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Braida - „Wein in Flaschen? Impossibile!“

Rocchetta Tanaro ist ein kleiner Ort tief unten an einer Flussschleife gelegen. Eine Dorfstraße, ein Castello, das sich mehr als alte Villa offenbart, ungefähr 1.400 Einwohner und gefühlt genauso viele Hunde, deren Zuordnung zu den Familien im Dorf wahrscheinlich schwierig werden dürfte. Außerdem gibt es noch zwei bis drei Winzer und eine Genossenschaft. Als wir Mitte Juni ankommen, ist die Dorfstraße beinahe menschenleer, wer macht schon einen Spaziergang bei fast 40 °C im Schatten. Nur vor einem Café sitzen ein paar ältere Leute im Schatten und spielen schweigend Karten. „Warum seid ihr denn da hingegangen“, meint die Marchesa Incisa della Rocchetta, im Dorf besser bekannt als Barbara, als wir ihr erzählen, wir seien in der Bar delle amici gewesen. „Da sind doch nur alte Leute“, ergänzt die Mittsiebziegerin und legt die Hände besorgt zusammen. Stimmt, den Altersdurchschnitt haben wir deutlich gesenkt, und der Chef hat uns versucht in einem Schnellkurs die Grundlagen des Italienischen beizubringen, aber man konnte bei einem Espresso schön im Schatten sitzen und es gab ein erstaunlich schnelles WLAN, sodass wir unser Büro aufschlagen konnten. Ohne dass wir es gewusst hatten, waren wir mit den beiden ersten Bekanntschaften im Ort schon der Geschichte des Weinguts Giacomo Bologna auf der Spur. Die Bar delle amici in der Via Roma, die es scheinbar in jedem Ort Italiens gibt, gehörte nämlich einmal der Familie Bologna, und alle die berühmten Weine haben hier ihren Anfang genommen. Papa Giuseppe bereitete den Wein, der offen in der Osteria verkauft wurde, die Frauen standen in der Küche, und das Dorf ging ein und aus. 1961 entschloss sich Giuseppe Bologna dann zu einem unglaublichen Schritt, die Osteria wurde langsam über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt für ihre gute lokale Küche, und immer mehr Besucher kamen von außerhalb, sogar aus Turin. Sein Wein reichte kaum noch, also erhöhte er die Preise, von so umgerechnet 1 € für den Liter auf vielleicht 1,50 €. Im Dorf brach ein Proteststurm aus, „der Bologna ist größenwahnsinnig geworden“ hieß es. Statt klein beizugeben, ging Giuseppe in die Offensive. „Wenn der euch zu teuer ist, dann fülle ich den in Flaschen“, soll er geschrien haben, „und verkaufe ihn nach Turin.“ Madonna! Eine Barbera! In Flaschen! Wer braucht denn sowas? Aber es kamen immer mehr Besucher und viele nahmen direkt einige Flaschen des leckeren Weines mit. Darunter war ein Mann namens Luigi Veronelli, und der brachte immer öfter auch selber Weine mit und erzählte von der großen weiten Welt des Weins. Giacomo, der sich um den Service kümmerte, sog das Wissen mit Begierde auf und fing an eine besondere Weinkarte aufzubauen, nicht nur mit Weinen aus der Region. 

 Blick auf den Bricco dell Ucellone

 Bald fanden Flaschen aus allen Teilen Italiens und schließlich eine erstaunliche Sammlung von Weinen der Domaine de la Romanée-Conti ihren Weg in die Via Roma. Die Osteria erlangte einen geradezu legendären Ruf. Als Giacomo irgendwann für 45 Millionen Lire (eine Summe die in DM wahrscheinlich deutlich weniger beeindruckend war …) Weine der Domaine de la Romanée-Conti erwarb, wollte die Mutter den Herd verlassen. Völlig verrückt geworden sei der Sohn jetzt, meinte sie, „genau wie der Vater.“ Er packte aber alle Weine in besondere Holzkisten, jeweils eine Flasche von jeder Sorte, und verkaufte sie als Assortiment Romanée Conti weiter – eine Idee die das Weingut im Burgund später selber übernahm. Ein großartiges Geschäft, er verdoppelte den Einsatz, die Mutter blieb, und der finanzielle Grundstock für Giacomos weitere Tätigkeiten war gelegt.

Die Marchesa Barbara schenkt uns etwas von ihrem sehr guten Grignolino ein, eine lokale Rotweinsorte die außerhalb des Piemont nicht nur unbekannt, sondern auch fast unverkäuflich ist. Wir sitzen im Fußballfeld großen Innenhof des alten landwirtschaftlichen Betriebs der Incisa della Rocchetta. Früher wohnte die Marchese im alten Schloss, das sich direkt hinter der Chiesa di Santi Nicolao e Stefano in der Mitte des Dorfes an den Abhang lehnt. Bis in die 50er Jahre hinein arbeiteten fast alle in Rocchetta für die Familie Incisa. Ihnen gehörte das Land, und wie in Italien über Jahrhunderte üblich, wurde es von Bauern bewirtschaftet, die einen großen Teil des Erwirtschafteten an die Marchese und Conti abgeben mussten. Sehr spät erst änderten sich hier, fernab der großen Städte, die Verhältnisse. Langsam ging der Landbesitz in die Hände der Bauern über und die Marchese mussten ihren Teil selber bewirtschaften.

