Ein Unternehmen der

REWE Group Logo
Zurück

Auf dem Gipfel des Chianti

Ein Castello, so will uns der Übersetzer weismachen, ist eine Art von Burg, vielleicht noch ein Schloss, aber wenn man nach Fonterutoli kommt, stellt sich das Ganze etwas anders dar. Fonterutoli ist eher ein kleiner Ort mit ein paar trutzigen Steinbauten, mal größer mal kleiner. Was man sonst toskanische Villa nennt, ist hier auf seine ursprünglichste Form zurückgeworfen, quadratisch, drei bis vier Etagen, keine Schnörkel und gewissermaßen in seiner Funktionalität erhaben. Nirgends eine Wehrmauer, ein Turm oder ein alter Wassergraben. Dabei ist die Geschichte des Castello di Fonterutoli durchaus eine kriegerische und geht zurück in die Urzeiten der italienischen Staatenbildung. Ähnlich wie Deutschland war das frühe Italien in viele kleine, mehr oder minder selbstständige Territorien aufgeteilt, und ähnlich wie in Deutschland dauerte es lang, bis diese zusammenwuchsen. In Italien fand das 1861 statt, zehn Jahre früher als in Deutschland. Natürlich gab es zwischen den Stadtstaaten und Fürstentümern vielerlei Konfliktpotential und das nicht erst in der dafür berühmt gewordenen Renaissance. Die Rivalität von Siena und Florenz ist schon wesentlich älter, während Siena seinen Einfluss immer wieder nach Norden auszudehnen versuchte, wollte Florenz nach Süden hin wachsen. So stießen die Einflusssphären unweigerlich aufeinander. Besonders umstritten war dabei das Gebiet von Castellina, Radda und Gaiole. Aber 1208 war der Streit entschieden. Bei einem Treffen auf Fonterutoli verzichtete das geschwächte Siena auf die Gebiete und so konnte Florenz seine Machtsphäre auch auf das Chianti ausdehnen. Zur Absicherung der Gebiete errichtete oder verstärkte man einige Fortifikationen. Das Castello di Brolio ist die vielleicht bekannteste, aber auch Fonterutoli – noch näher an Siena und noch eindrucksvoller direkt über dem Tal gelegen – gehörte zu diesen Wehranlagen. Für die Sienesen, die den Ort von der Stadtmauer aus sogar sehen können, muss das mehr als 300 Jahre lang eine Provokation gewesen sein.

Weinberge auf FonterutoliFilippo Mazzei - Castello di Fonterutoli

Als die Familie Mazzei 1435 durch eine Heirat nach Fonterutoli kam, war sie schon länger dem Chianti-Wein verbunden. Tatsächlich stellte das älteste Dokument, in dem die Ortsbezeichnung Chianti mit einem Wein in Verbindung gebracht wird, vierzig Jahre zuvor ein gewisser Ser Lapo Mazzei aus. Ungefähr 80 Menschen wohnen jetzt noch hoch oben im kleinen Weiler Fonterutoli und blicken hinab in die Ebene auf Siena. Vor ein paar Jahren hat die Familie Mazzei einen spektakulären Weinkeller in eine Mulde unterhalb des alten Dorfes gesetzt, oberhalb, direkt an den Weinberg angrenzend, gibt es eine Osteria mit großartiger toskanischer Küche, eine kleine Weinbar direkt an der Dorfstraße, einen Tasting Room und die Möglichkeit, verschiedene Weintouren, auch mit kulinarischer Begleitung zu buchen und natürlich ein Bed and Breakfast, denn nach all dem Wein sollte man sein Auto am besten stehen lassen. Insgesamt hat sich der Ort dadurch zu einem kleinen Touristenmagnet entwickelt. Auf dem Parkplatz stehen ein Ferrari aus Florenz, ein BMW aus den Niederlanden, ein Corsa aus Deutschland und ein VW Camper aus der Schweiz. Es ist gut besucht und trotzdem hat Fonterutoli seinen Charme nicht verloren. Das liegt auch am Team, dem es sichtlich Spaß macht, toskanische Lebensart zu verkaufen. Filippo und Francesco Mazzei leiten das Weingut – oder sollte man besser sagen das Genussunternehmen – jetzt schon in der 24. Generation. Die neuen Impulse, die sie eingebracht haben, sind vielfältig.

