Romano Dal Forno - Wein in anderen Dimensionen

unter Weinbrevier

Am Tag nach unserem Besuch bei Speri fahren wir vom Valpolicella Classico ins ‚normale‘ Valpolicella, von den Tälern nordwestlich von Verona in die Täler nordöstlich von Verona. „Ihr fahrt zu dal Forno?“ hatte Luca uns gestern gefragt, „Wow! Vergesst alles, was ihr bisher über Weingüter dachtet und wusstet. Das ist ziemlich einmalig.“ So wie seine Weine. Es fällt einem schwer sie einfach als Valpolicella oder Amarone zu bezeichnen. „Dal Forno ist dal Forno“ hatte Luca anerkennend gesagt. Nach diesem Besuch wissen wir auch ein Stück weit warum. An der Strada Provinciale 10, die 20 Kilometer weiter ziemlich plötzlich in einen Feldweg übergeht um dann bald als schwindelerregend-alpiner Trampelpfad auf den 2.300 Meter hohen Cima Carega zu gelangen, liegen im Tal viele langweilige Zweckbauten. Man fährt an der hellen Mauer mit den kleinen Kapitälchen fast vorbei, aber an der Einfahrt steht in geschwungenen Buchstaben ‚dal Forno‘. Das schwere, schmiedeeiserne Tor öffnet sich erst nach kurzer Rücksprache, und dann steht man vor einem großen, dreiflügeligen Gebäude, das eher aussieht wie der Landsitz eines bedeutenden Adeligen, als wie ein Boutique-Weingut mit sehr beschränkter Produktion. Wir treffen Michele, den Sohn von Romano dal Forno, der uns erst einmal freundlich zu einem starken Kaffee einlädt.

„Ein Teil unserer Weinberge befindet sich direkt hinter dem Haus“, erzählt Michele, „die können wir uns gleich mal anschauen.“ Hier gibt es keine Pergola, eher eine sehr niedrige Drahtrahmenerziehung, ähnlich wie im Burgund, dazu noch mit einer sehr hohen Pflanzdichte. „Als mein Vater anfing Amarone zu machen hat er das Produkt und die Art, wie man es macht, nicht in Frage gestellt, aber jeden einzelnen Schritt der dahin führt und der Anfang sind natürlich die Reben“, sagt Michele. „Das Ziel war ganz klar nicht Ertrag sondern Konzentration und Finesse zusammenzubringen. Er hat sich also umgeschaut und auf der einen Seite war das Burgundersystem, das was seinen Vorstellungen am nächsten kam, auf der anderen Seite haben wir natürlich mehr Sonne und das Zubereitungsverfahren benötigt spezielle Trauben. Also hat er kontinuierlich die Weinberge umgestellt und sehr dicht gepflanzt, denn so machen sich die Reben gegenseitig Konkurrenz und spenden sich gleichzeitig auch etwas Schatten.“ Warum keine Pergola, fragen wir Luca. „Wir sind der Meinung, die Pergola wurde ursprünglich für höhere Erträge entwickelt. Was nicht heißt, dass man damit nicht auch gute, sogar sehr gute Weine machen kann. Aber im Endeffekt kommen wir bei unserer Produktionsweise auf vielleicht ein Glas Wein pro Rebstock, d.h. wir benötigen mehr als sieben Rebstöcke für eine Flasche. Wahrscheinlich müssen wir daher auch die Reben etwas anders anbauen als viele andere in der Region. Das geht mit der Pergola nicht.“ Wir rechnen nach, Pflanzdichte, Rebfläche, Flaschenproduktion und kommen darauf, dass er freundliche Michele eher bescheiden untertrieben hat. Es sind deutlich mehr als sieben Rebstöcke für eine Flasche Wein, unglaublich.

