Die Kunst der grossen Weine - Le Pupille

unter Weinbrevier, Winzer und Weine

Elisabetta Gepetti

Donata Vieri

Saffredi Weinberg

Poggio Valente

“Ich fahre ganz langsam”, sagt Donata und gibt Gas. “Wir Italiener haben ja einen ganz eigenen Fahrstil”, meint sie lachend, und ich mache mir leichte Sorgen, weil die bis jetzt schnurgerade Straße, die von Le Pupille nach Süden führt, ganz plötzlich ziemlich kurvig und noch enger wird. Sie rückt sich die dunkle Sonnenbrille zurecht und redet drauf los. Ich denke an Roberto Benigni in Night on Earth und überlege kurz, ob ich jetzt wie der Monsignore einen Herzinfarkt bekommen muss. Wenigstens lässt sie beim Reden die Hände auf dem Lenkrad.“ Es ist jetzt etwas weiter…” – beruhigend.

Wir wollen Saffredi besuchen. Saffredi besuchen? Jetzt erst wird mir klar, dass ich diesen Wein nie wirklich als Einzellagenwein wahrgenommen habe und die meisten unserer Kunden wahrscheinlich auch nicht. “Ja, Saffredi. Das ist einzigartig, ihr werdet schon sehen.” Donata Vieri ist seit einigen Jahren Kellermeisterin auf Le Pupille. “Das ist in Italien immer noch die Ausnahme” erzählt sie, “wenn ich mit Partnern spreche, die uns noch nicht so gut kennen, höre ich oft genug: Ja, das besprechen wir dann besser mit dem Kellermeister.” Jetzt hat sie tatsächlich beide Hände in der Luft: “Eh, ja. Hier bin ich!” Mittlerweile kurven wir über kleinste Sträßchen durch dichte Wälder und grüne Felder. “Luftlinie sind das vielleicht 30 Kilometer”, meint Donata, “und mit meinem Auto geht das ja auch noch, aber fahr mal mit dem Trecker hier rüber…Naja, ich wollte das ja so. Ich hab nach meinem Studium der Oenologie erst einmal noch Marketing drangehangen, dann war ich bei Banfi und auch mal in einem Labor, aber irgendwie hab ich gemerkt das ist nichts für mich. Riesiges Weingut, wo jeder auf irgendetwas spezialisiert ist, im Labor den ganzen Tag Weine analysieren. Ich muss raus in den Weinberg, aber natürlich auch in den Keller – irgendwie möchte ich eigentlich alles machen. Nur Labor oder nur im Büro, das wird doch schnell langweilig. Das ist der Vorteil von so einem kleinen Weingut, da kann ich alles machen. Den Trecker fahren, im Kellerarbeiten und auch mal Kunden alles zeigen.” Sie biegt plötzlich scharf ab. “Scusi”, der Staub auf dem Schotterweg, der steil bergan führt, hängt wie eine milchige Fahne hinter uns, links geht es plötzlich auf einen Feldweg und schon stehen wir auf dem Gipfel. “Da,” sagt Donata und schweigt genießerisch. Vor uns und neben uns ein paar Hektar Weinberge, die sich im Halbrund um die Spitze des Hügels legen. Der Blick von hier ist fantastisch. “Könnte fantastisch sein”, meint Donata, “ziemlich diesig heute. Aber da hinten liegen Orbetello und das Tyrrhenische Meer.” Saffredi ist eine ziemliche Höhenlage für die Region, 250 bis 300 Meter und immer dem Westwind ausgesetzt, denn vor uns erstreckt sich die Ebene der Maremma. Die ersten Reben hat Elisabettas Schwiegervater Alfredo gepflanzt und 1987 hat dann sein Freund Giacomo Tachis den ersten Wein daraus gemacht. “Saffredi”, erzählt uns Elisabetta später “haben wir ihn dann genannt, um Alfredo damit zu ehren, den alle nur Fredi nannten. Saffredi, das heißt so viel wie der Sohn Fredis. Dabei hat er den Cabernet eigentlich als Cuvée-Partner für den Morellino gepflanzt. Aber Giacomo, der ja an der Entstehung der wichtigsten Supertuscans wie Sassicaia, Solaia und Tignanello beteiligt war, meinte, wir sollten diesen Weinberg gesondert ausbauen.” Wir gehen ein wenig herum und wundern uns, denn unter dem rötlichen Lehm kommt etwas zutage, dass wir auf der ganzen Reise in der Toskana bisher noch nicht gesehen haben. “Schisto”, sagt Donata und hebt einen anthrazit schimmernden Stein auf. Schiefer. “Hier ist so ziemlich alles vertreten in dem Weinberg”, meint sie, “Kalk, Ton, aber eben auch Schiefer. Ach ja, hier oben in dem alten Gebäude sind die ersten Jahrgänge des Saffredi entstanden, bevor die Kellerei unten ausgebaut wurde.”

