Ein Unternehmen der

REWE Group Logo

Subskription 2017 - Ein unterschätzter Jahrgang

Sicherlich ist Bordeaux 2017 ein unsteter Jahrgang mit Höhen und Tiefen. Auch steht er im Schatten der beiden großen Vorjahre.Trotzdem sind meine Eindrücke von den En Primeur Verkostungen im Frühjahr positiver, als ich dies vorher erwartet hätte. Man kann schon sagen, dass es wirklich beeindruckende Weine zu verkosten gab.Trotzdem war und ist 2017 kein Selbstläufer für die Subskription, weder für uns Händler, noch für Sie. Eine genaue Auswahl erscheint ratsam, denn der Jahrgang ist deutlich heterogener als die beiden großen Vorjahre. Der Klimaverlauf in 2017 wurde im Besonderen vom extremen Frost im Frühjahr geprägt, der die einen Châteaux mehr (bis zu 100 %!), die anderen weniger getroffen hat. Letztlich sind aber vor allem die schlechteren, kühleren Lagen von den Minusgraden betroffen gewesen. Über das gesamte Jahr betrachtet ist 2017 dennoch durchaus ein warmer Jahrgang, in dem man im Herbst gesunde und reife Trauben von bester Qualität ernten konnte. In diesem Jahr entschied über die Güte der Weine mehr denn je die Arbeit im Weinberg und später die Selektion im Keller, aber auch die grundsätzliche Qualität der Weinberge der Châteaux. Die großen Akteure am linken Ufer, deren Weinberge in der Nähe des Flusses liegen, hat der Frost beispielsweise fast gar nicht getroffen, sie konnten sogar eine überdurchschnittliche Menge einfahren. In St.-Émilion sind auch stärker die kühleren Weinberge in Mitleidenschaft gezogen worden. In Pomerol, wo der Frost mit am stärksten gewütet hat, ist immerhin ein Drittel der besten Rebflächen gar nicht betroffen gewesen. 2017 ist somit ein echter Terroir Jahrgang, wo die guten Lagen 2017er hervorgebracht haben, der besser ist als sein Ruf.

Weißweine

Durchgängig eitel Freude herrscht aus meiner Sicht bei den Weißweinen, die von den trockenen bis zu den edelsüßen Qualitäten mit Frische, Klarheit und Vitalität überzeugen können. Die trockenen Weißen bieten feinen Schmelz und kristalline Klarheit, sie sind straff und präzise. So gut wie heuer waren sie seit langem nicht mehr und es gibt auch viele kleine Weine mit einem ausgezeichneten Preis-Genuss-Verhältnis. Das gilt gleichermaßen für die ausgesprochen reintönig geratenen Süßweine aus Sauternes und Barsac, die eine geniale Balance zwischen Schmelz und Frische haben.

Rotweine

Auch bei den Roten sind pure Frucht und Trinkanimation die Eigenschaften, die in der Summe am deutlichsten hervortreten. Nach den opulenten 2015ern und den strukturierten 2016ern, versprechen die 2017er attraktive Zugänglichkeit. Vermutlich werden sie nicht als Langstreckenläufer in die Geschichte eingehen. Das müssen Sie auch nicht. Großen Genuss schon früh zu garantieren, wird ein echter Vorzug des Jahrgangs werden.

Als kleine Hilfestellung für die Subskription hier eine kleine Übersicht über meine ganz persönlichen Favoriten des Jahrgangs. Die Auslieferung der Weine erfolgt im Frühjahr/Sommer 2020.

Médoc

Château Potensac

Die Delons rüsten auch bei Potensac weiter auf. Hier findet man in jedem Jahr einen klassischen Bordeaux nördlicher Prägung, der nie überladen ist, sondern fein, und der im Médoc wegen seiner großen Konstanz und Klasse eigentlich immer der Primus-inter-Pares ist.

Verkostungsnotiz: Sehr feines Bukett mit rotbeeriger Aromatik und feiner Würze. Am Gaumen präzise gestrickt, mit delikater Frucht. Frisch, schlank und präzise, dabei von sehr schöner Nachhaltigkeit und lakritziger Tanninstruktur. Fast schon raffiniert.