Jetzt öffnet er ein herrschaftlich großes Tor im Südflügel, dahinter verbirgt sich die Kellerei oder besser sollten wir sagen eine Kathedrale zur Weinbereitung. Eine Batterie an verschieden großen Edelstahltanks steht hier, wie wir sie noch nie gesehen haben. Nicht wegen der Größe, die ist eher überschaubar, aber die Form, die speziell geriffelten Wände, alle stehen unter einer Art Schwebebahn, an der seltsame Geräte hängen und alles ist klinisch sauber wie in einem Operationssaal. Michele geht zu einer großen Schalttafel. „Das ist das Herzstück“, und er bedient einen Touchscreen, „wir haben das alles zusammen mit Partnern entwickelt. Die Tanks, die Technik Drumherum und auch die Software.“ Die Tanks und alles Drumherum sind so konstruiert, dass der erste Teil der Produktion vollständig unter Sauerstoffabschluss stattfinden kann. „Wo wir kein Vakuum herstellen können benutzen wir Stickstoff, um den Most und den jungen Wein vor Oxidation zu schützen.“ Stickstoff, das ist klar, der bildet sich von alleine und viele Winzer schützen den Wein mit einer zusätzlichen Gabe, aber Vakuum? Wir sind erstaunt. Und was soll die Schwebebahn da oben? „Seht ihr die kleinen Wagen mit den Schläuchen dran? Das sind spezielle Hochdruckreiniger die können wir über den Tanks in Position fahren, um dann die Behälter auf Knopfdruck mit heißem Wasser keimfrei zu säubern. Extreme Sauberkeit ist wichtig, wenn man den Wein perfekt machen will.“ Dann dürfen wir noch einen Blick in die Behälter werfen. „Es gibt viele Theorien darüber, wie man beim Rotwein die Traubenschalen immer wieder unter den Most bringt, um eine möglichst gleichmäßige und sanfte Extraktion zu fördern. Wir haben diese Tanks konstruiert mit vier Stempeln drin, die wir einzeln steuern können und die so den Tresterhut perfekt unterstoßen.“ „Seid ihr nun Winzer oder Ingenieure?“, rutscht es mir raus. Michele lächelt freundlich, „Wir sind eine erfinderische Familie. Aber wenn wir die Weine keltern, dann sind nur mein Vater, mein Bruder und ich im Keller und wir wollen, dass die Arbeit einerseits möglichst reibungslos und sauber vonstattengeht und andererseits perfekt abgestimmt ist auf das, was wir über den Wein wissen. Die Technik ist dabei sozusagen unser verlängerter Arm und setzt nur unser Wissen perfekt und einfach um.“ So etwas Ähnliches haben wir schon öfter von Winzern gehört, mehr als Entschuldigung, aber hier geht man ganz offen damit um und versteht Technik einfach als Erfüllungsgehilfe. „Wir verändern ja nichts am traditionellen Prozess,“ erzählt uns Luca, als wir im anderen Flügel über eine große Steintreppe in den Trocknungsraum gehen, „wir präzisieren ihn nur und der Einsatz der Technik bringt uns auch dazu ihn zu objektivieren, sonst würden unsere Programme nicht funktionieren. So können wir dann eigentlich so puristisch wie möglich Wein erzeugen.“ Trocknungsraum, welche Untertreibung. Ein Trocknungspalast. Ein spiegelnder Steinboden, Säulen an den Wänden, eine hohe Holzdecke, große Fenster und wie eine Armee aufgestellte Ventilatoren, die wieder in einer Art Schwebebahn hängen. Luca zeigt uns die Kästen. „Das Wichtigste ist, dass nur absolut gesundes Lesegut reinkommt. Deshalb werden alle Trauben, die bei uns in den Trocknungsraum kommen, vorher zweimal selektiert. Da verlieren wir schon 15 bis 25 % der Ernte. Wir stellen die Kästen dann so auf, dass wir jeden kontrollieren können, und dann kommt wieder der Computer zum Einsatz. Die Ventilatoren erzeugen, wenn nötig, einen ganz sanften Luftzug und fahren dabei langsam durch die Reihen, die Fenster öffnen und schließen sich je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Wir fügen nichts hinzu oder nehmen etwas weg, aber was die Natur uns gibt wird halt so perfekt wie möglich behandelt. Da hilft sozusagen das Computerprogramm unsere Erfahrungen umzusetzen und wir müssen nachts nicht aufstehen um die Fenster zu schließen nur weil es etwas regnet.“ Man merkt ihm die Freude über das perfekte ineinandergreifen von Winzerwillen und Technik bei seinen Worten an. Kaum vorzustellen, dass es bei Romano und Michele selbst während der Ernte hektisch und laut zugeht, so viel Ruhe und Überlegtheit strahlt das alles aus. Auf der anderen Seite des Gebäudes gehen wir dann in den Keller, wahrscheinlich noch ein paar Meter tiefer als der Kölner Weinkeller und vielleicht genauso groß. Luca zeigt auf einen Gang mit vielleicht 120 bis 150 Barriquefässern. Hier liegt der gesamte Jahrgang 2015. Wir rechnen nach, 300 Flaschen pro Fass, das machen andere Weingüter nur von ihrem sogenannten Spitzenwein. „Bei uns kommen alle Weine zu 100 % in neue Fässer, wir finden das brauchen sie. Manch einer hat uns deshalb schon als Modernisten beschimpft, aber ich glaube die Weine sprechen für sich. Bei uns gibt es allerdings auch keine Fassproben, denn wenn man die Weine zu jung trinkt, dann steht natürlich das Holz noch im Vordergrund. Sie brauchen halt etwas Zeit …“ Im Moment ist gerade der 2011er im Verkauf und natürlich ist auch der noch sehr, sehr jung. Wir gehen hoch und dürfen noch die Weine verkosten, was eigentlich auch relativ schnell geht, denn es gibt nur drei Weine bei dal Forno. Den Valpolicella Classico, den Amarone und den Vigna Seré, bei dem Romano nach einem Streit mit dem Konsortium darauf verzichtet hat Recioto auf das Etikett zu schreiben. „Wahrscheinlich würden wir das auch wieder machen, aber wir haben von diesem Wein bisher nur vier Jahrgänge gemacht, 1988, 1997, 2003 und 2004. Bei den ersten beiden stand noch Recioto drauf, bei 2003 und 04 haben wir darauf verzichtet. Dabei ist der Wein eigentlich der Anfang von Allem. Schließlich ist der Amarone ja aus dem Recioto entstanden. Vielleicht zeigt sich bei dem unfassbaren Seré auch die Idee dal Fornos am eindrucksvollsten. Er ist so konzentriert, wie ich es von keinem anderen Wein der Welt kenne, gleichzeitig kommt diese Kraft aber mit einer ziemlich lässigen Eleganz rüber und obwohl er nicht ganz trocken ist, wirkt er alles andere als süß und am Ende ist er eine Art neue Dimension, was aber für alle Weine dal Fornos gilt. Was sagte Luca Speri: „Dal Forno ist dal Forno!“ What else?!

