Schreckbichl / Colterenzio - Viele Freunde müsst ihr sein

unter Weinbrevier

„Im Durchschnitt haben unsere Mitglieder etwas weniger als ein Hektar Weinberge“, erzählt uns Alex Ferrigato, Verkaufsleiter bei Schreckbichl, „und damit ist auch der durchschnittliche Weinbergsbesitz in ganz Südtirol gut abgebildet.“ Ein Hektar, das ist nahe am Nichts und es lohnt sich natürlich nicht, daraus selber Wein zu machen. „Das ist die Folge der Realteilung“, erklärt er, „bei uns wurden die Parzellen immer unter den Erben gleichmäßig aufgeteilt und es gilt immer noch bei vielen Südtirolern: Land verkauft man nicht und erst recht nicht außerhalb der Familie.“ Wir fahren zu Peter, von dessen Hof aus man tief ins gerade leider wolkenverhangene Etschtal bis Meran sieht. Rechts blickt man direkt auf Schloss Sigmundskron, zu dessen Füßen Bozen liegt. Peter bewirtschaftet acht Hektar, hauptsächlich Chardonnay und Lagrein. „Großwinzer,“ scherzt er, „aber ich bin einer der wenigen in der Genossenschaft, der alleine vom Weinbau lebt.“ Auf seinem etwas abseits gelegenen Hof gibt es keine Gästezimmer, kein Agrotourismus. „Für mich ist der Vorteil, dass ich mich ganz auf den Weinbau konzentrieren kann, auf die Trauben“, erzählt er, „und auch da bekommen wir reichlich Unterstützung.“ „Es wäre natürlich einfach nur die Trauben zu liefern und dann pressen zu lassen, und wahrscheinlich stellen sich so auch viele Leute das Arbeiten in der Genossenschaft vor,“ klinkt sich Kellermeister Martin Lemayr in das Gespräch ein, „aber gerade bei den kleineren Weinbauern müssen wir auch immer wieder schulen und im Weinberg Ratschläge erteilen. Wie kann ich auf Herbizide verzichten, was muss ich tun wenn die Witterung sich widerspenstig zeigt? Wir kennen immer die neusten Ideen und können auch die Erfahrungen der Weinbauern untereinander besser koordinieren, als die 300 es einzeln könnten.“ 300 Mitglieder hat Schreckbichl mittlerweile, angefangen hat alles mit 28. „Die kamen fast alle aus dem Ortsteil Schreckbichl bei Girlan und waren zuvor in anderen Genossenschaften“, erzählt uns Alex, „1960 war die Unzufriedenheit im Weinbau hier sehr groß …“ In der Tat, 80 % der Rebfläche, so sagt man, war bis in die 80er Jahre noch mit Vernatsch bepflanzt, den irgendwann niemand mehr haben wollte. Die 28 Weinbauern wollten schon damals etwas anders machen und sich von den Massenweinen, die die Genossenschaften Großteils ausmachten, absetzen. Von den günstigen Weinen, das war klar, konnten sie auf Dauer nicht leben. Richtig Fahrt in die Sache kam Anfang der 80er Jahre, als Luis Raifer die Leitung der Genossenschaft übernahm. „Er und Alois Lageder waren die ersten, die das Potential von Chardonnay und Sauvignon blanc hier in der Region erkannten“, erzählt Alex, „das war damals noch echte Pionierarbeit. Als Luis das den Leuten vorschlug haben ihn einige vom Hof gejagt.“ Aber für den Vernatsch gab es immer weniger Geld. Rotweine hatten dunkel, kraftvoll und samtig zu sein, und der Vernatsch mit hohen Erträgen geerntet ist so ziemlich das Gegenteil davon. Als immer mehr Leute die modernen und sauber gemachten Weißweine von Schreckbichl haben wollten, kamen auch immer mehr Winzer, die in die Genossenschaft aufgenommen werden wollten.

