Der Comeback-Star: Grauburgunder

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Wie ein opalisierendes Farbenspiel, das in der Sonne seine Farben ändern kann, lässt sich auch der Grauburgunder nicht einfach festlegen. Die Rebsorte ist mehr als nur vielseitig, dieser Wein ist mehr als die meisten anderen Rebsorten formbar. Er ist wie die Leinwand, auf der das Terroir sein Bild malen, oder wie der Ton, aus dem es eine Skulptur formen kann.

Und Terroir wollen wir hier ausdrücklich im burgundischen Sinn verstanden wissen. Also weit mehr, als nur die Erde, in der die Rebe wurzelt und das Klima am Weinberg, sondern ausdrücklich auch der Einfluss und die Wirkung des Winzers. Welche Traditionen im jeweiligen Anbaugebiet auch vorherrschen, meist findet sich ein Weg, den Grauburgunder einzubinden. Grauburgunder ist dermaßen wandelbar, dass er in Deutschland zwei verschiedene Namen hat, je nachdem, in welchem Stil er ausgebaut wurde. Trocken heißt er Grauburgunder oder hin und wieder Pinot Gris. Restsüß hingegen spricht man von Ruländer, dem alten Namen, den dieser Wein in Deutschland getragen hat. Ähnlich wie bei Riesling ist es erst nach und nach in Mode gekommen, den Wein trocken auszubauen, in alter Zeit waren die opulenten Ruländer die Regel. Daher hat man für die trockenen Weine den kosmopolitisch klingenderen Namen gewählt, der auf seine Abstammung vom Pinoit Noir hindeutet. Und kosmopolitisch ist der Pinot Gris in jedem Fall. Sieht man über die Grenzen hinaus, wird das Spektrum seiner Stilistiken nämlich noch breiter als wenn man nur Deutschland betrachtet. Am Schwarzen Meer werden Grauburgunder mit Edelfäule zu hedonistischen Dessertweinen gemacht, in Kanada wird Pinot Gris zu einem knackigen Cold Climate Wein mit grün-kräuterigen Noten. Was ihm aber immer eigen bleibt ist ein kleines Aufbäumen, wie eine Erinnerung an die Unbeugsamkeit der Elternrebe Pinot Noir. Wenn es bisher so klingen mochte, als wäre der Grauburgunder völlig glatt und charakterlos, das würde ihm nicht gerecht. Denn allen Pinot Gris‘ ist eins gemein: Geißblatt, grüne Walnuss oder Birne. Wie ein versteckter kleiner Kobold lauert immer etwas perfekt Unperfektes in dem Wein. Aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Schönheit ohne Fehler ist doch ohnehin nur öde.

DREI FRAGEN ZUM GRAUBURGUNDER

gestellt an Friedrich Keller vom Weingut Franz Keller

WIE SEHEN SIE DAS IMAGE DES GRAUBURGUNDERS HEUTE IN DEUTSCHLAND?

Zwiespältig. Zum eine freuen wir uns, dass der Grauburgunder in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit gewonnen hat. Es ist noch nicht sehr lange her als das Image des Grauburgunder, damals noch Ruländer, am Boden war. Hohe Erträge, hohe Alkoholwerte und hoher Restzucker machten ihn zu einem langweiligen Wein ohne Trinkfluss. Zum anderen beobachten wir in den letzten Jahren wieder einen leichten Trend hin zur Restsüße. Die Vergangenheit sollte uns ein warnendes Beispiel sein auf einen trockenen, vielmehr durchgegorenen Grauburgunder zu setzen.

WAS WÜRDEN SIE ZU IHREM „ÜSEM WIIKELLER“ ESSEN?

Badische Antipasti/Vesper (Wurstsalat, Quark, Kalbsmaulsalat), Pasta-Gerichte, Salate, leichte Fleischgerichte.

WAS MACHT GRAUBURGUNDER FÜR SIE INTERESSANT?

Seine Flexibilität schätzen wir sehr an ihm. Man kann frische, unkomplizierte Weine machen und ebenso Weine mit Charakter und Langlebigkeit. Außerdem ist er ein exzellenter Essensbegleiter und toller Botschafter seiner Lage/Herkunft.

Unsere Empfehlung:

2017 Grauburgunder Üsem Wiikeller - Franz Keller     9,00 € (1l; 0,75l = 12,00 €)     im 5+1 Angebot*

 

 

*Angebot gültig bis zum 17.06.2018.