Neu im Weinkeller: Poggio Antico - Montalcino

unter Weinbrevier

Von Montalcino aus fährt man über eine kleine Strada Provinciale nach Süden. Es geht immer auf dem Bergrücken entlang durch Wälder und Felder. Irgendwann geht es durch ein Tor scharf rechts von der Straße ab und über einen Schotterweg in einem langen Bogen durch den Wald. Und dann kommen Zypressen über Zypressen und am Ende des Weges auf einem Bergsporn mit einer sensationellen Aussicht auf den Süden der Region liegt Poggio Antico. Federico ist hier der Chef. Als er bemerkt, wie ich durch die Zypressen hindurch versuche das Panorama zufotografieren lacht er. “Ja, die stehen hier dicht an dicht. Seltsam, vor den Nachbarn muss man sich ja nicht schützen, denn es gibt keine und trotzdem sind die wie eine Mauer gepflanzt worden. Komisch,Paola hat mir gar nicht erzählt, warum die so ungewöhnlich eng gepflanzt worden sind… Aber wir hatten in dem halben Jahr ja auch ganz andere Dinge zu besprechen.” Federico, ist noch nicht lange auf Poggio Antico, vorher hat er für eine große Weingruppe gearbeitet und dann für ein bekanntes Weingut im Chianti. “Die Toskana kenne ich also”, meint er, “trotzdem ist das hier oben eine ziemliche Herausforderung.” Poggio Antico ist nämlich Ende 2017 verkauft worden. Dreißig Jahre lang hat Paola Gloder das Weingut geleitet und es zu einer Ikone des Brunello gemacht, jetzt gehört es Marcel van Poecke. Die Zweite der großen Übernahmen,die für so viel Aufsehen gesorgt haben, denn auch das älteste Brunello-Weingut Biondi-Santi wechselte 2017 den Eigentümer. Ich frage Federico ganz direkt: “Wie ist das, wenn ein branchenfremdes Unternehmen so ein Weingut übernimmt? In der ganzen Region wird ja darüber geredet, und viele machen sich da auch Sorgen.” “Klar”, meint Federico,“geredet wird ja immer viel, aber es kommt natürlich darauf an, was die Leute, die das Geld investieren, für Vorstellungen haben.” So ein Weingut ist ja keine normale Handelsware. Als die Familie Gloder das Weingut 1984 übernahm gab es das auch schon einige Jahre. Der Name ist in den späten 70ern zum ersten Mal für Wein verwendet worden. Wie man sich erzählt soll der aber nicht besonders gut gewesen sein. Giancarlo Gloder war damals noch im Bankwesen tätig und er hat das Weingut nicht nur wegen der schönen Aussicht gekauft, sondern weil er an die Zukunft der Region glaubte.Natürlich Leidenschaft für den Wein, aber auch ein Investment eben, denn um aus dem Potential von Poggio Antico was zumachen brauchte man nicht nur fähige Leute, sondern auch erst einmal viel Geld.

