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Vom Jagdschloss zum Premium-Weingut

“Der Graben ist schuld!” Francois Laura zeigt auf die Büsche und Bäume, die sich längs des Weinbergs ziehen und offenbar einen kleinen Bach verdecken. “Aber gut”, meint er gespielt beleidigt, “die wollten uns nicht dabei haben.” Er spricht von 1855, der Klassifikation, in der Belgrave dem Haut-Médoc und nicht dem wesentlich prestigeträchtigeren Saint-Julien zugeschlagen wurde.

Blick vom Saint Julien ins Haut-Medoc“Der Boden ist hier der Gleiche wie östlich des Grabens, aber da hört das Gemeindegebiet auf und hier beginnt Saint-Laurent. Dort gab es früher hauptsächlich Wald und die Weinbarone wollten halt keine Holzfäller dabei haben.” Aber der Wald ist auch der Grund, warum Belgrave gebaut wurde. Ursprünglich nämlich nicht als Weingut, sondern als Jagdpavillon. Gut, wenn man im 18. Jahrhundert zum englischen Königshaus gehörte, konnten Jagdpavillons auch schon mal etwas größer und ansprechender ausfallen. Die Weinberge rundherum kamen jedenfalls erst Mitte des 19. Jahrhunderts zum Jagdschlösschen und trugen bei der Klassifikation 1855 auch noch den Namen Coutenceau. Die Familie Thienot jedenfalls war der Meinung, dass ein ordentliches Bordelaiser Handelshaus auch ein ordentliches Weingut führen muss, das ist Tradition, man denke nur an Léoville-Barton. Also krempelte man vor einigen Jahren die Ärmel hoch. Ein neuer Keller wurde 2004 eröffnet und die Weinberge geologisch untersucht. “Dabei haben wir festgestellt, dass manche Reben einfach an der falschen Stelle gepflanzt waren”, erklärt Francois, “zum Beispiel der Petit Verdot. Immer weniger Weingüter pflanzen den an, wir glauben aber, dass ein kleiner Anteil zur Bordeaux-Cuvée dazugehört. Aber er stellt hohe Ansprüche an den Boden und so haben wir vor einigen Jahren einen halben Hektar neu gepflanzt, an einer Stelle, wo sich der Boden plötzlich stark ändert. Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend.”

Auf Chateau BelgraveFasskeller

Wir sitzen hinter dem Schlösschen im Park. Die späte Oktobersonne ist noch sehr stark, ein leichter Luftzug geht und Francois erzählt, was man alles tun kann, um den Wein auf Belgrave zu verbessern. Er zeigt uns Karten, auf denen jeder Rebstock eingezeichnet ist, und vergleicht sie mit anderen, auf denen die Bodenschichten zu sehen sind. Dann steht er auf und deutet auf die Weinberge, um das alles zu veranschaulichen. Er hat den Vorteil, dass die ganzen 60 Hektar direkt um das Haus herumliegen. Ein Weingut der kurzen Wege. “Zum Glück haben wir auch in den älteren Weinbergen eine relativ hohe Pflanzdichte”, meint er. “Wir können uns also auf einzelne Rebstöcke konzentrieren und auf kleinere Flächen, wo die Rebsorte nicht zum Boden passt.” Im Weinkeller zeigt er uns stolz seine Ausstattung. “Obwohl unsere Weinberge alle zusammen liegen, haben wir sie in Parzellen aufgeteilt. Die vinifizieren wir getrennt, wenn wir wollen sogar in verschiedenen Durchgängen.” Erstaunlich, welcher Aufwand hier betrieben wird. Es macht den Eindruck, als wolle man die Kollegen drüben in Saint-Julien ein wenig ärgern dafür, dass sie einen vor mehr als 150 Jahren nicht in ihre Gemeinde aufgenommen haben. “Wir sind ja ein Grand Cru Classé”, meint Francois, “aber wir wollen schon wissen, wie weit wir noch gehen können, daher setzen wir immer mehr auf Klasse statt Masse. Ich denke, vor allem der 15er zeigt, was wir hier erreichen können.” Uns scheint, der Weg vom Jagdschlösschen zum Premium-Weingut hat eigentlich gerade erst begonnen.

Das WeingutDas Weingut 2

 

2015 CHÂTEAU BELGRAVE

5ème Grand Cru Classé, Haut-Médoc

Ein Meilenstein. Er ist fantastisch konzentriert, fantastisch puristisch und fantastisch trinkanimierend. Von seiner Finesse erinnert er stark an die Weine der direkt angrenzenden Appellation Saint-Julien. Auch hat er in diesem Jahr eine ungeahnte Vitalität inne, die man so von diesem Weingut noch nicht gesehen hat und die ich schon bei den En-Primeur-Verkostungen positiv wahrgenommen habe. Schön, dass dieser Mut zur Perfektion und zur Individualität den Weg bis in die Flasche gefunden hat. Es empfiehlt sich etwas Kellerlagerung zur Milderung der Tannine, für Ungeduldige der zwei- bis vierstündige Einsatz eines Dekanters. Wir freuen uns schon auf die nächsten Jahrgänge in dieser Qualität.

0,75l  30,00 € shopping_basket

 

Hier finden Sie alle Weine von Château Belgrave

 

*Angebote gültig bis 11.11.2018, bzw. so lange der Vorrat reicht.