Im Montebruna WeinbergNoreen und Norbert

Auch die Bolognas bekamen einige Weinberge oben in den Hügeln oberhalb von Rocchetta, und Giuseppe machte bald seinen eigenen Wein. Ein Cousin der Marchesa aber ging in die Toskana. In Bolgheri hatten sie noch ein Anwesen und dort machte er einen Wein für den Eigenbedarf, ähnlich wie der damals noch junge Giuseppe, nur aus internationalen Rebsorten. 1968 kam der erste Jahrgang des Sassicaia in den Verkauf und spätestens mit dem legendären 100 Punkte Jahrgang 1985 wurde er zum bekanntesten Wein Italiens. Auch in der Via Roma in Rocchetta fragten die Kunden nach diesem Wein, vor allem die nicht italienischen. Die meisten wussten wahrscheinlich nicht, dass die Geschichte hier ihren Ausgang genommen hatte und Giacomo war beeindruckt, dass ein Wein aus einer unbekannten italienischen Region international ein solches Aufsehen erregen konnte. Aber warum Cabernet und Merlot? So schlecht waren doch die Weine aus den lokalen Rebsorten auch nicht. Vor allem der Barbera aus der Lage beim Ort Bricco in den Hügeln südwestlich von Rocchetta, den sein Vater für die Osteria kelterte. Mittlerweile vertraute die Familie Giacomos Gespür für Wein und irgendwann wurde aus der kleinen Osteria, die jetzt der Bruder am Eingang des Ortes weiterführt, ein Weingut. Benannt wurde es nach dem Spitznamen den Giuseppe Bologna seinem Sohn vererbt hatte, Braida, nach einem berühmten italienischen Pallone-Spieler, einem mittlerweile fast vergessenen Ballspiel.

Im Fasskeller von Giacomo BolognaEin neuer Barbera Weinberg

Erstaunlich schnell wurde, auch dank der Hilfe Veronellis und Maurizio Zanellas, zwei weitere Freunde des Hauses, aus dem Bricco der erste Icon-Barbera und plötzlich traute man der lange unterschätzten Rebsorte einiges zu. Sie ist zugänglicher und hedonistischer als viele der anderen Rebsorten der Region. Mit ihren herrlichen Sauerkirschnoten, den weicheren Tanninen und der zurückhaltenden Säure, kam sie den modernen Trinkgewohnheiten eher entgegen und so wurde aus einem Wein für den Eigenbedarf ein echtes Barbera Imperium. Zu dem Bricco dell’Uccellone, der auf einem Hügel mit eisenhaltigem Lehm wächst, gesellte sich bald der Montebruna. Auch dieser Wein stammt aus einem einzigen Weinberg, der mit 12 Hektar Größe sehr ansehnlich ist und dem Dorf mit seiner Südausrichtung geradezu den Rücken zukehrt. Es gibt noch ein paar andere Rebsorten bei Braida, Moscato und Brachetto, auch den Grignolino und sogar etwas Riesling baut man an, aber die Barbera ist die Hauptrebsorte. „Der hat niemand etwas zugetraut“, erzählt Raffaella Bologna, die mit ihrem Bruder zusammen jetzt das Weingut führt, „aber mein Vater und mein Großvater haben immer an sie geglaubt und sie geliebt. Was gibt es schöneres als aus Liebe Winzer zu sein. Als unser Vater viel zu früh starb, waren Beppe und ich gerade mal 16 und 17 Jahre alt“, fährt sie fort, „alle haben gesagt: Verkauft das Weingut! Angebote gab es reichlich. Aber wir wollten weitermachen und haben uns beide in eine Ausbildung gestürzt. Die Familie, vor allem meine Mutter, hat das alles so lange am Laufen gehalten. Die Weinleidenschaft scheint bei uns erblich zu sein …“ In nicht einmal zwei Generationen ist aus dem Ein-Mann-Betrieb ein 60 Hektar Weingut geworden. Der Bricco ist zwar noch nicht in den Preisregionen des Sassicaia angekommen, aber ich glaube da wollen die Bolognas auch gar nicht hin.

