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Bester Sommelier Deutschlands arbeitet im Kölner Weinkeller

Die besten Sommeliers des Landes treffen sich alle zwei Jahre zur Sommelier Trophy, einem Event, wo man sich in verschiedenen Prüfungen miteinander misst. Am 21. November war es wieder so weit und unser Kollege Sebastian Russold hat es geschafft, sich im Finale gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Der gebürtige Österreicher darf sich jetzt „Bester Sommelier Deutschlands“ nennen. Ein Grund für den ganzen Kölner Weinkeller, stolz zu sein. Mick Schulz hat ein Interview mit ihm geführt:

Du hattest ja ein paar Tage Zeit, das Finale und deinen Sieg zu verdauen. Wie fühlst du dich jetzt?

Die erste Zeit war es schon etwas komisch. Irgendwie kommt es mir so vor, als würde ich aus einem Traum aufwachen. Es ist ein ganz spannendes Gefühl, eine Mischung aus Freude, Ehrfurcht und dem Drang, etwas zu verändern. Manchmal erwische ich mich aber dann trotzdem, dass ich einfach ein Grinsen bekomme und denke: Wow – ich kann echt stolz auf mich sein.

Hat sich für denn an deiner Arbeit etwas verändert?

Meine Arbeit hat sich nicht sehr geändert. Ich verräume im Keller noch immer Ware und berate Kunden. Das Einzige ist, dass ich auf einmal in der Frühe Termine mit der Presse habe.

Hat dich bei uns im Weinkeller schon ein Kunde angesprochen, oder ist dein Titel bislang eher in Fachkreisen bekannt?

Nein, bislang ist das eher in Fachkreisen bekannt. Jetzt sind die ersten Zeitungen und Zeitschriften gedruckt worden, wo das in die breite Öffentlichkeit transportiert wurde. Aber eigentlich ist mir das auch nicht so wichtig. Ich möchte den Kunden, der vorbeikommt eine fundierte und herzliche Beratung geben.

Sebastian Russold Bester Sommelier Deutschlands

Ich finde es bemerkenswert, dass du diesen Titel als erster Sommelier errungen hast, der im Fachhandel arbeitet, nicht im Restaurant.

Fairerweise muss man das einschränken: ich habe ja bis vor einem Jahr noch in der Gastronomie gearbeitet und habe zehn Jahre Erfahrung. Es war auch nicht mein erster Wettbewerb. Trotzdem ist es schon etwas Besonderes, denn zum ersten Mal hat man die Möglichkeit, in einer Weinhandlung vorbeizukommen und sich vom besten Sommelier Deutschlands beraten zu lassen. Das ist ein Novum und ich das macht den Kölner Weinkeller einzigartig.

Warum bist du aus der Gastronomie zu uns gewechselt und welches sind die größten Unterschiede in deiner Arbeitsweise?

Ich liebe die Arbeit in der Gastronomie, darum bin ich am Wochenende noch bei meiner Freundin, die ebenfalls als Sommelière arbeiten, als Aushilfe tätig. Dort habe ich den Gästekontakt und für ein paar Stunden macht mir das richtig Freude.

Und die Schattenseiten?

Ich gehe mit der Gastronomie sehr hart ins Gericht. Jeder, der längere Zeit in dieser Branche tätig war, weiß, dass die Gründe für Fachkräftemangel und das Abwandern hausgemacht sind. Ich könnte ein eigenes Buch über dieses Thema schreiben, aber darum geht es ja heute nicht.

Und von der Tätigkeit selbst? Wie ist da der Unterschied?

Tatsächlich nicht gravierend. Wenn ich Kunden berate, stelle ich dieselben Fragen wie im Restaurant bei einer Weinempfehlung und ich rede mit Kunden oftmals über viel mehr als nur Wein. Eine gute Beratung ist für mich immer auch ein Erlebnis. Das hört sich vielleicht ein bisschen kitschig an, aber wir verkaufen hier nicht nur Wein, sondern auch unsere Passion.

Sebastian Russold Bester Sommelier Deutschlands

Nochmal zurück zu der Trophy – du musstest viele Prüfungen machen, die sehr speziell sind. Nimm uns mal mit auf die Reise, wie hast du dich vorbereitet? Hast du vorher viel Sake probiert? Wann hast du begonnen, dich wirklich intensiv auf die Prüfung vorzubereiten?

