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BIO-WEIN – automatisch besser?

Man wäre versucht, auf diese zugespitzte Frage mit einem schallenden „Ja!“ zu antworten. Allerdings kann man das ganz so pauschal nicht sagen. Zunächst mal grundsätzlich: Um einen Bio-Wein zu produzieren und mit dem EU-Bio-Siegel zu versehen, muss sich der Winzer im Weinberg und im Keller an bestimmte Regeln halten. Die beiden wichtigsten, weil am einfachsten verständlich: Der Winzer darf keine Pestizide auf die Pflanzen sprühen und im Keller keine gentechnisch veränderten Hefen benutzen.

Das allein macht den Braten aber noch nicht fett, zumal im Weinberg auch bei Bio-Anbau Kupfer ausgebracht werden darf (wenn auch in geringerer Menge als bei konservativem Anbau) und im Keller weiterhin mit Reinzuchthefen vergoren werden kann. Viel interessanter und weitreichender sind die Konsequenzen, die sich quasi nebenbei ergeben. Vor allem im Weinberg bedeutet Bio nämlich ein grundlegendes Umdenken. Im konventionellen Weinbau kann der Winzer reagieren. Wenn Schädlinge seine Reben befallen, kann er mit Pestiziden dagegenhalten und das Problem ist ausgestanden. Der Bio-Winzer hat diese Möglichkeit nicht, er muss also vorbeugen, um seine Ernte zu schützen. Eins der wichtigsten Mittel dafür ist die Biodiversität. Wachsen zwischen den Rebzeilen die richtigen Pflanzen, locken diese wiederum natürliche Feinde möglicher Schädlinge an. Dadurch wird ein Befall wie bei einem konventionellen Weinberg, auf dem nichts außer den Rebstöcken wächst, so gut wie unmöglich. Deswegen nutzen auch so viele Bio-Winzer den Marienkäfer als Symbol. Die Käfer fressen nämlich Pflanzenläuse und Milben, sie sind sozusagen das natürliche Pestizid eines Bio-Winzers.

Dass man im Bio-Weinbau vorbeugend arbeiten muss, etwa durch sorgfältigen Laubschnitt, bedeutet, dass der Winzer seine Weinberge sehr gut kennen muss, außerdem ist das eine wichtige Voraussetzung, um erstklassige Weine zu erzeugen. Bio-Wein kann nur richtig funktionieren, wenn der Winzer sich Gedanken über sein Terroir macht. Einen Bio-Wein in Massenproduktion herzustellen, ist zwar möglich, aber sinnlos.

In kühleren Weinbauregionen, neben Deutschland zählt dazu auch ein Großteil Frankreichs, ist Bio-Weinbau eine besondere Herausforderung. Gegen Pilzbefall kann sich der Bio-Winzer nur schlecht schützen, denn die Pilze mögen es kühl und feucht, so wie das Wetter in Deutschland, dem Burgund, Bordeaux oder an der Loire einstweilen werden kann. Im schlimmsten Fall ist dann eine ganze Ernte verloren, was für ein junges Weingut auch schon mal das Ende bedeuten kann. Mit diesem Risiko muss der Bio-Winzer leben. Dennoch ist selbst das Bordelais im Wandel. Lange hieß es, hier sei Bio-Weinbau nicht möglich. Zu kalt, zu feucht und die Kunden sind auch nicht bereit, mehr für das Siegel zu bezahlen.

Dennoch findet ein Umdenken statt. Prominente Weingüter haben sich zertifizieren lassen, manche haben sogar mit biodynamischer Landwirtschaft begonnen. Das Resultat: die Weine wurden besser und die Kunden haben es gedankt. So pragmatisch wie das Bordeaux auch sonst ist, zeigt sich die ganze Region auch beim Bio-Anbau. Wenn’s gut für den Wein ist, machen wir es, so lautet die Devise.

Taste France