Der Erfolg kam schnell. Der 1985 Brunello von Poggio Antico war bei seinem Erscheinen im WineSpecator unter den Top 100 Weinen auf Platz 4 zu finden. Zwei Jahre nach dem legendären Jahrgang entschloss sich dann Giancarlos Tochter Paola, die Leitung des Weingutes zu übernehmen. 1987 war das in Italien noch sehr ungewöhnlich, eine junge Frau, die ein großes und plötzlich weltbekanntes Weingut in einer der aufstrebenden Appellationen der Toskana leitet. Aber sie merkte auch, dass so ein Presseerfolg nur eine Eintagsfliege ist, wenn man nicht beständig Top-Qualität abliefert und mit seinen Kunden in Kontakt bleibt. 30 Jahre sollte sie auf dem Weingut bleiben. “Ist doch ein echtes Long-Time-Invest”, meint Federico, “und eigentlich war es ja noch ein halbes Jahr mehr, denn sie und ihr Mann haben mich zum Glück umfassend eingearbeitet.”Dabei hat Federico fast das gesamte Team übernehmen können.Einige sind von Anfang an dabei und bei den Jüngeren haben teilweise schon die Eltern auf Poggio Antico gearbeitet. Claudio Ferretti kümmert sich seit über 30 Jahren um die Weinberge, jetzt geht die Aufgabe langsam auf seinen Sohn Jacopo über. Pier Guiseppe, der technische Direktor, den alle nur Pippo nennen, ist einer der wenigen die noch nicht so lange im Team sind. “Eine der wichtigsten Neuerungen ist sicher, dass wir die Weinberge auf biologische Bewirtschaftung umgestellt haben. Das hätten wir wahrscheinlich ohne den neuen Inhaber nicht gemacht und natürlich wird so etwas im Team dann auch kontrovers debattiert, aber manchmal braucht man eben auch einen Anstoß von außen.” Gerade jetzt sieht Pippo nicht so richtig glücklich aus mit der Entscheidung. “Es hat extrem viel geregnet im Frühjahr und es soll die nächsten Tage weiter regnen und dabei wärmer werden”, erzählt er, “schaut euch die Weinberge an. Das sieht aus wie ein Urwald. Nicht nur die Reben wachsen wie wahnsinnig, auch alles was zwischen den Zeilen wächst. Da steigt die Gefahr, dass sich Mehltau bildet, und als Bio-Winzer hat man da nicht so viele Möglichkeiten…”Eher gar keine, würden wir sagen.Aber das hören wir immer wieder, die Jahre der Umstellung sind oft für das Team purer Stress. “Das mit der Bio-Umstellung ist sicherlich die wichtigste Veränderung”, ergänzt Federico, “aber so eine Übernahme ist natürlich auch immer eine Gratwanderung. So wenig verändern wie möglich, aber auf der anderen Seite will man sich ja auch weiterentwickeln und für die Zukunft planen.”Wir gehen in den Keller. Hier stehen große Eichenfässer dicht an dicht. Alessio ist der jüngste im Team, aber auch schon Poggio Antico erfahren. Nach seinem Oenologie-Studium hat er jetzt offiziell den Titel des Winemakers. “Ach”, sagt er, “das Team ist der Winemaker.” Wir suchen nach den im modernen Weinbau ja scheinbar omnipräsenten Barrique-Fässern, aber es gibt nur eine Handvoll irgendwo hinter den großen Stückfässern. “No Barrique for Brunello,” sagt Alessio, “bei uns kommt nur der IGT ins Barrique. Rosso und Altero in die größeren Stückfässer und der klassische Brunello wird ganz altmodisch in großen Fässern aus slawonischer Eiche ausgebaut.” Pippo ergänzt: “Wir finden für den Brunello, den wir trotz aller Kraft immer elegant haben wollen, ist das Barrique zuviel, das wirft ihn aus dem Gleichgewicht.” In ein paar Nebenräume stehen Gitterboxen mit alten Jahrgängen. “Wir haben das Glück, dass Paola in guten Jahrgängen immer so zehn Prozent der Ernte beiseite gelegt hat,” erzählt Federico,“so können wir besonderen Kunden jetzt auch noch einpaar Flaschen ältere Weine anbieten.” Bei der Verkostungspäter, in der wir ein paar davon probieren, hat ergeschickt die Jahrgänge rausgesucht, von denen wir noch keine Zuteilung bekommen haben. So schafft man Nachfrage. Wie auch bei den Weinen, die wir im Keller haben, fällt uns auf, die Weine haben schon eine besondere Kraft, aber eben auch jene Eleganz. Man merkt keinen Holzeinsatz,eine Art von Purismus, die uns extrem gut gefällt. “Daran werden wir auch nichts ändern”, meint Federico, “das ist die Besonderheit von Poggio Antico. Wir sind das höchste Weingut mit 480 Metern und um uns herum nur Wald und die Weinberge sind auch im Sommer sehr dem Wind ausgesetzt, das macht schon von alleine einen besonderen Stil. Den noch präziser rauszubringen, das muss unser Ziel sein.” Ich muss jetzt doch noch einmal etwas nachbohren: “Und für wann hat denn der neue Inhaber seinen return of invest geplant? ”Federico nimmt meine Spitze ziemlich gelassen hin. “Der Jahrgang 2017 wird der Erste unter unserer Ägide sein, wie gut der ist, werden wir eigentlich erst 2023 wissen, wenn er auf den Markt kommt, bei der Riserva noch ein Jahr später. Was die Umstellung auf Bio mit unseren Weinen macht, erfahren wir erst viel, viel später. Jetzt überlegen wir erst einmal, wie man die Abläufe verbessern kann. Vielleicht gibt es ja ein neues Kellergebäude.Glaub mir, wer in so ein Weingut investiert rechnet nicht damit, in den nächsten 30 Jahren seine Investitionen wieder einzuspielen oder er ist naiv.” Naiv kommt uns das was wir gesehen haben nicht vor,aber es ist extrem spannend wie man einerseits bemüht ist, Kontinuität zu wahren, andererseits aber auch so etwas wie Aufbruchstimmung herrscht.