Sich auf so einen Wettbewerb vorzubereiten ist wirklich eine Herausforderung. Nach der Arbeit habe ich Bücher, Fachartikel gelesen und Karteikarten geschrieben, die ich dann versucht habe, mir zu merken. Die größte Herausforderung ist für mich immer die Theorie. Ein Sommelier befasst sich ja nicht nur mit Wein, sondern auch mit Sake, Bier, Cocktails, Spirituosen, Käse, Zigarren. Quasi alles was mit Genuss zu tun hat. Das heißt man lernt Dinge wie: welcher ist der erste Jahrgang von Roederer Cristal? Wie lange raucht man an einer Corona Zigarre? Aus welchen Zutaten besteht ein Side Car Cocktail? Und so weiter… Zusätzlich habe ich mit Freunden und Kollegen Blindverkostungen und Serviceübungen veranstaltet. Alles in allem würde ich sagen dauerte die intensive Vorbereitung 2 Monate.

Ok, da hätte ich mit mehr Zeit gerechnet…

Sich dieses enorme Fachwissen anzueignen, ist natürlich ein stetiger Prozess. Darum würde ich eher sagen, dass die Vorbereitung eigentlich seit meiner Ausbildung kontinuierlich stattgefunden hat. Den Feinschliff holt man sich dann mit Kollegen und auf Fachmessen. In den letzten fünf Jahren habe ich versucht, bei allen möglichen Fachmessen dabei zu sein. Zusätzlich war ich im Sommelier College von der Sommelier Union. Eine Förderungsmaßname der SU, um Sommeliers weiterzubilden. Und meine Urlaube fanden zum größten Teil in Weinbauregionen statt. Man lebt quasi für den Wein, aber das bereitet mir große Freude.

Sei ehrlich, du stapelst gerade ein bisschen tief, oder?

Naja, manche Themen fallen einem dann doch etwas schwerer. Zigarren und Sake treffen zum Beispiel nicht meine privaten Interessen, obwohl das bestimmt sehr spannend ist, habe ich damit wenig Berührung. Aber durch ein gutes theoretisches Wissen in Kombination mit ein paar geführten Verkostungen, bekommt man ein Gespür für das Thema und man kann die grundsätzlichen Dinge auseinanderhalten. Als Sake- oder Zigarrenprofi würde ich mich aber nicht bezeichnen.

Du hast beim Finale in Neustadt sehr souverän und ruhig gewirkt. Was war dein Trick?

Mein größter Vorteil war, dass ich mir nicht wirklich viel Hoffnung aufs Finale gemacht habe, da ich wusste, wer meine Konkurrenten sind. Für mich war das Halbfinale quasi schon das Finale und ich habe mir gedacht: „Du hast heute einfach Spaß, gibst dein Bestes und schaust für was es reicht“ Mit dieser Einstellung bin ich ins Halbfinale gegangen und als dann mein Name für das Finale aufgerufen worden ist, war es mir eigentlich egal, welchen Platz ich belege. Ich war überglücklich, dabei gewesen zu sein und mit einer kurzen Meditation und Selbst-Motivation vor dem Auftritt habe ich die nötige Ruhe bewahrt.

Wie läuft so eine Prüfung eigentlich hinter den Kulissen ab, wie können wir uns die Zeit vorstellen, die du nicht auf der Bühne verbracht hast?

Im Halbfinale wurde man von Raum zu Raum geführt und man wurde im 10 Minuten Takt mit den unterschiedlichsten Aufgaben konfrontiert. Im Finale war es anders, weil alle hintereinander auf der Bühne geprüft werden. In der Zeit wird man in einem Raum gebracht, wo man nichts von der Außenwelt mitbekommt und dann hieß es für mich 90 Minuten warten, weil ich als letzter dran war, wie im Halbfinale auch schon. Dadurch war ich aber immerhin schon an das Warten gewöhnt.

Welcher Moment des Finales war besonders bedeutend für dich?

Abseits von der Verkündung des Sieges, war es der Moment, als es vorbei war. Diesen Druck, den man seit 9 Uhr früh hat, diese Anspannung, fällt dann auf einmal ab. Der Wettbewerb beginnt ja eigentlich schon Monate vorher. Man bereitet sich auf diesen Moment vor und wenn dieser dann vorbei ist, ist man eigentlich schon glücklich, egal wie es ausgeht!

