Der Unkomplizierte: Portugieser

unter Weinwissen, Winzer und Weine, Weinbrevier

Er ist ein fröhlicher Geselle, der Portugieser. Im Vergleich zum Portugiesen, der ja immer eher von Schwermut geprägt scheint – kein Fußballspiel der Nationalmannschaft kommt ohne das Wort Saudade (Sehnsucht) imKommentar aus – ist der Portugieser fast schon ein Bruder Leichtfuß.

Kein Wunder, hat sich doch die Legende, dass die Sorte aus Portugal nach Deutschland gebracht wurde, als unbegründet herausgestellt. Wissenschaftliche Erkenntnisse legen einen Ursprung im heutigen Slowenien nahe. Er müsste also streng genommen Slowener heißen. Aber es streng zu nehmen ist die Sache dieses Weines nun wirklich nicht. Die dritthäufigste Rotweinsorte Deutschlands wird oft zu einem leichten Schoppenwein ausgebaut, der jung getrunken wird. Als Weißherbst, also sortenreiner Rosé, ist Portugieser sehr beliebt und in fast jedem Supermarktregal präsent. Das ist ihm herzlich Wurst, seine gute Laune lässt er sich auch nicht durch Massenproduktion verderben. Er hat eine gute Säurestruktur, die es erlaubt, auch nicht ganz durchgegorene Weine immer noch in der Balance und frisch zu halten. Auf der anderen Seite gibt es aber einige Enthusiasten, die versuchen, aus der Rebsorte alles herauszuholen. Das sind vor allem Pfälzer Winzer, die an ihre Rebe glauben und einige Österreicher, die sich auf die Tradition berufen, die der Blaue Portugieser hier ebenfalls hat. Denn tatsächlich reagiert der Wein ganz hervorragend auf Holzausbau, süße Eichennoten kann er mit seinen ausdrucksstarken Beerenaromen sehr gut integrieren. Das eröffnet im Keller viele Möglichkeiten, die noch lange nicht zu Ende ausgelotet sind. Da findet sich vielleicht doch noch eine ernsthafte Seite am Portugieser. Es sei denn, man spannt den Bogen im Keller ganz, ganz weit und macht Portugieser-Portwein. Sie denken, wir machen Witze? Nein, den gibt es als klitzekleines Liebhaberprojekt wirklich! Wir denken, über Port-Port müsste auch der Saudadegeplagteste Portugiese zumindest ein wenig schmunzeln.

DREI FRAGEN ZUM PORTUGIESER

gestellt an Markus Schneider

WIE UND WANN HABEN SIE DIE REBSORTE PORTUGIESER KENNENGELERNT?

Bereits als ganz kleiner Junge. Ich musste während der Ernte immer mit in den Weinberg, die ganze Familie hat bei der Lese geholfen und niemand hatte Zeit, um mich zu beaufsichtigen – im Weinberg haben sich alle abgewechselt und das hat prima geklappt. Ich habe mir meine Zeit mit Trauben probieren vertrieben und die Portugieser Beeren aus diesem besonderen Weinberg (EINZELSTÜCK) waren immer die süßesten von allen! Man kann also sagen, die „Portugieser Leidenschaft“ wurde bei mir sehr früh angeknipst...

WAS BIETET PORTUGIESER, WAS ANDERE REBSORTEN NICHT HABEN?

Er ist für mich mein zu Hause. Ich mag Cabernet, Syrah und Merlot sehr, aber Heimat – das ist der Portugieser. Über ihn transportiere ich einen Charakter, der so mit keiner anderen Rebsorte aus meinem Portfolio machbar ist. Würze, Eleganz, Frucht, Kraft, Frische und eine ganz besondere Unverwechselbarkeit. Das liegt zum einen an der Rebsorte, aber auch an diesem für meine Familie besonderen Weinberg.

WELCHE EIGENSCHAFT SOLLTE EIN WINZER UNBEDINGT MITBRINGEN, UM ERFOLGREICH PORTUGIESER ANZUBAUEN?

Heimatverbundenheit, viel (Pfälzer) Emotion und eine große Portion Liebe für diese nicht immer ganz einfache Rebsorte. Dann klappt es auch mir dem Portugieser!

Unsere Empfehlung:

2014 Einzelstück - Markus Schneider     29,50 €     (1l; 0,75l = 39,33 €)