Return of the Mosel - Markus Molitor

“Mosel? Wen interessiert das schon”, bekomme ich von Fachhändlerkollegen öfter zu hören. Grauburgunder regiert die Welt, möglichst langweilig, möglichst fett, Ruländer eigentlich, der so nur nicht mehr genannt werden will. The dark side of wine. Grund genug in önologischen Kulturpessimismus zu verfallen?

Alles ist der Mode unterworfen, auch der Wein. Und das Wesen der Mode ist es, ungerecht zu sein. (Ok. Außer bei der Ächtung von Vokuhila und weißen Tennissocken vielleicht…) So kommt es, dass Winzer wie die Merkelbach-Brüder 50 Jahre lang gute Weine bereitet haben und niemand hat es interessiert. Aber das Wesen der Mode ist auch wandelbar und manchmal verlaufen ihre Strömungen im Verborgenen – wie die Lavaflüsse unter dem Ätna. Jetzt ist es zu einem kleinen aber intensiven Ausbruch gekommen, der uns zu denken geben sollte. Ganz beiläufig hat Stephan Reinhardt in Robert Parkers WineAdvocat einen Artikel veröffentlicht, eine Interimsbewertung und die widmet sich in epischer Breite mit mehr als 70 Weinen ausschließlich einem Winzer von der Mosel: Markus Molitor.

Jeder, der bei Molitor einmal im Verkostungsraum auf Haus Klosterberg gesessen hat, weiß, welche Mammutaufgabe es ist, hier einmal “ein wenig” zu verkosten. “Unter fünfzig Weinen kommt hier keiner raus”, hat uns Markus bei unserem ersten Besuch zugeworfen. Wir hielten das für einen Scherz. Mit so etwas scherzt er aber nicht. Am Ende ist die harte Arbeit so viele Weine konzentriert zu verkosten dann doch ein unendliches Vergnügen, denn so viel Vielfalt auf so engem Raum bekommt man nirgends sonst geboten. Die unglaubliche Menge ist sicher eine Besonderheit bei Molitor, aber die Vielfalt in der trotzdem eindeutigen Herkunft ein Alleinstellungsmerkmal der Mosel, das wir viel zu wenig schätzen.

Auch Stephen Reinhardt beschreibt, welch glückliche Arbeit das Verkosten der vielen Weine war und das Ergebnis in nackten Punkten sagt viel darüber aus, wie die Mosel international mittlerweile eingeschätzt wird. Bei 75 Weinen hat er dreimal 100 Punkte, viermal 99 und vierzehnmal 98 Punkte vergeben und das bei den eher als medioker angesehenen Jahrgängen 2013, 2014 und 2016. An der Mosel sind die schwierigen Jahrgänge gerne die besseren, was jeder nachvollziehen kann, der in den letzten Monaten mal eine Flasche vom damals eher geschmähten 04er aufgemacht hat.

Man kann über einzelne Punkte immer streiten, aber offensichtlich ist, dass hier eine großartige und weltweit einzigartige Kollektion auf dem Verkostungstisch stand. Es zeigt, dass man an der Mosel Weine auf Weltniveau macht und das nicht nur im fruchtigen und edelsüßen Bereich. Denn unter den einundzwanzig 98- bis 100-Punkte-Weinen sind vier trockenen Weine und sogar ein Pinot Noir. Überhaupt: die Rotweine. Sechs sind bewertet worden und die Bewertungen würden ein Burgunder-Weingut in den Zenit der Region schießen: 98, 97, 95, 94+, 94, 91+ und das zu Preisen, für die einem im Burgund der Winzer nicht einmal die Hand schüttelt.

Vielleicht ist es auch gar nicht schlecht, dass nicht so viele Leute den wahren Wert der Mosel erkennen, denn viele der Weine werden nur in sehr begrenzten Stückzahlen produziert. Aber die Mosel bietet noch viel Potential und hat auch jetzt schon eine unglaubliche Vielfalt und sensationelle Qualitäten zu bieten, nicht nur bei Molitor. Also Leute: Trinkt mehr Mosel, weiß, rot, trocken, fruchtig, whatever: Welcome to the light site of wine!

 

 2016 Riesling Alte Reben Weiße Kapsel    17,80 €    92+ Parker

Los geht es in unseren Empfehlungen direkt mit einem absoluten Best Buy, dem trockenen Riesling von den Weinbergen der Mittelmosel. Ein “kristalliner, klarer und eleganter Riesling”, schreibt Reinhardt. In der Tat ist er eine Art Essenz der trockenen Weine von Molitor. Glockenklare Mineralik paart sich mit prallen, reifen Fruchtaromen und pikanten Noten. Ein Wein, den man im besten Sinne “dynamisch” nennen kann und der eine große Zukunft haben wird. Entgegen aller schlechten Gewohnheit sollte man nämlich auch die trockenen Weine von der Mosel etwas reifen lassen. Nur 11,5% Alkohol. Am besten von 2020 bis 2030. (Es gibt auch noch ein paar Flaschen vom ähnlich gut bewerteten 15er bei uns im Keller.)

 

 2016 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese Weiße Kapsel    22,00 €    95 Parker

Vielleicht der eleganteste trockene Wein von Markus Molitor aus dem Jahrgang 2016. Stephen Reinhardt schwärmt geradezu: “Seidig, üppig und geradlinig auf dem Gaumen zeigt sich die sehr finessenreiche und elegante Spätlese mit stimulierender Eleganz und einer superfeinen tanninigen Struktur.” Mit seiner gestochenen, aber angenehm präzisen Säure wirkt er im Abgang fast salzig. Ein großer Wein der sehr lange leben wird.

