Der Oldie (but Goldie): Gelber Muskateller

unter Weinwissen, Weinbrevier, Winzer und Weine

Napoleon Bonaparte war unter anderem auch großer Weinliebhaber. Es gäbe viel zu berichten, selbst wenn man sich darauf beschränken würde, über den Kaiser und seine Weinvorlieben zu schreiben. Das letzte Gläschen, dass er direkt vor seinem Tod trank, war ein Constancia, ein damals sehr gefragter Süßwein aus der Kapregion Südafrikas, der aus botrytisierten Muskateller-Trauben gemacht wird.

Es gibt sogar Vermutungen, nach denen sein Mundschenk den Wein damals mit Arsen versetzt haben soll, um dem Exilierten auf St. Helena den Todeskampf zu verkürzen. Der süße Geschmack hat das Arsen nach dieser Legende überdeckt. Wenn es eine Weinsorte gibt, aus der ein Hauch der Geschichte weht, dann ist es der Gelbe Muskateller. Es gibt Gelehrte, die im Gelben Muskateller die älteste Rebsorte der Welt erkannt haben wollen. In der Antike wurde er wohl von Phöniziern, Griechen und Römern geliebt. Auch im Nibelungenlied wird der Wein erwähnt. Bei so viel Historie ist es kein Wunder, dass es aus Muskateller viele Mutationen und verschiedene Abkömmlinge gibt und ebenso viele Spezialitäten. Als trockener Wein kann Muskateller erstaunliche Blumenaromen und leichte Muskatnoten hervorbringen, so wird er in Deutschland vor allem ausgebaut. Als sonnenverwöhnter Dessertwein wird er in Südfrankreich, Portugal und Australien ausgebaut. Sogar eine echte Mode hat die altehrwürdige Rebe in den letzten 45 Jahren mitgemacht, wobei es ihr heute nur noch selten zur Ehre gereicht, dass man in Italien aus Muskateller den heutzutage wegen billiger Massenproduktion berüchtigten Asti Spumante macht. Gott sei Dank ist der Zielgruppe des Asti Spumante gar nicht bekannt, aus welcher Rebsorte der Prickler gemacht wird. Und wir werden das Geheimnis auch für uns behalten.

DREI FRAGEN ZUM MUSKATELLER

gestellt an Hansjörg Rebholz vom Weingut Rebholz

WIE SEHEN SIE DAS IMAGE DES MUSKATELLER HEUTE IN DEUTSCHLAND?

Das Image ist nach wie vor gespalten. Einerseits hat man mit dem duftigen, würzigen, frischen Muskateller einen Wein, der sowohl „Anfängern“ den Einstieg recht leicht macht. Auf der anderen Seite hinterlässt das ambivalente Image aller Bouquetsorten auch bei dieser uralten Rebsorte ihre Spuren. Man mag Muskateller einfach oder überhaupt nicht, ein Dazwischen gibt es praktisch nicht. 

WELCHE EIGENSCHAFT SOLLTE EIN WINZER UNBEDINGT MITBRINGEN, UM ERFOLGREICH MUSKATELLER ANZUBAUEN?

Muskateller ist nur etwas für fortgeschrittene Winzer. Denn die Rebsorte, die ursprünglich aus dem Zweistromland stammen soll und sich über viele Jahrhunderte auch im hohen Wein-Norden an unser Weinklima adaptiert hat, ist extrem frostempfindlich, alles andere als blütesicher und hat dadurch extrem große Ertragsschwankungen, die man oft durch Traubenhalbieren oder grüne Ernte korrigieren muss, da der Rebsorte sehr große Trauben eigen sind. Auch im Keller gibt es kaum eine andere Rebsorte, die so viel Probleme beim Pressen, Vorklären und Filtrieren bereiten kann. Also: der Winzer sollte Erfahrung und viel Gelassenheit mitbringen!

WAS SIND DIE POSITIVSTEN/NEGATIVSTEN EIGENSCHAFTEN DES MUSKATELLER?

Was die unterschiedlichen Weintypen angeht, die man aus dem Muskateller bereiten kann, kann nur noch der Riesling mithalten. Die Basis dafür ist eine sortentypische markante Säure. In den letzten Jahren sind uns mehrmals ganz leichte trockene Weine mit nur 10 oder 10,5 % vol. Alkohol gelungen. Leider liegen die letzten edelsüßen hohen Qualitäten schon viele Jahre zurück. Erzwingen oder planen kann man bei dieser Rebsorte überhaupt nichts! Leider haben uns auch Fröste in den letzten Jahren sehr große Ertragseinbußen gebracht. Für Muskateller muss man sich über längere Zeit den Markt erst ganz langsam aufbauen, da die Rebsorte doch recht stark polarisiert. 

Unsere Empfehlung:

2015 Muskateller trocken - Ökonomierat Rebholz     13,90 € (0,75l; 1l = 18,53 €)

 

*Angebot gültig bis zum 17.06.2018.