 Weinberge im Monferrato

Am Abend sind wir zu einem kleinen Familienfest geladen. „Sommersonnenwende“, sagt Norbert, der österreichische Mann von Raffaella, „da feiern wir immer. Um acht am Weingut.“ „Ach, ihr geht auch auf die Party?“ fragt uns die Marchesa Barbara, „Ist ja nicht weit zum Weingut, da könnt ihr zu Fuß gehen. Sagt Raffaella, ich könnte leider nicht kommen“, gibt sie uns mit auf den Weg nach dem letzten Schluck Grignolino, „ich muss morgen ganz früh in die Weinberge.“ Wir machen uns auf den Weg, zwei Kilometer sind es ungefähr bis zum Weingut. Wir gehen an einem Altenheim vorbei, an einer alten Kapelle, dann langsam aus dem Ort und an jedem Haus auf dem staubigen Feldweg bellt mindestens ein Hund abschreckend auf uns ein. Auf dem Weingut ist niemand, alles dunkel, die Türen sind zu. Seltsam. Norbert lacht am Telefon laut auf, „Das alte Weingut, wo wir auch noch alle Weine bereiten ist in der Via Roma, fünf Häuser von der Marchesa entfernt, zwischen Altenheim und Kapelle, da wohnen wir, da feiern wir.“ Klar, „nicht weit“, ein Italiener würde niemals zu zwei Kilometer „nicht weit“ sagen und sie vor allem nicht zu Fuß gehen. „Typisch Deutsche“, sagt der Tiroler Norbert, als er uns mit dem Auto aufsammelt, „rennen immer zur Rechnungsadresse.“ Es wird ein herrlicher Abend im großen Verkostungsraum. Vielleicht zwölf Freunde, aber alle mit Kindern, sind gekommen. Der ein oder andere große Wein wird entkorkt, aber ohne das Aufsehen, den ein 79er Tignanello aus der Magnum auf einer deutschen Party machen würde. Er wird für „lecker“ befunden und ohne viel Aufregung getrunken, ist ja eigentlich nur Wein. Norbert macht derweil für die Kinder den Animateur, und als um Mitternacht alle im Hof ein paar leuchtende Ballons steigen lassen klingt das Fest langsam aus. Nach Hause gehen wir dann zu Fuß, die hundert Meter die Via Roma hoch.

AntipastiPasta frisch gemachtPasta in der Trattoria Bologna 

 

UNSERE WEINTIPPS

2016 MOSCATO D’ASTI „VIGNA SENZA NOME“ 

Nicht nur ein sommerlich-isotonischer Brizzler, sondern eine hedonistische Instanz im Kanon der Piemontesischen Weine, der bei einem traditionellen Schmaus der Region nicht fehlen darf. Ob als Aperitif oder Begleiter zu fruchtigen, aber nicht zu süßen Nachspeisen, oder einfach auf der Terrasse. Gezuckerte Zitrusfrüchte, Aprikosen und Waldmeister geben sich ein vergnügliches Stell-Dich-Ein. „Einfach nur geil“ fasst die Erlebnisse unserer Verkostung treffend zusammen. Eine süße Verführung und eiskalt zu genießender, leichtfüßiger Wein, der immer mehr Liebhaber zurückgewinnt. Und das vollkommen zu Recht! 7-9 °C

shopping_basket 10,50 € 0,75l

 

2013 B DI BRAIDA

Den B gibt es jetzt in seiner fünften Auflage und die letzten drei Jahre hat er immer eine „Top Value“ oder „Best Buy“ Auszeichnung bekommen. Mit Recht, finden wir, denn kaum eine Barbera besitzt diese Süffigkeit und fruchtige Frische wie unser B di Braida. Wie in den vorangegangenen Jahren haben wir auch hier den Wein etwas reifen lassen, bis er eine perfekte Balance aufweist. Herrlich duftig nach frischen Kirschen, Süßholz und etwas wildem Fenchel. Wirkt noch erstaunlich frisch und geradezu beschwingt. Zarte Gewürzanklänge von Zimtblüten und Anis. Saftig und lebhaft mit klarer leichtgängiger Frucht und süffiger Länge. Zur Pasta mit Steinpilzen. 15-17 °C

shopping_basket 10,60 € im 11+1 0,75l

 

2014 BRICCO DELL’UCCELLONE

Der große Barbera-Wein der Familie Bologna, der Bricco dell’Uccellone, ist auch in dem eher kühlen Jahr 2014 ausgesprochen gelungen. Rauchnoten, Speck, Brombeere, Cassis, Pfefferminz, Szechuan Pfeffer. Seine feine, reife Frucht mit jahrgangstypischer Frischeader und perfekt verwobener Tanninstruktur machen ihn zu einem der elegantesten Briccos, die es bisher gab. Er wird weiter fantastisch reifen können. Aber keine Sorge, denn auch jung genossen ist er ein delikates Meisterwerk. 16-18 °C

shopping_basket 47,50 € 0,75l 92 Parker

 

HIER FINDEN SIE ALLE WEINE VON BRAIDA DI GIACOMO BOLOGNA

 

*Bitte beachten Sie: Die in diesem redaktionellen Text ausgezeichneten Preise und Angebote beziehen sich auf das Erscheinungsdatum des Textes. Aktuell sind immer die im Shop hinterlegten Preise gültig. Die Angebotspreise sind gültig bis 30.11.2017.