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Bordeaux 2008: It´s hot it´s sexy!

"...the 2008 vintage was dramatically better than I had expected". Robert Parker

Um 23:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit war es so weit, der Server von erobertparker.com lief heiss, denn da waren sie die ganzen Punkte. Ein wenig erinnert mich das Spiel an meinen Physikunterricht am Gymnaisum, wenn Herr J. vor die Klasse trat, sein rotes Notizbuch herausholte, blätterte und genüßlich sagte: "Wir haben hier 30 Punkte, die wollen wir dann mal gerecht auf den ganzen Kurs verteilen." Wir waren 24 Mann auf der schiefen Ebene...



Quadrate statt Punke!Quadrate statt Punkte!

Diese Jahr war die Notenvergabe natürlich besonders spannend. Die Hype um 2005, der streckenweise ziemlich überteuerte Jahrgang 2007, die widersprüchlichen Aussagen über die Qualität des 08er. All das verlangt natürlich nach einer Autorität. Also trat Herr P. vor die versammelten Bordeaux-Eleven und sprach....

Und er sprach wie es nur wenige erwartet hätten. Das die Weine vom linken Ufer, aus Pomerol oder Saint-Emilion besser wegkommen würden, damit hatte man gerechnet, dass Herr Parker in seinem roten Notizbuch aber nicht nur ein paar Pünktchen, sondern direkt ein ganzes Füllhorn von Punkten hatte, dass erwartete wohl niemand.

"It had all the qualities that make an excellent and in some cases, a great vintage so special: exceptionally dark opaque colors, gorgeously ripe fruit, stunning purity almost across the board, great freshness (because it was a cool year), slightly higher acids than normal, and remarkable density as well as concentration. Moreover, one of the significant keys to evaluating quality is the maturity of the tannins. In 2008, the tannins are unusually velvety, even in wines that may lack concentration." Das hört sich ja geradezu enthusiastisch an, dabei ist doch eigentlich jemand anderes der WineEnthusiast.

Wie immer sollte man aber genauer hinsehen. Unter den Top-Bewerteten Weinen sind natürlich viele alte Bekannte, große Namen und ewige Geheimtipps. Aber es sind halt auch viele fast unbekannte darunter. Sicherlich weil es am rechten Ufer in Pomerol und Saint-Emillion, sowei den immer stärker werdenende Nebenapelllationen, ein unglaubliches Gewirr von Produzenten und kleinen Gütern gibt. Es bleibt abzuwarten wie hier die Preise sein werden, denn von hier ist noch so gut wie nichts am Markt.

Ein kleiner, aber bitterer Beigeschmack will aber nach dem Studium der Bewertungen und der ersten Euphorie nicht weichen. Mit seiner Einschätzung des Jahrgangs steht der WineAdvocat (Robert Parker & Neal Martin) fast alleine auf weiter Flur, so scheint es. Man kann den Herren zwar eine unbestreitbar große Kompetenz in Sachen Bordeaux nachsagen, aber bei manchen Bewertungen sind die Unterschiede schon enorm. Gut die anderen haben den Jahrgang ja auch nicht in Gänze veruteilt, aber von excellent war da keine Rede. Haben sich die anderen Journalisten vielleicht von der allgemeinen Schlechtrederei anstecken lassen. Wie kann, wo selsbt der Daimler keine Autos mehr verkauft, das Bordeaux gute Wein machen? Manchmal klang die Debatte geradezu so, als wolle man gar keinen guten Jahrgang. Hatten die Jungs im Bordelais es nicht verdient einmal mit einem Jahrgang so richtig auf die "Schnauze zu fallen"? Kann den Wein überhaupt gut sein von dem man sich nicht mal mehr ein kleines Gläschen leisten kann?

Wenn man einmal genauer hinschaut, kann man bei Rene Gabriel zum Beispiel einige erstaunlich gute Bewertungen entdecken und auch Jancis Robinson, die ja selten zur Euphorie neigt was bordelaiser Weine angeht, hat recht wohlwollend bewertet. Wahrscheinlich stimmt 2008 bei einer ganzen Reihe von Weinen das was Robert Parker sagte: "Bordeaux lovers and serious wine consumers throughout the world will adore the vintage?s finest wines." Sicherlich sind genau so viele nicht mehr als anständig und wahrscheinlich gibt es auch einige die mehr oder minder schlecht sind. Man könnte fast sagen wie jedes Jahr.

Eines aber ist jenseits des Krieges um die Deutungshoheit ganz sicher. Bei den günstigen Preisen die manche Châteaux aufrufen hat der Jahrgang es gar nicht nötig schön geschrieben zu werden. Er ist in dieser Hinsicht bisher, wie es Herr Parker richtig sagte: excellent. Er ist in weiten Strecken vor allem eines, wieder bezahlbar und damit lohnt es auch den ein oder anderen Wein in der Subskription zu kaufen. Das reicht doch völlig finde ich, wir hatten doch die Schnauze voll von 50% Rendite per Anno, garantiert gesichertem Superlativismus, 100+ Punkten mit AAA-Rating auf Subprime-Subskriptionen. Schon vergessen? Ich jedenfalls freue mich über ein in jeder Hinsicht angenehmes Jahr in dem auch der ein oder andere Wein im meinen Keller wandern wird, auf das ich ihn irgendwann mit Freude trinken kann. Das war doch wohl auch der Sinn des Weines, oder?

Wir halten Sie auf jedem Fall auf dem laufenden.

Die einzelnen Kommentare finden Sie dann jeweils auf unseren Weindetailseiten.

 

PS. Bleibt abzuwarten wie die Châteaux und die Negocaints reagieren. Heute morgen haben die ersten Negoc die Preise für bisher schwer verkäufliche Weine nach oben korrigert. Ich denke wir werden das spielchen nicht mitmachen, dann trink ich lieber Riesling!

 

Hier finden Sie die Weine...

 

Und hier die Website des WineAdvocat...