St.-Estèphe

Château Le Boscq

Wie schon bei Château Belgrave zu beobachten, Nimmt auch Le Boscq eine sehr positive Entwicklung. Beide gehören dem Négociant Dourthe. In 2017 könnte der bisher beste Wein von hier in die Fässern gekommen sein. Er dürfte sowohl Traditionalisten als auch Einsteiger begeistern.

Verkostungsnotiz: Geile Farbe! Opulenter Duft mit Fülle und Süße. Röstiges, sehr wertiges Holz. Mega-saftig. Wenn der weiter reift, wird er ein Knaller! Hat genug Power, um die jungen, störrischen Tannine zu bändigen. Perfekte Extraktion mit großer Präsenz. Ein echter Value.

Pauillac

Château Clerc Milon

Lange Zeit war ich kein echter Fan dieses Châteaus, das hat sich in diesem Jahr aber endgültig geändert. Das liegt an der herausragenden Qualität, die man hier in den letzten drei Jahrgängen produziert hat, von denen 2017 der potentiell Beste sein dürfte. Das Zeug ist einfach supersexy und gefiel mir bei den Verkostungen immerhin besser als der Petit Mouton.

Verkostungsnotiz: Präsent und reif mit herrlicher Cabernet-Nase. Etwas reduktiv. Die Konzentration passt. Die Tannine werden Zeit brauchen, das Neuholz wird die Arbeit tun. Sicher einer der Highlights in Pauillac. Erstaunlich nah am Grand Vin (Mouton). Mit Power und Verve ausgestattet. Sehr lang.

Château Mouton-Rothschild

Mouton, Mouton, immer wieder Mouton. Liebhaber des prestigeträchtigen Weines werden auch in diesem Jahr nicht an ihm vorbei kommen. Der 2017er  ist so prägnant, dass er auch gegen die großen Jahrgänge einen guten Stand haben wird. Kraft ist mehr als genügend da. Die Entwicklung im Fass wird sicher weitere Tiefe hinzufügen.

Verkostungsnotiz: In diesem Jahr ein geradezu asketischer Mouton, der nicht mit der gewohnten Opulenz punktet, sondern mit straff formulierter, puristischer Frucht aufwartet. Ist noch sehr verschlossen und kühl, an der Luft dringt dann seine intensive dunkle Frucht immer mehr durch. Griffige Tannine. Bleibt immer fokussiert und klar, bis in den langen Nachhall. Wieder ein sehr gelungener Mouton mit tollem Cabernet-Charakter.

Château Pédesclaux

Hier geht es immer weiter voran. Die in 2014 fertiggestellte, moderne Kellerei, der große Drang nach Qualität und die fortschreitende Erkundung eines lange vergessenen Terroirs machen diesen Pauillac zum Senkrechtstarter der Appellation.

Verkostungsnotiz: Modern aber genial. An diesem Wein stimmt eine Menge. Zum ersten Mal seit langer Zeit mit eindeutigem Pauillac-Charakter. Vor allem seine Frische beeindruckt. Saftige Frucht und perfekt eingebundenen Gerbstoffe. Eher reduktiv, hier steht noch einiges an Entwicklung im Raum. Deutlich über dem Niveau von 2014. Zeder im Nachhall.

Château Pichon-Baron

Die ewige Frage Comtesse oder Baron ist aus meiner Sicht in diesem Jahr keine. Sicher ist der Baron immer stärker extrahiert und unterscheidet sich stilistisch deutlich von der Comtesse, aber in diesem Jahr hat der Baron aus meiner Sicht einfach qualitativ die Nase vorne und dürfte zu den ganz großen Weinen des Jahrgangs gehören. Hier sollte man zuschlagen, wenn man auf großes Cabernet-Kino steht.

Verkostungsnotiz: Kraftvoll ohne Ende. Dabei mit großer Struktur und fantastischer Fruchttiefe. Sicher einer der ganz großen Weine des Jahrgangs, der in seiner titanischen Art dem 2015er in nichts nachstehen wird.

Château Pontet-Canet

Jedes Jahr entsteht hier ein großer, eigensinniger Pauillac, so auch in 2017, der im Ausbau noch weiter zulegen wird. Eigentlich ein Must-Have, denn der Preis ist nach dem 2016er wieder akzeptabel ausgefallen, vor allem, wenn man ihn in Kontext mit den anderen Spitzenweinen der Herkunft setzt.