UNSERE WEINTIPPS

2010 VALPOLICELLA SUPERIORE MONTE LODOLETTA
Der Valpolicella Superiore ist eigentlich immer schon ein Amarone, da er sich in der Art der Herstellung, d.h. Trocknung der Trauben und Ausbau im Barrique, nicht so sehr von diesem unterscheidet. Deshalb bietet er auch ein Maß an Konzentration, das man bei anderen Produzenten beim Superiore nicht findet. Er duftet eindringlich nach Brombeeren, frischen Heidelbeeren, Unterholz und feinem, hellen Tabak. Er ist bereits aufgeschlossener als der Amarone mit einladender, saftiger Frucht, feiner Tanninstruktur und animierender Frische. Er hallt sehr lang nach. Beeindruckend, was Romano dal Forno im nicht einfachen Jahrgang 2010 in die Flaschen zaubert. 15 – 17 °C

 72,00 €   (0,75l; 1l = 96,00 €)   95 Parker

 

2004 VIGNA SERÉ PASSITO ROSSO
Ein Passito in Perfektion! Das ist ein Elixier für alle Sinne. Ausladend würziger Duftteppich von Mokkabohnen, Süßholz, dunkler Schokolade, After Eight und Brombeere. Im Geschmack überraschend elegant und von geradezu unglaublicher Frische. Die Süße, die man viel ausgeprägter erwarten würde, ist nahezu komplett integriert und die Säure lässt den Wein fast trocken wirken. Über die unfassbare Länge braucht man gar nicht mehr reden. Ein Muss für Süßweinliebhaber und Genießer, die sich überraschen lassen möchten. 15 – 17 °C

 149,00 €   (0,375l; 1l = 397,33 €)   99 Parker

 

2010 AMARONE DELLA VALPOLICELLA MONTE LODOLETTA
Und noch ein Grande Vino vom Meister des modernen Amarone. Ein schier unerschöpfliches Aroma von Schwarzkirschen, Aronia, Bitterschokolade, Brombeer, frischen Kräuternund Teer entströmt dem Glas. Das setzt sich am hochkonzentrierten Gaumen fort. Trotz berstender Fülle immer fein, fantastisch changierend zwischen süßlichem Fruchtkern und strahlender Frischeader. Hochfeines, markant jugendliches Tannin im nicht endenden Finish. Das sollte lange vor Genuss in die Karaffe oder für Jahre in den Keller. 15 – 17 °C

 279,00 €   (0,75l;  1l = 372,00 €)   98 Parker

 

 

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