Wir fahren am mittelalterlichen Ort Pereta vorbei, der einsam auf einem kleinen Felssporn liegt und das ganze Tal der Albegna bis rüber nach Latium überblickt. Einige Kurven weiter biegen wir links hinter einer Hecke ab. Plötzlich stehen wir auf einem von Wald und Dornenbüschen umgebenen Plateau. “Poggio Valente”, meint Donata. “Ja, etwas weniger spektakulär. Da fehlt die Aussicht.”Vielleicht sind es doch nicht zwingend spektakuläre Weinberge, die die spektakulären Weine ergeben. Aber im Umkreis um Poggio Valente und Saffredi, die nicht mal einen Kilometer auseinander liegen, gibt es kaum andere Weinberge, nur Wald und Oliven. Die meisten Weinberge der Maremma liegen unten in der Ebene. “Ja, das ist schon ziemlich einzigartig hier oben”,lacht Donata und kündigt an, dass sie jetzt etwas zügiger fahren werde, weil Elisabetta ja schon auf uns wartet. “Wenn ihr heute Nachmittag Zeit habt, können wir ja gerne noch unsere Weinberge im Norden besuchen, die sind aber ungefähr genauso weit weg…” Der Wagen fliegt über die Landstraße und ich bin nicht mehr ganz so unglücklich, dass wir am Nachmittag weiter müssen, damit wir unseren Flieger bekommen. Elisabetta Gepetti wartet schon im Weingut.

Die Grande Dame des Morellino haben einige Zeitungen sie schon betitelt, das klingt irgendwie auch ein wenig unnahbar und ältlich. Ich würde sie eher Herz und Geist von Morellino nennen, denn kaum jemand hat so für die Region gekämpft wie sie und das mit vergleichbarem Temperament und Verstand. Und es wird gleich deutlich, was das heißt. Wir wundern uns nämlich ein wenig, warum der Poggio Valente, der bisher ein Morellino di Scansano Riserva war, jetzt ein IGT-Wein ist. “Na wegen der Weinjournalisten,” sagt sie. “Wir glauben, dass dieser Weinberg noch wesentlich mehr Potential hat, aber wir haben immer wieder von Journalisten gehört: Na, das ist ja nur ein Morellino.” Geschmack findet ja auch im Kopf statt, selbst bei den Profis. “Jetzt haben wir die beiden Lagenweine und dann die Morellino.” Ähnlich wie in den anderen Regionen scheint sich auch hier die Idee, die Unterregion oder die Einzellage mit in das DOC System einzubauen, um so Icon-Weine für die Region zu schaffen, nicht durchzusetzen. “Ach”, sagt Elisabetta, “die Bezeichnung gibt es gerade einmal seit 1978 und die DOCG seit 2006. Wir sind noch sehr jung und wir bräuchten noch ein paar mehr Top-Erzeuger, um mit unseren 1.400 Hektar weltweit überhaupt wahrgenommen zu werden.” “Wie lange macht ihr denn schon Wein”, frage ich. “Die Familie? Schon lange... Mindestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts, aber als ich 1987 auf das Weingut kam, hatten wir gerade einmal 5 Hektar.” Jetzt sind es immerhin 80 und Elisabetta hat immer noch was vor. “In den 80er Jahren kannte niemand die Region. Denk mal zurück, selbst in Bolgheri gab es eigentlich nur Sassicaia, und der wurde auch bis 1983 ohne jede Herkunft verkauft. Der war irgendwo aus der Toskana. Was man damals in der Ebene angebaut hat, war auch hauptsächlich Weißwein. Belangloser, billiger Weißwein. Was anderes konnte man auch nicht verkaufen. Möchte nicht wissen wieviel davon nachher in den Galestro geflossen ist, weil die im Chianti mittlerweile die Malvasia-Reben rausgerissen hatten.” “Oh ja,den Capsula Viola. Der war in den 80ern total hip. Der Vokuhila untern den Weinen. Gibt’s den eigentlich noch…”, frage ich. Elisabetta zuckt mit den Achseln. “Seit nicht einmal 30 Jahren baut die Region jetzt ihre Identität auf.” Ich muss an den Brunello denken, der auch nicht viel früher angefangen hat und auch nicht so viel größer ist. Aber hier hatte man schon ein Icon-Weingut, an das sich alle anlehnen und vor allem sehen konnten, was es brachte, Top-Qualitäten zu machen. Das hatte eben auch für das Interesse von außen und die nötigen Investitionen gesorgt. In Morellino dachten die meisten Produzenten eher an einfache Weine. Natürlich kann ein Newcomer oder – damals noch schlimmer – eine Newcomerin mit einem einzelnen Wein nicht für diesen Sog sorgen. Zu Hause habe ich dann nachgeschaut. Tatsächlich war der Poggio Valente 2013 der erste Morellino, der mehr als 93 Parker Punkte bekam (95+) und unter den 20 Weinen die es aufmehr als 90 Punkte brachten, sind zehn von Elisabettas LePupille. Der Saffredi sorgte schon in den 90er Jahren für Aufsehen. Wahrscheinlich ist die Marke des Weinguts tatsächlich stärker als die der Region. “Solange du Morellino für vier bis fünf Euro findest wird die Region ihr Potential gar nicht richtig ausspielen können. Man kommt dann gefühlt kaum aus der Billig-Ecke raus.” Allerdings klingt Elisabetta gar nicht enttäuscht darüber. “Das ist eine der schönsten Ecken der Toskana und die vielleicht einzige Region, die touristisch noch relativ unerschlossen ist. Wir haben da noch einiges Potential”.Es klingt, als freue sie sich auf die Herausforderung. “Ach, hast du eigentlich Weinbau studiert”, frage ich Elisabetta zum Schluss noch. “Nein, Kunst”, meint sie und fügt lachend hinzu, “was meinst du, woher ich den Galestro kenne, so was hätten Weinbaustudenten doch nie getrunken. Übrigens hab ich da zusammen mit Ginevra studiert und jetzt sind wir beide auf Weingütern gelandet…” Il Ghizzano, da hatte unsere Reise begonnen, auf der wir feststellen durften, dass die Toskana gar nicht so einfach und tatsächlich ein sehr junges und auch sehr weibliches Weinbaugebiet ist.

