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Vom Champagner-Produzenten zum indischen Bier- und Spirituosenmagnat; die Globalisierung macht auch vor Weinbergen und Winzern nicht halt. Doch es muss nicht immer den Niedergang regionaler Kulturen bedeuten, wenn sich zwei Unternehmen grenzüberschreitend zusammenfinden und neue Wege beschreiten. So zeigt es auch die Geschichte des Traditionshauses Bouvet-Ladubay. Der Schaumwein-Erzeuger aus dem kleinen Städtchen Saumur an der Loire ist heute im Besitz des indischen Multimilliarden-Konzerns UB Groupunter der Leitung von Vijay Mallya.

Für Patrice Monmousseau, Chef von Bouvet-Ladubay, ist das keine negative Entwicklung, er sieht in dieser Internationalisierung Vorteile, wie es bereits viele andere Veränderungen in der Geschichte des traditionsreichen Hauses waren.

Seit 1927 ist es nicht mehr erlaubt, Schaumweine, welche außerhalb der Champagne produziert werden, Champagner zu nennen. Auch die Bezeichnung Méthode champenoise ist mittlerweile reglementiert. War es bis in die 1990er noch zulässig, den Begriff zur Verdeutlichung der traditionellen Flaschengärung auf dem Etikett eines Schaumweins anzugeben, ist seitdem jeglicher Ausdruck, der an Champagne erinnert, verboten. All diese EU-Markenrechts-Verordnungen stören Patrice Monmousseau jedoch nicht. Ganz im Gegenteil, „Wir sind einer der bedeutendsten Produzenten an der Loire und exportieren in 40 Länder. Einer der größten Abnehmer ist Deutschland, dort verkaufen wir 1,5 Millionen Flaschen im Jahr.“ Und was ist mit Indien? „Der asiatische Markt ist noch mehr auf große Châteaus konzentriert, bulles sind dort noch wenig interessant.“ sagt Monmousseau.

Trotz der Reglementierung der EU produziert Patrice Monmousseaus immer noch nach der traditionellen Methode, seine Grundweine werden jedoch überwiegend aus den regionaltypischen Trauben Cabernet Franc und Chenin blanc und weniger aus den Champagner-Rebsorten Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay hergestellt. Patrice Monmousseau erinnert sich aber noch an ganz andere Zeiten. „Mein Großvater fuhr die Grundweine, die er an der Loire gewonnen hatte, in Fässern in die Champagne, dort haben sie dann Champagner daraus gemacht“, erzählt Monmousseau. Heute ist das zwar alles anders, aber die EU-Gesetze waren im Grunde ein Segen für Bouvet-Ladubay. „Durch dieses Verbot haben die Leute erst bemerkt, dass wir hier etwas anderes machen und nicht einfach irgendeinem Abklatsch von Champagner produzieren.“ Tatsächlich ist hier etwas Anderes entstanden, vor allem aber etwas Eigenständiges. Die besten Schaumweine von Bouvet-Ladubay sind dem Champagner nicht nur ebenbürtig, sie tragen auch einen ganz besonderen regionalen Charakter und das zu einem deutlich günstigeren Preis.

Die Geschichte des Hauses Bouvet-Ladubay ist aber nicht nur von EU-Markenrechten geprägt. Seit der Schaumweinhersteller 1851 von Etienne Bouvet gegründet wurde, ist viel passiert. „Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Haus 1932 versteigert und mein Großvater hat es schließlich erworben“, sagt Monmousseau, nicht ohne schmunzelnd hinzuzufügen, dass dies nur dazu dienen sollte, eine Konkurrenzfirma zu ärgern. „Als ich selbst mit 16 Jahren in das Unternehmen einstieg, nachdem ich mich als Autoschlosser versucht hatte, ließ mein Vater mich ganz unten anfangen: Toiletten putzen, fegen, Kisten stapeln. Nach und nach konnte ich mich beweisen und aufsteigen.“

1974 wurde Bouvet nach internen Streitigkeiten an Taittinger verkauft. Damals war Patrice 31 und bereits seit 3 Jahren Firmenchef. Sein Verhandlungsgeschick beeindruckte Claude Taittinger so sehr, dass er Monmousseau den Chefposten weiterhin überließ. Aber wie sollte es auch anders sein, 2005 verstritt man sich mit Taittinger und sah sich schließlich einem neuen Eigentümer gegenüber. Ein amerikanischer Investmentfonds wollte das Unternehmenan seine Hotelkette Starwood angliedern. „Unter diesem Regiment wäre jedoch unsere Eigenständigkeit in Gefahr geraten“, sagte Patrice. „Schließlich,nach langem Hin und Her habe ich es jedoch geschafft, mir selbst einen Käufer für Bouvet-Ladubay auszusuchen und meine Wahl fiel auf Vijay Mallya.“ Damit fing die große Zeit erst an: Heute werden mehr als sechs Millionen Flaschen pro Jahr produziert und knapp 80 Winzerfamilien rund um Saumur stehen in Zusammenarbeit mit Bouvet-Ladubay.

Indische Millionen, ein traditionsreicher Schaumweinhersteller und viele kleine Winzer – zusammen ein Beweis dafür, dass ein globaler Markt gut funktionieren kann.

 

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