11% Alkohol, 2022 bis 2042 - limitiert

 

 2016 Graacher Himmelreich Riesling Spätlese Grüne Kapsel    19,50 €    95 Parker

Feinherb, halbtrocken, das klingt nach "nichts Halbes und nichts Ganzes" und wird daher von einigen Weintrinkern mit Missachtung gestraft. Gut so, denn dann bleibt von dieser genialen, super eleganten, fast ewig haltbaren, einmalig aromatischen Spätlese mehr für uns übrig. Ein geradezu spektakulärer Wein. Ihn jetzt zu trinken ist fast ein Sakrileg, aber wie soll man sich nur zurückhalten. Wie schafft es ein Wein so viel Frucht und so viel Strenge des Schiefers, so viel üppig barocke Rieslingfreude und so viel klare, brillante Struktur zusammenzubringen? 

10,5%, jetzt bis 2060 - limitiert

 

 2014 Brauneberger Klostergarten** Pinot Noir    39,80 €     94+ Parker

Pinot Noir von der Mosel? Ja, auf jeden Fall! Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren fast 50% der Weinberge an der Mosel mit roten Reben bestockt. Markus Molitor zeigt uns jetzt, was an burgundischer Finesse in den Schiefersteillagen möglich ist. Gerade im eher kühlen Jahr 2014 zeigt der Klostergarten eine lebendige Frische und delikate Frucht, die ihresgleichen sucht. Perfekt reife Trauben ergeben einen fast seidig anmutenden Wein, der trotzdem sehr lebendig und jugendlich ungestüm wirkt. Der Wein trägt nicht zu unrecht die Bezeichnung Pinot Noir und nicht Spätburgunder. Ein puristisch klarer Tropfen so wie man es von einem großen Burgunder erwartet. Wird spannend ihn reifen zu sehen.

2020 bis 2032 - limitiert

 



 

Besonders limitierte und gefragte Weine halten wir exklusiv für unsere Club-Kunden bereit. Wie Sie bei uns Club-Kunde werden, sehen Sie hier.

 

 2016 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese*** Weiße Kapsel    78,00 €    98+ Parker

“Oh Gott, ist der spektakulär”, ist der Kommentar von WineAdvocat-Verkoster Stephan Reinhardt. Ja, das ist sie die Selektion aus einer gerade einmal einen Hektor großen Parzelle mit mehr als 100 Jahre alten Reben. Schiesswingert heißt die Gewanne, eine önophiler Volltreffer. Puristisch mit konzentrierter Frucht, klare Blauschiefernote, extrem reichhaltig und trotzdem klar und präzise. Vergoren in einem 1.150-Liter-Eichenständer und ausgebaut in einigen Mercurey Barrique bringt der Wein eine dezente Tanninstruktur mit, die ihm ein langes Leben verleihen wird. Ein echter Grand Cru Charakter - also bringt etwas Geduld mit!

11,5% Alkohol, 2024? bis 2040 vielleicht auch deutlich länger - limitiert

 

 2016 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese** Weiße Kapsel    38,00 €     98 Parker 

Markus Molitor gehört zu den wenigen Winzern, die es schaffen, beim Ausbau ihrer Rieslinge filigran mit Holzeinsatz zu spielen. So wurde bei der Auslese** unter anderem ein großes neues Eichenfass von Stockinger verwendet. Was bei manchen anderen Mosel-Rieslingen schnell kitschig und ausgesetzt wirkt, gibt den Molitor-Weinen mehr Substanz und wirkt schon in der Jugend erstaunlich gut integriert. Die klare, mineralische Rieslingfrucht leidet unter dem Holz kein Stück, ja sie wirkt wie hier sogar noch etwas akzentuierter. Sehr elegant, superkomplex, mit rauchiger Mineralität. Macht jetzt schon erstaunlich viel Spaß, wird aber noch deutlich zulegen.

11,5% Alkohol, jetzt bis 2040 oder länger - limitiert

 

 2016 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese*** Goldene Kapsel     78,00 €     98+ Parker

Sehr konzentrierte Auslese mit deutlicher Botrytis-Note. Cremig mit tropischen Früchten und super integrierter Säure. Ein Wein mit einem langen Leben, aber so viel Charme, dass man ihm seine Jugend gar nicht übel nehmen kann. Ein großer Klassiker von der Mosel.

7,5% Alkohol, jetzt bis 2055 - limitiert

 

 2014 Graacher Himmelreich*** Pinot Noir     95,00 €     97 Parker

"A beauty filled in bottles", schreibt WineAdvocat-Verkoster Stephan Reinhardt. Eine jugendliche Schönheit möchte man ergänzen und dazu eine, die – typisch für Pinot vom Schieferboden – mit ihrer Schönheit nicht geizt. Generöse Frucht, die extrem balanciert daherkommt, Anklänge an Kräuter (Thymian, Koriander?), ein Hauch Exotik, Nougat und dabei unglaublich süffige Frucht. Im Abgang fast endlos und gleichzeitig super delikat. Für Molitor-Verhältnisse wird der Wein schon sehr früh zugänglich sein aber wahrscheinlich reifen wie ein ganz großer Burgunder.  

limitiert