Francesco-Mazzei-Castello-di-FonterutoliINMX1XIOZIvGo

Filippo geht mit uns durch die Weinberge direkt oberhalb von Fonterutoli. “Wir sind 500 Meter hoch, höher geht es kaum im Chianti”, erzählt er, “ihr seht den einmaligen Rundumblick. Wir haben immer Wind und viel Sonne.” Die 21 Hektar der Familie Mazzei verteilen sich auf 73 einzelne Weinberge, die man noch einmal unterteilt hat, so dass sich 120 Parzellen ergeben. Eine Kleinteiligkeit, die erstaunlich ist und woanders schon die Flurbereinigung auf den Plan gerufen hätte. “Hier oben steht noch viel Merlot”, erzählt Filippo, “als mein Vater den gepflanzt hat, wussten wir noch nicht so viel über die Sangiovese. Eigentlich hatte man der Rebe damals nicht wirklich große Weine zugetraut – so entstanden die Supertuscans. Als Mitte der 70er Piero Antinori mal bei uns zu Besuch war, erzählte er vom großen Erfolg seines Tignanello. So etwas hatte damals in der Toskana niemand für möglich gehalten und natürlich begann mein Vater auch, Cabernet und Merlot zu pflanzen. 1981 war es dann soweit, da durfte man die Rebsorten im Chianti noch nicht verwenden, also haben auch wir einen Vino da Tavola gemacht, den Concerto, und der schlug ein wie eine Bombe.” “Warum habt ihr den denn dann wieder drangegeben”, fragen wir. “Anfang der 90er waren wir der Meinung, dass wir den Chianti mehr in den Fokus rücken müssen”, meint Francesco, “der Erfolg des Concerto war großartig, aber unser eigentlicher Top-Wein sollte ja ein Chianti Classico sein.” Aber es gibt doch den Siepi? “Ja der Siepi,” lacht Filippo, “von dem konnten wir uns nicht trennen. Der war ja immer aus einer Parzelle, also ein Einzellagenwein…” Eine gewisse Inkonsequenz gehört zum Winzerhandwerk, besonders zum italienischen, dazu. “Den Concerto haben wir jetzt wieder auferstehen lassen, weil wir es uns irgendwie wieder leisten können. Den Chianti haben die Leute ja jetzt gelernt und anerkannt. Da konnten wir neben der Merlot & Sangiovese Cuvée auch wieder eine Sangiovese & Cabernet Cuvée machen. Aber,” ergänzt Filippo, “es gibt immer noch viel zu viele billige und leider auch schlechte Chianti. Wir müssen, wenn wir dauerhaft Erfolg haben wollen, weiter die Identität des Chianti schärfen, das ist unser Fokus. Das Problem der Sangiovese ist, dass sie eine lange Reifeperiode benötigt. Wenn ich die unten im Tal pflanze, geht das alles zu schnell. Gelernt haben wir das aber erst in den letzten zwanzig Jahren und es dauert ja ein wenig, bis man einen neuen Weinberg gepflanzt hat und er gute Trauben für guten Wein hergibt.” Er zeigt auf die Reben rundherum. “Beste Lage, toller Boden. Hält nicht zu viel Wasser, so dass die Reben tief wurzeln müssen, durch die Hanglage haben wir auch eine tolle Drainage und eine gute Sonneneinstrahlung und was steht hier? Hauptsächlich Merlot. Der wird zwar gut, aber wir möchten die Weinberge langsam gegen Sangiovese austauschen.” Nach fast 600 Jahren Weinbau ist man auf Fonterutoli immer noch auf Identitätssuche, haben wir den Eindruck. Das gilt im ganzen Chianti, aber selten sagt man es so deutlich wie hier. “Wir haben uns immer darauf verlassen, dass die Marke Toskana von alleine zieht,” meint Filippo, “aber die Toskana ist groß und es gibt viel Wein. In der Spitzenklasse braucht man mehr Unverwechselbarkeit. Wir müssen den Leuten besser zeigen, wo wir sind und warum wir den Wein machen, den wir machen.”