Gab es eine besonders knifflige Aufgabe?

Knifflig war eigentlich keine Aufgabe, alle Aufgaben waren anspruchsvoll, aber keine Aufgabe war unlösbar. Was ich als sehr gut empfand, waren die fließenden Übergänge zwischen den Aufgaben in diesem Jahr. Es hat sich wie im Restaurant angefühlt, zeitweise hatte ich sogar Spaß!

Du bist als Österreicher der Beste Sommelier Deutschlands - bedeutet dir das etwas?

Wer mich kennt, weiß dass ich keinen übertriebenen Nationalstolz empfinde. Ich arbeite den größten Teil meiner Karriere in Deutschland, habe hier meine meisten Freunde. In Österreich arbeiten auch viele tolle deutsche Sommeliers und es gibt auch noch einige andere Österreicher, die in Deutschland erfolgreich sind. Aber für eine Schlagzeile in der Szene reicht es, denke ich ?

Sebastian Russold Bester Sommelier Deutschlands

Wie geht es jetzt für dich weiter?

Jetzt heißt es erstmal den Sieg zu verdauen und das Weihnachtsgeschäft hinter sich zu bringen. Ich habe privat noch einige Dinge dieses Jahr zu erledigen und bin froh, wenn ich im Januar nichts im Terminkalender stehen habe ?

Wirst du jetzt in Marc Almerts Fußstapfen treten und Weltmeister?

Ich möchte mich nicht mit Marc vergleichen. Er ist für mich ein Ausnahmetalent und wer ihn kennt, weiß wie hart er für den Titel gearbeitet hat. Selbst er meinte, dass er nie damit gerechnet hat, Weltmeister zu werden, erst als er realisiert hat, dass nur noch er und die Kollegin aus Dänemark auf der Bühne standen... Wissen kann man es nie, aber rechnen werde ich damit nicht.

Bestimmt öffnet so ein Titel auch Türen, die vorher verschlossen waren. Bist du schon zur Pétrus-Vertikale eingeladen?

Auf die Einladung warte ich noch sehnsüchtig, vor allem ist das der einzige große Bordeaux, den ich noch nie probiert habe! Aber es stimmt schon, dass sich jetzt Türen öffnen, also mal schauen, was die Zukunft noch so alles bringt.

Sommeliers sind ja immer auch Vermittler und Botschafter des guten Weins. Wie siehst du das?

Ich würde sogar weiter gehen und sagen: “Sommeliers sind Vermittler und Botschafter des guten Genusses“. Wir kennen uns mit Qualität aus, das macht den Beruf ja so spannend. Aber natürlich ist Wein das Hauptthema.

Was macht für dich einen guten Wein aus?

Guter Wein muss für mich authentisch sein, eine Balance und innere Spannung besitzen. Er muss handwerklich und im besten Fall ernsthaft biologisch hergestellt sein. Qualität zu beschreiben ist immer schwer, aber wenn man sie dann im Glas hat erkennt man sie.

Stell' dir vor, du sollst einen Wein für ein Weihnachtsessen mitbringen, aber du weißt nicht, was es geben wird. Zu welcher Flasche greifst du?

Ich würde zu einer reiferen Spätlese von der Mosel greifen. Das schmeckt eigentlich jedem. 1995 ERDENER PRÄLAT SPÄTLESE*** von Christoffel-Berres wäre sowas, was wir auch gerade im Weinkeller haben.

Super, die werde ich schnell probieren, ehe sich der Wein jetzt mit deiner Empfehlung ausverkauft!

Eines noch zum Schluss was mir sehr wichtig ist. Ich erlebe es oft, dass Kunden immer zum selben Wein greifen. Prinzipiell ist da nichts gegen einzuwenden, aber es gibt so viele unterschiedliche Rebsorten und da schmeckt tatsächlich auch der Laie große Unterschiede. Ich empfehle immer wieder, eine Flasche von einem Wein mitzunehmen, den man vielleicht nicht kennt, der einem aber empfohlen wird. Es ist immer spannend, seinen Weinhorizont zu erweitern, denn wenn man nicht mit verschlossenen Augen durch die Weinhandlung geht, entdeckt man wirklich tolle Weine, die zu tollen Momenten führen können.

Vielen Dank für das Gespräch.
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