Die Primadonna: Pinot Noir / Spätburgunder

unter Weinbrevier, Weinwissen

Vielen gilt er als Krönung der Rotweinreben: Pinot Noir, oder hierzulande Spätburgunder. Die Weine haben auch etwas ganz Besonderes, da sie doch zugleich immer unverwechselbar Pinot sind, andererseits aber kaum eine Sorte zu solch differenziertem Ausdruck von Terroir und Winzerpersönlichkeit geeignet ist. Dabei können so unterschiedliche Stile wie Spätburgunder von der Ahr oder Pinot Noir von der Côte des Nuits aus derselben Sorte entspringen. Es dürfte kein Zufall sein, dass Wein von Pinot Noir oft mit Frauen verglichen wird. Er hat diese Individualität, einen Hang zum Kapriziösen, die seine Liebhaber zugleich entzücken und in den Wahnsinn treiben. Er kann gleichzeitig sehr viele, teils widersprüchliche Eigenschaften haben. Er ist mysteriös und unergründlich, aber auch sinnlich – teilweise sogar hedonistisch.

Und ihn zu beschreiben, treibt die Kritiker immer wieder zu hilflosen Adjektiv-Kaskaden an. Es sei denn, sie wählen den etwas distanzierteren Blick und schreiben eher über die Technik der Weinbereitung als über den Wein selbst.

In Deutschland jedenfalls hat Spätburgunder eine fast ebenso lange Tradition, wie in Frankreich. Nimmt man die gesicherten Ersterwähnungen als Grundlage, ist in Deutschland erstmals 1470 die Rede von Klebrot (dem alten Rheingauer Namen der Sorte), während in Frankreich die erste Erwähnung gerade mal 200 Jahre älter ist. Man muss jedoch annehmen, dass im gesamten Frankenreich Karls des Großen Pinot Noir angebaut wurde. Lange war diese Tradition jedoch vergessen. Deutschland stand für Weißwein, deutscher Rotwein interessierte (fast) Niemanden. In den letzten Jahren gibt es jedoch eine sanfte Renaissance, die auch darauf zurückzuführen ist, dass an der Ahr, sowie in Baden und Franken Spätburgunder von sublimer Schönheit gemacht werden. Das wird nicht nur hierzulande, sondern auch international bemerkt, was zu einem stetig steigenden Interesse an diesen Tropfen führt. Wir meinen, diese Entwicklung ist bei weitem noch nicht am Ende. Das waren nun beide Weisen, über Spätburgunder zu schreiben. Keine reicht hin, die Faszination dieser Rebsorte auch nur anzukratzen. Daher sagen wir: einfach probieren, mit viel Zeit und Aufmerksamkeit.

DREI FRAGEN ZUM SPÄTBURGUNDER

gestellt an Yquem Viehhauser vom Weingut Bernhard Huber

WIE UND WANN HABEN SIE DEN SPÄTBURGUNDER KENNENGELERNT?

Vor über 700 Jahren brachten Zisterziensermönche den Spätburgunder nach Malterdingen. Der Gutshof der Mönche, „curia“ genannt, befand sich im Gewann Mönchhofmatten. Dort liegt heute das Weingut Huber. Die Mönche trafen in Malterdingen auf das gleiche Terroir, den „Muschelkalkverwitterungsboden“, wie in Burgund. Und sie brachten die hohe Schule des Weines mit. In Rebsortenbüchern und diversen Weinlexika findet sich für den Spätburgunder als Synonym die Bezeichnung „Pinot-Noir“ und „Malterdinger“. Mit dem Weinbau in Malterdingen aufgewachsen und von dieser Spätburgundertradition inspiriert, liegt es uns seit guten 30 Jahren am Herzen Spätburgunder selber zu kultivieren und vinifizieren.

WELCHES SIND BESONDERE HERAUSFORDERUNGEN IM AN- ODER AUSBAU VON SPÄTBURGUNDER?

Spätburgunder bedarf unheimlich viel Fingerspitzengefühl. Begonnen bei der Auswahl der richtigen Rebklone und entsprechenden Unterlagen bis hin zum Boden, (unsere Muschelkalkböden scheinen recht gut geeignet), gefolgt von einer strengen Ertragsreduzierung. Die Klimatischen Bedingungen sind auch nicht zu vernachlässigen. Bei der Weinbereitung ist die traditionelle Maischegärung ein wichtiger Schritt. Unsere Spätburgunder reifen bis zu 18 Monate in Eichenfässern. Hier verschmelzen die Tannine und Fruchtaromen des Spätburgunders unter dem Einfluss des Barriques.

WO SOLL ES HINGEHEN FÜR IHRE SPÄTBURGUNDER? WAS SIND DIE ZUKUNFTSPLÄNE?

Wir kultivieren rund 70 % Spätburgunder und weniger sollen es auch nicht werden ;) Darüber hinaus sind wir froh, dass wir auf einen schönen Anteil älterer Weinberge zurückgreifen dürfen.

Unsere Empfehlung

2015 Spätburgunder "Alte Reben" - Bernhard Huber     30,50 €     (0,75l; 1l = 40,67 €)