Gefüllte Zwiebeln - Osteria Fonterutoli

Wir nehmen in der Osteria einen kleinen Imbiss – oder was man in der Toskana so nennt. Filippo öffnet eine Flasche Chianti Classico 2010 und einen Castello 2008. Vor allem der “Kleine” ist nach acht Jahren und für den eher überschaubaren Preis fantastisch, vom Castello durfte man das erwarten. “Beides eher kühlere Jahre mit einer guten Frische, das hält die Weine lebendig und bietet einen schönen Trinkfluss.” Trotzdem haben sie noch das typisch Unbeugsame des Sangiovese, das sich aber im Zusammenspiel mit den sensationellen Cipolle ripiene, den gefüllten Zwiebeln, oder den Pici mit Wildschweinragout in puren Genuss verwandelt. Das neue Weingut unterhalb von Fonterutoli bildet ein terracottafarbenes Rondell. Es ist auf den ersten Blick recht unspektakulär, aber auch hier verbergen sich die Höhepunkte im Detail. Denn unter dem großen Platz in der Mitte des Weingutes gibt es drei Etagen, in denen der Weinbereitungsprozess so schonend wie möglich abläuft. Zuerst staune ich über das schmale, oval angelegte Treppenhaus, das in die unteren Etagen führt, dann über die große Anzahl an Gärständern. “Einhundertzwanzig” sagt Francesco, “so können wir jede Parzelle einzeln vinifizieren.” Erstaunlich. Im unteren Raum dann Fässer über Fässer, nicht die ganz kleinen Barrique, sondern eine Nummer größer: Tonneaux, damit der Holzeinfluss nicht zu groß wird. An der Rückseite dieses Raumes fehlt die Wand und aus dem Fels mit dicken Kalkablagerungen fließt das Wasser. “Beim Bau sind wir auf Wasser gestoßen, da hat die Architektin direkt umgeplant, die Wand weggelassen und so eine natürliche Klimaanlage eingebaut,” erzählt Francesco. “Ach hatte ich eigentlich erwähnt, das die Architektin meine Schwester ist?” Auch oben im Verkostungsraum beweist die Familie einen guten Geschmack, nicht nur bei den Weinen. Durch große Fenster, wie in einer Renaissancegalerie sitzend, blickt man auf der einen Seite auf Fonterutoli und auf der anderen in die Ebene bis Siena hinüber, ein perfekter Wachposten eben. 

Das neue Weingut von Fonterutoli

 

2015 Fonterutoli Chianti Classico

Wir können gar nicht aufhören, an den Verkostungsgläsern zu schnuppern. “Ach, 2015 macht so richtig Spaß”, meint Francesco Mazzei versonnen. Dem können wir nur beipflichten. Es scheint, als hätten die Mazzei´s mit dem 15er auch den Merlot Anteil weiter heruntergeschraubt, ein Plan von dem uns Filippo ja im Weinberg schon erzählte. Das zeigt gleichzeitig, dass auch die Sangiovese diese klare, ansprechend rote Frucht entwickeln kann, die eigentlich den Merlot so auszeichnet. Diese großartige Frucht zieht sich von vorne bis hinten durch. Man denkt an dunkle Kirschen und süße Pflaumen. Würzige Lakritznoten und etwas Schokolade ergänzen das Aroma. Im Geschmack reife Frucht im Überfluss, getragen von milden feinen Gerbstoffen. Das macht einen rundum offenherzigen, großzügigen Eindruck und ist trotzdem immer sehr fein bis in den langen Nachhall. Ein echter Verführer. Chianti zum Träumen.

0,75l statt 15,50 € nur 14,50 € shopping_basket

 

2015 Siepi

Sicher einer der besten Siepi der je auf die Flasche gebracht wurde. 2015 haben sowohl Merlot als auch Sangiovese, die je zur Hälfte die Cuvée bilden und im Weinberg direkt nebeneinanderstehen, die perfekte Balance erreicht. “Ein Triumph”, schreibt James Suckling. In der Tat, der Wein zeigt ein perfektes Aromenspektrum dunkler Früchte. Sehr intensiv in der Frucht und dabei überhaupt nicht überkonzentriert. Mit seiner superfeinen Frische wirkt er sogar fast leichtfüßig. Kann gut noch zwei bis drei Jahre Flaschenreife gebrauchen, es ist aber schwer an sich zu halten, wenn man ihn einmal verkostet hat. Erstaunlich wie dieser Wein immer toskanischer und dabei immer feiner wird. Hier haben die Mazzei Brüder wirklich etwas Einzigartiges geschaffen.

0,75l 75,00 €shopping_basket

 

Alle Weine des Castello di Fonterutoli finden Sie hier...

 

*Angebote gültig bis 14.10.2018, bzw. so lange der Vorrat reicht.