Verkostungsnotiz: Die Auswirkungen der Biodynamie bewegen den Wein unaufhaltsam in Richtung Finesse. Wieder enorm eigenständig. Dunkler Beerenreigen bildet mit einem dezent jodigen Eindruck eine geniale Kombination. Pur und raffiniert mit Mut zur Frische. Baut am Gaumen unmittelbar Fahrt auf und besitzt rasanten Trinkfluss. Im langen Nachgeschmack voller Delikatesse. Ein unmittelbar packender Pontet-Canet, der einen perfekten Ausdruck von Cabernet Sauvignon für so einen Jahrgangs darbietet.

St.-Julien

Château Saint Pierre

Das Terroir von St.Pierre zeigt eine Tiefe, die ich Jahr für Jahr beeindruckend finde. In diesem Jahr tritt die Cabernet Sauvignon hier ganz groß auf. Für mich einer der Primeurs mit dem größten Entwicklungspotenzial. Geniales Holz, Druck, Tiefe und Finesse treffen hier zu einem packenden Wein zusammen.

Verkostungsnotiz: Wahnsinnig markanter Toast mit toller Balance zwischen süßer Würze und feinster Ätherik. Süße, reife dunkle Beeren. Süßkirsche. Kompakt, mit toller Saftigkeit. Wie immer ein Highlight. Große Kraft, würzige Tannine, es fehlt nicht an Eleganz. Dieser Wein wird im Fass stark ausbauen. Absolut empfehlenswert.

Château Léoville Barton

Das war immer schon ein toller Wein, aber in den letzten Jahren geht hier qualitativ die Post ab. Sicher hat da auch der Preis deutlich mitgezogen, jedoch ist er für einen großen Wein, wie er hier gemacht wird, immer noch einigermaßen im Rahmen. Das ist sicher etwas für die Liebhaber der klassischen Moderne, denn im Gegensatz zu seinem immer deutlicher extrahierten Nachbarn Poyferré finden sich hier auch die Liebhaber der Alten Schule des Bordeaux wieder, denn die Alkoholwerte sind hier sogar in den wärmeren Jahren moderat. Hier sollte man einige Jahre Geduld für die Flaschenreifung mitbringen, denn dieser Barton hat seinen ganz großen Auftritt frühestens in 10 Jahren.

Verkostungsnotiz: Jetzt schon mit beeindruckender Tiefe. Geniales, ätherisches Holz. Das ist Saint-Julien in Reinform. Handfest mit exzellentem Potenzial. Druckvoll ohne Ende. Dabei mehr als präzise. Superdunkle Frucht. Ein wirklich großer Wurf mit mittlerem Gewicht, toller Fruchtintensität und intensiver Länge. Straff und präzise. Geht von vorne bis hinten durch. Extrem lang. Top!

Moulis

Château Poujeaux

Im Prinzip ist das Château immer zuverlässig, in 2017 scheint es jedoch einer der großen Gewinner des Frosts zu sein, denn nur die schlechteren Lagen, die mit Merlot bepflanzt sind, wurden getroffen. Deshalb in diesem Jahr mit hohem Anteil von Cabernet und Petit Verdot, was Struktur und Tiefe gibt. Ein Must-Have.

Verkostungsnotiz: Intensive Frucht mit toller Tiefe. Edle Toastwürze. Hat Fleisch und Textur. Das ist beeindruckend. Wenn er so gefüllt wird, ist er absolut top. Das ist eine Wette wert.

Margaux

Château Labégorce

Seitdem die Perrodos hier das Ruder übernommen haben, ist der Wein jedes Jahr auf Grand Cru Classé Niveau, was die Qualität angeht. Preislich ist er jedoch noch immer in deutlich angenehmeren Gefilden zuhause. Nach den beiden Top Jahren 2015 und 2016 war es in diesem Jahr schwer, nochmal eine Schippe draufzulegen. Das ist aber gelungen und so ist die Qualität des Weines auf dem Niveau der Vorjahre.

Verkostungsnotiz: Sehr duftig und floral. Im Geschmack etwas vom Neuholz drangsaliert, die Noten werden sich aber locker integrieren. Die Ambitionen gehen weiter. Der Alkohol scheint noch etwas durch, die Substanz ist jedoch voll da. Wieder ein beachtlicher Wein, mit schöner süßer Fülle im Nachhall.

