Der Unverwechselbare: Sauvignon Blanc

unter Weinwissen, Weinbrevier

Neuseeland ist wohl das erste Land der „Neuen Welt“ – die so neu ja nun auch nicht mehr ist – das einen ganz eigenen, modernen Weinstil erschaffen hat. Es gibt natürlich viele ganz exzellente Weine aus Australien, Süd- und Nordamerika. Und mit Pinotage sogar eine Rebsorte, die in Südafrika heimisch ist. Dennoch gibt es kaum jemanden, der außerhalb von Fachkreisen bei Südafrika als erstes (oder zweites oder drittes) an Pinotage denkt. Bei Neuseeland könnte das anders sein. Nach Schafen und Hobbits könnte dann nämlich schon Sauvignon Blanc kommen.

Die Rebsorte hat ihren Ursprung in Frankreich und wird unter anderem in Bordeaux und an der Loire und schon seit mindestens Anfang des 18. Jahrhunderts angebaut. In welchem der beiden französischen Gebiete die Sorte ihren Ursprung hat, ist nicht geklärt. Aber erst in Neuseeland erlangte sie weltweite Bedeutung und ihr unverwechselbarer Charakter kam voll zur Geltung. Magere, sandige Böden, frühe Lese und längerer Beerenkontakt erschufen den Wein, von dem man sagen kann: Den erkennt man in jeder Blindverkostung!

Sauvignon Blanc duftet eigentlich immer nach Stachelbeere und grasigen Aromen. Etwa beim Entre-Deux-Mers aus dem Bordeaux oder Sancerre von der Loire werden diese Noten allerdings eher zurückgehalten. Holzausbau und spätere Lese überdecken diese Charakteristik des Sauvignon Blanc, die in Neuseeland hervorgekitzelt und besonders betont wurde.

Außerdem hat wirklich guter Sauvignon Blanc, und von dem wollen wir reden, das Potenzial, seine Böden deutlich und schön zum Ausdruck zu bringen. Wie sehr diese Noten betont werden und wie stark der Wein einen zweiten aromatischen Schwerpunkt mit exotischen Früchten oder Aprikose setzt, ist im Wesentlichen von dem Lesezeitpunkt und der Kellerarbeit abhängig.

Seit dem Boom um Sauvignon Blanc aus Neuseeland hat die Rebsorte einen weltweiten Popularitätszuwachs erfahren, wie er beispiellos ist. Zwischen 2000 und 2010 ist die Rebfläche um 70 Prozent gewachsen und die Sorte liegt mittlerweile weltweit auf Platz zwei der Weißweinsorten hinter dem Chardonnay. In Deutschland liegt die Sorte auf Platz 16, die Fläche nimmt aber stetig zu. Das ist auch kein großes Wunder, gibt es doch klimatisch einige Ähnlichkeiten zu Neuseeland. So wurden umgekehrt den ersten Weinbauern unter den Kiwis deutsche Sorten ans Herz gelegt. Anfangs wurde in Neuseeland auch viel Müller-Thurgau angebaut. Heute alles ausgerissen und durch Sauvignon Blanc ersetzt. Und wer könnte es ihnen verdenken? Immerhin gilt Sauvignon Blanc aus Neuseeland als das Maß aller Dinge.

 

DREI FRAGEN ZUM SAUVIGNON BLANC

gestellt an Gesine Roll vom Weingut Weedenborn

WIE UND WO HABEN SIE SAUVIGNON BLANC KENNENGELERNT?

Ich befasse mich seit über 15 Jahren sehr intensiv mit dem Thema Sauvignon Blanc… diese Rebsorte fasziniert mich! Damals gab es kaum deutsche Sauvignons. Während meiner Winzerlehre arbeitete ich beim Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann- Jordan in Deidesheim, die auch schon sehr früh deutschen Sauvignon Blanc anbauten. Zudem verbrachte ich drei Monate während meiner Ausbildung auf dem Weingut Vergelegen in Südafrika, wo ich weitere Inspiration sammeln konnte. Große Vorbilder und die Inspiration für meinen heutigen Sauvignon Blanc-Stil fand ich allerdings in der Steiermark und in Frankreich und bin heute mit tollen Kollegen im Austausch.

WELCHER ART VON WEINTRINKER WÜRDEN SIE SAUVIGNON BLANC ANS HERZ LEGEN?

Das kommt ganz auf den Stil des Sauvignons an… Mein Sauvignon Blanc Gutswein ist tatsächlich ein „Everybody’s Darling“… vom „Weineinsteiger“ zum „anspruchsvollen Genießer“! Er hat eine tolle Frucht, eine schöne Mineralik und guten Zug, ist sehr unkompliziert, aber mit hohem handwerklichen Anspruch. Die Flasche ist schnell leer getrunken…

WAS SIND DIE POSITIVSTEN/NEGATIVSTEN EIGENSCHAFTEN DER REBSORTE?

Sauvignon Blanc transportiert wie Riesling seine Herkunft – geprägt durch Boden und Klima – ganz hervorragend. Ich schätze „große“ Sauvignon Blancs sehr! Aber auch die Alltagsweine dieser Rebsorte, weil sie den Zeitgeist treffen und gut zur sommerlichen Küche passen. Sauvignon Blanc ist eine Diva. Keine andere Rebsorte fordert von dem Winzer so viel Konsequenz, Handwerk und Fingerspitzengefühl… nicht mal der König aller – der Riesling. Entweder ist der Sauvignon Blanc zu grün oder zu reif, die berühmte „goldene Mitte“ zu treffen ist ein seltener Zufall oder erfordert viel Geschick. Warum funktioniert das? Während der Reife wird er von den „coolen“ Winden umgeben, die oben auf dem Berg rund um Monzernheim wehen… die Traube hat dadurch mehr Zeit zur Reife, hält ihre belebende Säure und bleibt vor allem gesund – „Cool Climate“ wird schmeckbar. Zudem habe ich mich dem Thema Sauvignon Blanc sehr gewidmet und mit den Jahren meinen Weg gefunden mit dieser „launischen“ Rebsorte umzugehen.

Unsere Empfehlung:

2017 Sauvignon Blanc - Weedenborn     9,90 €     (0,75l; 1l = 13,20 €)     im 11+1 Angebot*

 

*Angebot gültig bis zum 17.06.2018.