Château Cheval Blanc zu Gast im Weinkeller

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So eine Verkostung hat man selbst in der verwöhnten Schatzkammer des Kölner Weinkellers nicht alle Tage, vor allem nicht an einem Montagabend. Arnaud de Lafocade und Olivier Clouet, ihres Zeichens Direktor und Betriebsleiter des berühmten Saint-Emillion Château, waren bei uns zu Gast und hatten natürlich direkt einige Weine mitgebracht, die sie einer kleinen Kundenrunde präsentieren wollten.


Los ging es mit einem ganz neuen Wein. Erst im zweiten Jahrgang wird der Petit Cheval blanc bereitet. „Wir nennen ihn Petit Cheval white”, meinte Arnaud lächelnd, „um Missverständnissen vorzubeugen. Schließlich gibt es Weißwein bei uns erst seit zwei Jahren.” Auf einer Fläche die man vor einigen Jahren dazu gekauft hat und die sich für einen großen Rotwein nicht so gut eignet hat man Sauvignon blanc und etwas Semillon angepflanzt. „Es ist ein einfacher Bordeaux AOC, da es im Saint Emillion ja keine Appellation für Weißweine gibt”, erzählt Olivier, „aber für einen kleinen Bordeaux finden wir ihn auch im zweiten Jahr schon recht ansprechend. Mal sehen was daraus noch wird.” Zum Weingut gehört mittlerweile auch Château Quinault-L´Enclos. „Die waren immer für sehr mächtige, konzentrierte Weine bekannt. Wir vertreten dagegen eher den klassischeren, filigraneren Stil, das wollten wir natürlich auch hier einbringen”, erklärt der Kellermeister, “2011 ist der erste Jahrgang in dem wir für alles verantwortlich waren.” Man glaubt ihm das sofort, der etwas reifere Jahrgang hat eine erstaunliche Säure und regelrecht Biss, aber auch eine gute Reife. Erstaunlich verschlossen zeigte sich dann der 11er Petit Cheval. 


Jetzt ging es richtig los. Ein Flight mit 2014, 2011 und 2009 Cheval Blanc, zeigte die unterschiedlichen Charaktere der Jahrgänge aber auch die starke Persönlichkeit des Châteaus, die immer im Vordergrund stand. 2014 noch sehr jung, mit großer Finesse und Eleganz. Ein Jahrgang, den man gar nicht so im Blick hat und doch ist es ein klassischer, der seine Stärke erst in zehn bis zwanzig Jahren offenbaren wird. 2011 sorgte dann für das erste Raunen in der Schatzkammer, der Jahrgang scheint sich recht schnell zu entwickeln und zeigt schon jetzt sehr feine Reifenoten mit Tabak, Trüffeln und Zedernholz. Ein Cheval für die nächsten zehn Jahre. 2009! Beeindruckend. Voll, generös, hedonistisch ohne Ende, dabei trotzdem eine perfekt balancierte Frische. Zeigt, dass ein wirklich großer Weine auch ohne Ende Trinkfreude versprüht. Ein Wein, den man Eimerweise hätte trinken können. „Den schenken wir im Moment im Château aus wenn wir Gäste haben”, meint Arnaud. Da sollten wir unbedingt mal hinfahren. 


2006. Da hatten wir nicht so viel erwartet. Aber für einige am langen Tisch war er der Wein der Probe. Vielleicht genau deshalb. Er zeigte schon eine schöne Reife, war aber noch frisch und zupackend. Ein Cheval Blanc, der in einigen Jahren vielleicht zu den ganz großen zählen wird, weil er typisch für das Weingut eine unvergleichlich feine Eleganz zeigt. Größe im Schatten des berühmten 05er Jahrgangs. Dann kam der 85er. Hier zeigte sich dann die Essenz des Bordeaux. Schon recht hell in der Farbe, trotzdem enorme Frische. Einzigartig vielschichtig, rund, sanft und zupackend zugleich, mit packender Ätherik. Ein Wein, mit dem man einen Abend auf dem Sofa in Begleitung einiger Baudelaire Gedichte verbringen möchte. Dabei konnte man das Glas gar nicht mehr loslassen. Der krönende Abschluss eines einzigartigen Abend. Danach ging nur noch ein Kölsch.


PS. Das Weingut hatte zur Verkostung eingeladen. Aber wir hatten uns gedacht, wenn uns so viel Gutes beschert wird, wollen wir andere die nicht die Möglichkeit haben wenigstens bedenken. Also haben wir den Verkostungsbeitrag für ein Internatsprojekt (www.dogon-internat-bandiagara.de) in Mali gespendet. So sind rund 1.000 € zusammen gekommen, worüber wir uns sehr freuen!