Wir fahren zum nächsten Genossen, es geht durch den Ort Girlan. „Das hier heißt im Volksmund die Goldgasse“, erzählt Alex, „da haben die großen Weinhändler gewohnt. Die haben sich gegenseitig nicht wehgetan und die Bauern möglichst in Armut gehalten.“ So etwas würde man heute ein Kartell nennen, und es war ein Verdienst der Genossenschaften das Anfang des 20. Jahrhunderts langsam aufzubrechen. „Die Leute denken immer Genossenschaft, das sei so etwas wie eine Kolchose“, meint Max Niedermeyer, den wir auf Schwarzhaus, einem Hof zwischen Eppan und dem Wald von Montiggl treffen, „aber wir Bauern sind auch gleichzeitig die Eigentümer unserer Genossenschaft, da ist selbstverständlich auch jeder daran interessiert, dass wir unsere Weine möglichst gut verkaufen.“ Max ist Obmann in der Genossenschaft und damit kanalisiert er sozusagen die Wünsche der 300 Weinbauern. „Sicher nicht immer ganz einfach“, sticheln wir etwas. Er lacht. „Kommt, lasst uns Knödel essen gehen. Ein Kollege aus der Genossenschaft hat was für uns gekocht, er liebt das Kochen, und wenn Gäste da sind dann muss er seine Tiroler Küche zeigen.“ Es gibt die klassische Trilogie: Speckknödel, Kasknödel und Spinatknödel. Wir merken: Hausgemacht sind sie natürlich immer noch am besten, und wenn man sie vor dem Hof mitten in den Weinbergen essen darf, kommt da noch einmal ein Stern drauf. „Ich hab jetzt alles auf biologischen Anbau umgestellt“, erzählt er. Bio-Anbau in der Genossenschaft? Wir sind etwas erstaunt. „Immer mehr der Kollegen stellen um“, meint Martin, „wir unterstützen sie auch darin.“ Vielleicht demnächst eine Bio-Linie bei Schreckbichl? Alex winkt vorsichtig ab, „Wir machen zur Zeit ungefähr 35 Weine. Wenn ich da jetzt noch eine Bio-Linie draufsetze, dann wird es noch unübersichtlicher. Aber vielleicht können wir den ein oder anderen Wein, den es schon gibt, irgendwann mal auf Bio umstellen.“ „Das steht auch vertrieblich gar nicht so im Vordergrund“, erklärt Martin, „aber immer mehr unserer Leute wollen das von sich aus. Die meisten praktizieren es auch schon und jetzt kommen die ersten und lassen sich zertifizieren.“ „Aber, das macht für jemanden mit 0,5 Hektar im Nebenerwerb gar keinen Sinn,“ meint Max, „der könnte das zwar machen, aber den ganzen Zertifizierungsprozess mit den Kosten für die paar Rebstöcke …“ Bei Max kam dazu, dass sein Hof direkt am Rande des Landschaftsschutzgebietes Montiggler Seen liegt, und er nebenbei noch ein wenig Obstbau und Landwirtschaft für den Eigenbedarf betreibt. „Da passte das Gesamtkonzept und wir haben auch noch drei Ferienwohnungen, da freuen sich die Gäste, wenn sie morgens ein Bio-Ei aus dem Garten bekommen.“ Wie zum Beweis spaziert ein stolzer Hahn über den Hof und macht durch lautes Gekrähe auf sich aufmerksam. „Der heißt wie du“, ruft Max dem Peter zu, „aber alle nennen ihn nur Ronaldo.“ Man sieht sofort warum, er stolziert schon ziemlich hochnäsig herum, und als die Katze kommt und ihn verjagt, beschwert er sich beleidigt über so viel Ungerechtigkeit.