Château Marquis d’Alesme

Auch hier ist der Einfluß der Familie Perrodo dramatisch, denn seit dem grandiosen 2015er hat sich der Wein endgültig in der Spitze der Appellation etabliert. Die hohe Qualität findet sich auch im kraftvollen und zugleich feinen 2017er wieder.

Verkostungsnotiz: Toller, typischer Cabernet. Er ist allerdings noch wahnsinnig roh mit viel neuem Holz. Das ist im Moment komplett überlagert. Hat große Substanz. Sicher kein superfeiner Margaux, aber ein sehr kraftvoller. Tannine sind von der Extraktion eher hoch, das passt aber absolut zum Wein. Top!

Château Rauzan-Ségla

Dieses Château hat sich nun über Jahre in der absoluten Top-Liga der Appellation etabliert. Und man hat auch in 2017 wieder einen Weltklassewein produziert, der nicht hinter 2015 und 2016 zurücksteht. Er ist wie immer sehr fein, geradezu in begeisternder Frühform. Hier dreht sich alles nur um den Preis. Wenn dieser stimmt, dann gehört er eigentlich in den Keller jedes Margaux-Liebhabers.

Verkostungsnotiz: Rauzan rocks: Superintensives Bukett mit Veilchen, Blaubeeren und Brombeeren. Mehr Margaux geht nicht. Kompakter als erwartet, zugleich wieder ausgesprochen detailliert. Sehr fein und verspielt, alles folgt immer der fantastischen Säure. Verführerische Süße und Weichheit. Extrem gut!

St.-Émilion

Château Tour Saint-Christophe

Ein Newcomer mit großen Ambitionen. Nachdem ich den 2015er in der Flasche probieren konnte, bin ich ein echter Fan dieses Weines. Der 17er präsentierte sich bei den Verkostungen noch sehr unruhig, ich denke aber, dass der Wein sich sehr gut entwickeln wird. Leider sind die zugeteilten Mengen sehr gering. Deshalb sollte man rechtzeitig zuschlagen, denn der Preis ist spannend.

Verkostungsnotiz: Eindeutig modern mit üppiger Frucht und dunkler, schokoladiger Toastung. Vielleicht nicht ganz auf dem Niveau von 2015, aber von toller Konzentration und packender Frische. Das ist ein Must-Have. Viel feines Tannin im sehr langen Nachhall.

Château La Gaffelière

Da lehnen wir uns gerne aus dem Fenster: Château La Gaffelière gehört zu den besten Weinen des Jahrgangs. Hier ist so viel Finesse, wohldosierte Kraft und geniale Frische, dass man ins Schwärmen kommt. Der Frost hat nur die schlechteren Weinberge dahingerafft, die besten Lagen des Châteaus, die in der Nähe zu Ausone, sind allerdings verschont geblieben.

Verkostungsnotiz: Wahnsinnig attraktives, edel getoastetes Bukett. Tiefe Frucht mit schokoladiger Reife. Ein druckvoller Gaffeliere mit allem was es braucht. Vital, intensiv, vollmundig, delikat und lang. Groß!

Graves

Clos Floridène weiß

2017 ist ein Jahrgang für Weißweine. Sie sind straff und präzise gelungen, das Holz ist sehr passend eingesetzt, die Weine besitzen Trinkanimation, Frische und Eigenständigkeit. So auch der weiße Clos Floridene, der darüber hinaus noch ein geniales Preis-Genuss-Verhältnis hat.

Verkostungsnotiz: Sehr ansprechend mit deutlich würziger Note. Tolle Frische und Substanz. Die Gerbstoffe werden etwas Reife vertragen. Weiniger Charakter. Kraftvoll und lang.

Sauternes

Château Guiraud

Hier kann man aus meiner ausgesprochen kurzen Verkostungsnotiz ablesen, dass dieser Sauternes so beeindruckend war, dass mir während der Verkostung etwas die sprachliche Differenzierung abhanden gekommen ist. Château Guiraud ist aber nur unser persönlicher Favorit unter vielen ausgesprochen guten Weinen seiner Art.

Verkostungsnotiz: Sehr würzig mit viel Honig und Tannennadeln. Genial! Kompletter Wein. Nahe an der Perfektion! Kaufen!

Alle Weine aus der Subskription ansehen