Wir stehen wieder draußen vor dem Weingut. Die Zypressen stehen immer noch hoch und breit in der Aussicht. “Jede Zweite würde auch reichen”, meine ich.“Ja, der Frost im Winter hat uns leider nur ein paar Olivenbäume genommen”, meint Federico und ergänzt lachend, “aber mal sehen, was jetzt mit der Bio-Umstellung passiert. Zypressen haben viele Feinde…”

 

2016 Rosso di Montalcino

Eine Klasse für sich! Wenn man großen, eleganten Sangiovese zu einem vernünftigen Preis sucht, wird man hier fündig.Fein umrissener Duft nach süßen Kirschen, frischen Pflaumen, Lakritz und Tannennadeln. Ein ausgesprochen attraktiver Wein mit vielversprechender Klarheit und Tiefe. Auf dem Gaumen folgt ein animierender Geschmack mit feinsaftigem Charakter und zartem Schmelz. Man merkt, dass die Reben in den Höhenlagen von Montalcino wachsen, denn der Rosso ist wunderbar filigran und besitzt eine perfekt akzentuierte Frischeader. Ein wirklich genialer Rosso, der in seiner Feinheit dem Brunello kaum nachsteht, dabei jedoch schon in seiner Jugend zugänglichen Trinkgenuss bietet. Bitte dekantieren!

0,75l statt 25,90 € nur 23,90 € 

 

2013 Brunello di Montalcino

Eleganz und Trinkanimation sind die großen Überschriften, die über allen Weinen von unserem neuen Brunello Weingut Poggio Antico stehen. Der 2013er Brunello vereint diese beiden Eigenschaften geradezu perfekt. Tiefgründiger, reifer Duft nach Schattenmorellen, Schlehen, süßen Gewürzen, hellem Tabak und Unterholz. Ziemlich genial, wie fein die Konzentration rüberkommt und wie perfekt ausbalanciert das alles jetzt schon wirkt. Hier ist nichts überkonzentriert oder süßlich,sondern immer anregend frisch. Die Säure ist perfekt eingebettet,die Tannine von hochfeiner Qualität, das läuft wie ein Schweizer Uhrwerk. Wer immer behauptet hat, Brunello  lebe nur durch Kraft und Konzentration und sei eigentlich ein modernistischer Wein, sollte diesen kühleren Jahrgang mit seiner hochfeinen Art einmal probieren. Wenn Sie ihn jetzt genießen möchten, sollte Sie ihn ein bis zwei Stunden karaffieren, damit sich seine ganze Klasse und Fülle entfalten kann.

94 Punkte James Suckling

0,75l  62,00 € 

 

2012 Brunello di Montalcino Riserva

Der große Jahrgang 2012 kam mit deutlich mehr heißen Tagen daher als sein Nachfolger. Wenn sich irgendwo das Terroir bezahlt gemacht hat, dann auf jeden Fall hier.Natürlich ist die Riserva ein sehr konzentrierter Wein geworden,dem man die hohe Reife der Trauben anmerkt,aber die Spannung am Gaumen ist dennoch enorm. Ein rasantes Wechselspiel zwischen Konzentration, sensationeller Frische und jugendlichen Gerbstoffen. Natürlich braucht das noch einige Jahre, bis sich das alles in gelassener Eleganz finden wird, aber das jugendlich Ungestüme ist schon so faszinierend, dass man gar nicht weiß, ob man den Wein nicht besser jetzt schon trinkt. Dunkle Beeren,Graphit, Schwarztee und etwas Herbstlaub, der Wein schüttet jetzt schon einen Korb von Aromen aus. Ein echtes Meisterwerk! Unbedingt dekantieren.

97 Punkte James Suckling

0,75l 110,00 € -limitiert- 

 

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*Angebote gültig bis 14.10., bzw. so lange der Vorrat reicht.