Nach den Knödeln fahren wir zurück ins Weingut, das Alex uns zeigen will. Keller, Traubenannahme, Presse, Lager, alles ziemlich großzügig. „Wie viele Flaschen macht ihr denn?“, fragen wir. „Och, deutlich weniger als es aussieht … Die Kellerei ist eigentlich völlig überdimensioniert, aber das ist ein echter Luxus für uns, der uns das Arbeiten im Herbst sehr erleichtert und den wir lieber in Qualität ummünzen.“ Stimmt, welche Kellerei kann schon auf sechs feinste Bucher-Pressen zurückgreifen. „Streit und Stau an der Presse gibt es bei uns nicht“, konstatiert Alex. Ah, vielleicht schmecken die Weine daher auch so entspannt. Auch draußen signalisiert das Weingut, das Tradition und Technik durchaus vereinbar sind. „Wir hatten bei der Renovierung überlegt ob man das im alten Stil macht, aber das wäre nur vorgetäuscht …“ Also gibt es eine moderne, ziemlich urban aussehende Gitterstruktur, aber als Kontrast dazu auch viel Holz, das aussieht wie von den Fassdauben im Keller. „Außerdem haben wir auf dem Dach noch Solarpanele“, und dann zeigt er uns stolz den Raum mit den großen Wärmepumpen. „Mindestens 50 % der Energie, die wir verbrauchen, können wir selber erzeugen. Ist doch was.“ Wir fragen nach dem Etikett, das die Schreckbichl Weine so unverwechselbar macht. „Der Turm, der stammt auch aus den 80er Jahren und ist bis heute nicht unmodern geworden. Damals haben wohl viele geschimpft, da hatten Etiketten noch … na ja, schwülstig zu sein. Aber wir haben hier in einem kleinen Umkreis 160 Schlösser und Ansitze und fast jeder davon hat einen Turm, also haben wir ihn zum Wahrzeichen von Schreckbichl gemacht.“ Wir verkosten einige Weine, die einfachen. Wie immer blitzsauber und fein. Den Lafóa, ein Wein dem wir ein ordentliches Lagerpotential konstatieren, und einige andere. „Lafóa, ist das eigentlich ein spezieller Weinberg?“ „Wir haben 300 Winzer mit zumeist sehr kleinen, verteilt liegenden Parzellen. Da die besonderen Weinberge oder das, was man jetzt in Südtirol als Vigna klassifizieren darf, herauszupicken und dann besondere Weine daraus zu machen, ist schwierig. Die Genossenschaften hier verarbeiten die besten Trauben zu den Premium Weinen, das können wir für unsere Mitglieder nachvollziehbar darstellen.“ So hat der Vorteil der Genossenschaften auch den Nachteil, dass es schwerer ist, Einzellagen und sehr individuelle Weine zu machen. „Das unsere Top-Weine auch was können, zeige ich euch aber gerne“, sagt Alex, und man merkt ihm die Vorfreude auf das an, was jetzt kommt. Wir probieren einen Sauvignon blanc, gereift wie man ihn kaum noch findet und von einer Qualität, die man selbst im Bordeaux suchen und teuer bezahlen muss. 1994 Lafóa Sauvignon Blanc steht drauf. Wow! Dann wird es noch etwas älter. Cabernet Sauvignon Lafóa. „Das war einer der ersten Jahrgänge, da waren die Reben noch sehr jung, das muss man auch bedenken“, sagt Alex, aber er muss den Wein gar nicht verteidigen. Fast dreißig Jahre hat er auf dem Buckel und schmeckt so wie ein guter, gereifter Cabernet schmecken sollte. Sagen wir ein sehr guter, und wir wissen, dass es viele uns bekannte sehr gute gibt, die nach dieser Zeit nicht so gut dastünden. Wir sind beeindruckt!

UNSERE WEINTIPPS

2016 CHARDONNAY ALTKIRCH
Sehr ansprechender Duft nach gelbem Steinobst und süßen Gewürzen. Melisse und Zitronenthymian. Saftiger Geschmack mit mildem Charakter. Herrlich ausgewogen und delikat mit anregender Gerbstoffherbe. Ein ausgesprochen vielseitiger Charakter mit toller Reife. 7 – 10 °C 

 8,80 €   (0,75l; 1l = 11,73 €)

 

2016 SAUVIGNON PRAIL
Der 2016er begrüßt im Duft mit sortentypisch fruchtigen Aromen von Stachelbeeren, Grapefruit, Passionsfrucht und elegant-würziger Feuersteinnote. Opulent am Gaumen und zugleich mit perfekt austarierter Frischeader. Animierend und fein. Ein anspruchsvoller Wein, der zugleich ungemein süffig ist. Das ist perfekt in Szene gesetztes Sauvignon-Vergnügen. Vielschichtig, saftig und mehr als gelungen. 7 – 9 °C 

 statt 12,90 € nur 11,50 €   (0,75l; 1l = 17,20 €) 

 

2015 SAUVIGNON „LAFÓA“
Für diesen opulente Sauvignon Blanc werden nur die besten Trauben vinifiziert und je zur Hälfte im Edelstahl und im Barrique ausgebaut. Das sorgt für große Harmonie zwischen Frische und Schmelz. Im fantastischen Jahrgang 2015 ist so ein kraftvoller Wein entstanden, der sich zu den besten seiner Gattung  überhaupt gesellt und Assoziationen an große Weiße von der Loire hervorbringt. Ein Burgunderglassollte man ihm nach dem kurzen Dekantieren in jedem Fall zur Verfügung stellen, damit er seine ganze Größe und Vielfalt zeigen kann. Bei aller Fülle und tiefsinniger Würze, bleibt er immer präzise und geradezu filigran in seiner fein abgestimmten Gerbstofffrische, die delikat anregend nachhallt und Lust auf den nächsten Schluck macht. 10 – 12 °C 

 24,90 €   (0,75l; 1l = 33,20 €)

 

 

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