 

2017 Poggio Argentato bianco

“Seit 2005 erzeugen wir etwas Weißwein”, erzählt Elisabetta Gepetti, “und der war nie schlecht. Aber so seit vier, fünf Jahren haben wir den Kniff richtig raus. Nur gibt es einerseits nicht so viel davon, dass wir den Wein groß vermarkten könnten, andererseits sind die Leute trotz Top-Bewertungen nie so richtig interessiert, wenn wir den Wein vorstellen. Ach Weißwein macht ihr auch… heißt es dann.” Wir sind interessiert, weil wir sicher sind, dass dieser Wein ein größeres Publikum verdient hat. Vor allem wenn bedenkt, welche Preise für manchmal sehr mittelmäßige italienische Weißweine in bekannteren Regionen mittlerweile aufgerufen werden. Da unsere Kunden ja mehr auf den Geschmack als auf die Klassifizierung achten, finden wir: Die Zeit ist reif für einen Weißwein aus der Maremma. Vor allem, wenn er so raffiniert ist wie der Poggio Argentato. Die Trauben stammen aus dem Weinberg vom Pian di Fiora, dort ist es etwas kühler, womit der Wein seine Eleganz erhalten kann. Weinbergspfirsich, Zitrusfrüchte, Honig, Weißdorn und Akazie. Der Gaumen ist rund, mit zartem Schmelz und wird von einer feinen, zurückhaltenden Säure getragen. Der Sauvignon Blanc wird mit Traminer und Petit Manseng sowie einem kleinen Anteil Semillon in der Cuvée balanciert. Der Wein liegt für fünf Monate in Stahl mit Ausnahme des Petit Manseng, der im neuem 500-Liter Tonneau fermentiert und ausgebaut wird. Spitze zu sommerlich leichter Küche wie Fischcarpaccio oder gegrillten Gambas, kann auch frische Kräuter und Knoblauch ab. Ein echt mediterraner Weißwein!

0,75l nur 12,90 € im 5+1 Angebot 

 

2015 Poggio Valente

Nach dem großartigen 13er nun ein ähnlich großer 15er aus dem Single Vineyard bei Pereta in den Hügeln der Maremma. Intensiv würzig verströmt er Aromen von roten und schwarzen Beeren, wirkt dabei südlich konzentriert, aber auch immer ätherisch und präzise mit Pfeffer und Lakritz.Dieses Spiel von reifem Extrakt und pointierter Frische sorgt auch am Gaumen für Spannung. Noch bremsen die würzigen Tannine die Fülle etwas aus, die sich Bahnbrechen will, doch mit ein wenig Luft stellen sich schon jugendliche Harmonie und beeindruckende Länge ein. So ist Trinkfreude garantiert, aber man wird auch neugierig auf die weitere Entwicklung in der Flasche. Auch wenn der Wein jetzt nicht mehr als Morellino di Scansano zählt, für uns ist der reinsortige Sangiovese gerade in diesem Jahr das Maß aller Dinge, die in dieser kleinen Appellation möglich sind.

0,75l statt 24,50 € nur 23,50 € 

 

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Angebote gültig bis 14.10.2018, bzw. so lange der Vorrat reicht.