Neue Rebsorte exklusiv beim VDP

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Die erste Ernte: VDP-Rot

VDP Rebe im Versuchsanbau

Steffen Christmann freut sich auf große Weine

Steffen Christmann, der Präsident der Vereinigung der besten Weingüter Deutschlands ist immer für eine Überraschung gut. Auf einer sehr exklusiven Verkostung präsentierte er gestern Abend eine neue sensationelle Rebzüchtung, die von nun an ausschließlich bei Weingütern des Vereins deutscher Prädikatsweingüter zu finden sein wird. “Zehn Jahre Arbeit stecken darin”, berichtete er, “aber wenn man das Ergebnis verkostet, dann hat sich jeder Tag gelohnt.” Auf dem Winemaker’s Dinner, das bis kurz vorher geheim gehalten wurde, stellen fünf VDP-Winzer jeweils einen Wein aus der neuen Rebsorte vor. Was es da gab war in jeder Hinsicht sensationell, revolutionär und nebenbei noch ein großartiger Marketingcoup für den Verein, der sich damit auch international mehr Geltung verschaffen dürfte.

“Wir konnten vor circa zehn Jahren einen Reben-Spezialisten bei Monsanto abwerben”, erzählte Christmann schmunzelnd, “der Schöpfer der neuen Sorte, Prof. Dr. Solneman, ist zum Glück ein großer Freund deutscher Weine und so konnten wir ihn zu einem guten Teil in Naturalien bezahlen, sonst wäre das Projekt gar nicht finanzierbar gewesen.” In Zusammenarbeit mit der weltbekannten Koryphäe der Rebzüchtung wurden die Rebsorten Veltliner, Dornfelder und Petit Manseng miteinander vermählt. “Wir wollten etwas absolut einzigartiges, und Prof. Solneman hat das Erbgut verschiedener Reben miteinander verglichen und festgestellt, dass diese drei sich perfekt ergänzen”, so Christmann, “Zufällig ergeben die Anfangsbuchstaben der drei Reben auch noch das Kürzel unseres Verbandes, weshalb wir sie jetzt mit Fug und Recht VDP-Rebe nennen können.” Aber es gibt noch mehr Überraschungen. Die Rebe bringt nämlich erstaunlich schnell qualitativ hochwertige Weine.

Die ersten Pflanzen konnten die Weingüter vor fünf Jahren setzen und schon jetzt ergibt das Weine, die von den anwesenden Winzern als die neue Spitze der Qualitätspyramide gepriesen wurden. Am erstaunlichsten ist aber, dass man aus der Rebe sowohl Weiß- als auch Rotweine gewinnen kann. Wilhelm Weil, der ein weißes GGG (Ganz Großes Gewächs) aus dem Gräfenberg präsentierte, erklärte die Besonderheit der Rebe. “Professor Solneman konnte das Erbgut der Rebe beim Klonen so verändern, dass die Rebe nur Farb- und Gerbstoffe produziert wenn man den Boden vor Beginn der Wachstumsperiode mit einer bestimmten Mineralstoffmischung düngt. Das funktioniert wie ein biologischer Schalter.” Steffen Brahner von Dr. Bürklin-Wolf ergänzte, das Präparat sei natürlich biodynamisch und werde nur bei Vollmond angerührt, “und wir benötigen nicht einmal Kuhhörner dazu. Es ist also auch noch hundert prozent vegan.”

Rainer Schnaittmann aus Fellbach bei Stuttgart, der ein VDP-Rebe / Trollinger Cuvée als Fassprobe aus dem zehnmal gebrauchten Barrique präsentierte, hob die praktische Seite hervor. “Wir können jetzt in einem Jahr aus dem Weinberg einen Weißwein und im anderen einen Roten machen und das mit äußerst hohen Erträgen. Das ist praktisch gedacht und vor allem spart es viel Geld. Außerdem treibt die Rebe weniger aus als die meisten anderen Reben, das heißt weniger Rebschnitt, weniger Laub, da ist die Kehrwoche im Wingert schneller beendet.” Erstaunlich war auch die Wehlener Sonnenuhr Weißherbst Auslese Feinherb Goldkapsel von J.J. Prüm, die zum Käse serviert wurde. “Wir haben den Dornfelder dort vor ein paar Jahren heimlich durch die VDP-Rebe ersetzt”, berichtet Katharina Prüm. “Eigentlich wollten wir ja einen Weisswein machen, aber wir mussten feststellen dass der Schieferboden dort so viel der farbauslösenden Mineralien enthält, dass der Wein einen deutlichen Roséschimmer bekommen hat. Aber er ist natürlich großartig.” Prüm und Weil, die beide bisher absolute Rieslingspezialisten waren, kündigten an, in den nächsten zehn Jahren bis zu 50 Prozent ihrer Rebfläche auf die VDP-Rebe umstellen zu wollen. “Das kommt ja auch dem Rosétrend sehr entgegen”, meinte Katharina Prüm. Die großartige Verkostung wurde kulinarisch von mehreren Sterneköchen begleitet und die berühmte österreichische Glasmanufaktur Riedel stellte eine neue Glasserie speziell für die VDP-Rebe vor, “mit der wir die Komplexität und Vielfalt der Rebsorte auf das Beste unterstützen”, ließ sich der Designer der sehr stark an Kölschgläser erinnernden Kristallkunstwerke vernehmen.

Das Lob der eingeladenen Spitzen der Verkosterzunft war einhellig. “Herrlich”, meinte Hendrik Thoma, “ganz dezent und durch alle Weine zieht sich diese tolle Sortentypizität.” Joel Payne konstatierte eine unnachahmliche Geradlinigkeit der angebotenen Weine, “sie sind im Grunde ganz einfach gestrickt und doch einmalig.” “Und dabei sind sie alle so wunderbar, äh...”, suchte Master of Wine Caro Maurer begeistert nach dem richtigen Wort, “also… neutral.”

Bedauerlicherweise konnte der Schöpfer der VDP-Rebe Prof. Dr. Solneman nicht persönlich anwesend sein. Fritz Keller aus dem Kaiserstuhl sprach trotzdem eine Laudatio auf den Wissenschaftler und bezeichnete ihn als Messi und Ronaldo in einer Person, “den hätt ich gern in Freiburg im Team.” Er lüftete auch das Geheimnis, warum der Professor nicht anwesend sein konnte, “die Abhängigkeit der Farbproduktion von der Düngung ist ihm viel zu unsicher. Er tüftelt gerade an einem Schalter, den man unten an der Rebe anbringen kann, um ganz einfach von Weiß auf Rot umzustellen.”