine Hände tragen die rote Farbe von Las-Cases, “das bekommt man auch so leicht nicht wieder ab”, sagt er. “Na, vielleicht bis zur nächsten Ernte.” In der Ecke surrt eine Korbpresse und drückt den letzten Wein aus den Trestern. Bruno schaut kurz hin, scheint zufrieden und überlegt ob er uns genauer erklären soll, was dort geschieht. “Der Vin de Presse ist extrem wichtig für unsere Cuvée. Wenn wir den normalen Abzug gemacht haben, ergibt das natürlich einen wunderbaren Wein, aber ein Bordeaux braucht auch Struktur und ein großes Reifepotential. Also pressen wir die Trester aus, was mehr Farbstoffe und Tannine ergibt. Die Pressweine teilen wir dann in drei Qualitätsstufen ein und dann kommt die Arbeit an der Cuvée. Manchmal braucht es nur ganz wenig von dem Presswein, manchmal etwas mehr. Den größten Anteil hatten wir 2005, da waren es 20 Prozent, aber da hatten wir auch erstaunlich wenig Wein.” “Aber ziemlich guten”, ergänzt Marco. Bruno lächelt.

“Wie lange bist du denn schon hier auf dem Weingut?”, fragen wir ihn. “Man könnte sagen, schon immer”, antwortet Bruno, “ich komme aus Saint-Julien. Als Kinder haben wir hier in den Ruinen des Château gespielt.” “Den Ruinen?” “Das ist in den 50ern alles abgebrannt und damals hatte man kein Geld, um das Château wieder aufzubauen, also gab es lange eine Ruine, die man dann mehr oder minder zusammengeflickt hat, um weiter Wein zu machen. Das ging vielen Weingüter in der Region so. Das Bordelais glänzte nicht immer. Erst die Familie Delon hat dann in den Aufbau investiert. Die letzten Arbeiten waren 2005 abgeschlossen.”

Im FasskellerBig Bottle

Wir gehen auf den Hof, “das Gebäude direkt gegenüber, da macht Léoville Poyferré seine Weine, aber der Sitz des Weinguts ist auf der anderen Seite der Straße.” Wir wechseln auch die Straßenseite, denn die Barriquekeller befinden sich gegenüber, direkt neben Poyferré. “Wir sind sozusagen über Kreuz”, meint Bruno, ”räumlich jedenfalls.” Der Barriquekeller ist alleine von der Ausdehnung her sehr eindrucksvoll. Gerade wird der erste Vin de Presse in Fässer gefüllt. “Natürlich machen wir uns schon jetzt Gedanken darüber, wie die endgültige Cuvée aussehen wird, aber die abschließende Assemblage bestimmen wir erst kurz vor der Füllung. Die einzelnen Partien entwickeln sich ja oft sehr unterschiedlich.” Natürlich fragen wir nach dem Jahrgang 2017. “Das große Problem war der Frost im Frühjahr, aber der beeinflusst ja nur die Menge, nicht die Qualität. Wir sind davon kaum betroffen, vielleicht haben wir zehn Prozent weniger, aber dafür ist die Qualität sehr gut geworden. Ich denke das ist ein Jahrgang, den ich sehr lieben werde mit seiner Finesse und tollen Frucht. Auf jeden Fall ist er überdurchschnittlich gut. Natürlich: Der 15er mit seiner Kraft und Dichte ist eindrucksvoller und der 16er ist etwas, was man seinen Kindern vermachen kann. Das wird ein Klassiker.” Man kann sich nicht vorstellen dass Bruno irgendwann das Wort “Jahrhundertjahrgang” in den Mund nehmen wird.

Bei Leoville auf dem BalkonIm Garten von Leoville las Cases

Wir gehen ins Haupthaus um ein paar Weine zu verkosten, der Blick schweift über einen wunderschönen Park und die Kirche von Saint-Julien hinunter auf die Äcker am Rande des Flusses. Die endlos erscheinende Weite wird eingerahmt von den beiden Löwen von Las-Cases, die an einem Treppenabgang wachen. Bruno, der Nachbarsjunge, kennt noch die Zeiten, als das Bordeaux nur wenig Glanz versprühte, und in den letzten 36 Jahren hat er mit vielen großartigen Weinen daran mitgearbeitet, das zu ändern.

 Im Garten von Leoville las Cases

 

2015 CLOS DU MARQUIS

A.O.C., Saint-Julien

Nein, der Clos du Marquis ist nicht der Zweitwein von Léoville-Las-Cases, der heißt Petit Lion, der kleine Löwe. Der Clos du Marquis kommt aus einer eigenen, gesonderten Parzelle, die weiter oben auf dem Plateau von Saint-Julien liegt. Eigentlich ist der Wein wie ein zweiter Grand Cru aus dem Hause Las-Cases, aber die Klassifikation ist nun mal wie sie ist. Ein Duft von Meer und wilden Kräutern begrüßt die Nase im ersten Eindruck. Pures Understatement, würde ich behaupten. Schnell gesellen sich dunkle Waldbeeren hinzu. Der maritime Eindruck wechselt in Richtung Edelhölzer und Lagerfeuer. Was in den ersten Minuten an Entwicklung stattfindet, lässt auf eine spannende Zukunft hoffen. Und ja! Der geschliffene Geschmack mit fantastisch kühler Konzentration und engmaschigen Tanninen bei subtilem Druck in den langen Nachhall lässt nur einen Schluss zu: Das ist ein großer Clos du Marquis. Aber erst in fünf bis zehn Jahren. Wer diese Geduld mitbringt, sollte nicht lange überlegen.

0,75l  56,00 € shopping_basket

 

2005 CLOS DU MARQUIS

Und wir haben auch noch ein paar Flaschen gereiften Clos du Marquis im Keller. Zehn Jahre weiter ist der 05er. Ein großes, reifes Jahr. Robert Parker schrieb damals zu Recht “The best vintage ever” – eben ein Jahr, in dem Weingüter wie Léoville-Las-Cases eine großartige Eleganz auf die Flasche brachten. Der 05er zeigt erste Anklänge von Reifung, alles wirkt eingebunden und aus einem Guß. Er zeigt eindrucksvoll, was die Weine aus St. Julien können.

93 Parker

0,75l  85,00 € shopping_basket

 

2015 CHÂTEAU LÉOVILLE-LAS- CASES

2ème Grand Cru Classé, Saint-Julien Dieser Las-Cases ist eine Ikone. Großes Cabernet Terroir in Perfektion. 85 Prozent Cabernet Sauvignon in der Cuvée sprechen eine klare Sprache. Er ist einzigartig in seiner enigmatischen Tiefe und Kraft. Vibrierend. Titanisch. Ein Wein, der auf lange Lagerung ausgelegt ist. Noch sehr verschlossen. Reife Johannisbeere und andere dunkle Waldbeeren scheinen ab und an durch. Ultrakompakter Gaumen. Von Kühle durchdrungen. Das wird an Intensität und Präzision auch in Zukunft kaum zu überbieten sein. Man sollte sich ihm frühestens in zehn Jahren nähern, denn jetzt nutzt auch langes Belüften nicht viel.

98+ Parker

0,75l  210,00 € shopping_basket

 

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