Elvio Cogno - Unglaubliche Aussichten

unter Weinbrevier

„Gestern hat schon wieder jemand angerufen“, erzählt Valter, „ich hab gar nicht nach dem was sie bieten gefragt. Habe kein Interesse und sie brauchen auch nicht wieder anzurufen.“ Er klingt halb belustigt, halb genervt. „Das geht so seit einiger Zeit und nachdem Vietti für diesen absurd hohen Preis verkauft worden ist, gibt es erstaunlicherweise immer mehr Investoren, die was erwerben wollen.“ Er zeigt uns in der Nähe zwei kleine Parzellen, die am Fuße eines Hügels nach Nord-West ausgerichtet sind. „Das gehört einem Pharma-Konzern, die haben hier tatsächlich etwas kaufen können. Nebbiolo haben die da gepflanzt, in der Lage. Schaut mal da rüber, da hab ich etwas Dolcetto stehen. Dolcetto geht, aber Nebbiolo … Pfff.“ Dabei kommt bei der Azienda Elvio Cogno neben den Weinbergen in Top-Lagen noch etwas anderes hinzu, das potentielle Investoren magisch anziehen dürfte. Novello liegt auf den letzten Hügeln im Westen des Barolo, direkt über der großen Ebene von Cuneo, die von den Piemonteser und den ligurischen Alpen pompös eingerahmt wird. Valters Weingut thront einsam vor den Toren des Ortes auf der Spitze des Ravera Weinbergs. Auf der einen Seite blickt man auf Barolo, La Morra und Castiglione, auf der anderen auf Novello, die Ebene und die oft schneebedeckten Gipfel der Seealpen. Kurz gesagt: Die Lage ist einfach spektakulär. 

„Als Elvio mich 1990 fragte ob ich denn nicht mit ihm Wein machen wolle, hab ich nicht lange nachgedacht und meinen Bürojob einfach hingeschmissen“, erzählt er und dabei leuchten seine Augen in kindlicher Freude, als wäre es gestern gewesen. „Bürojob?“, fragen wir nach. „Eigentlich bin ich Ingenieur.“ Und wie kommt man da zum Weinmachen? „Elvio kannte ich schon viel länger. Nach meinem Abitur hab ich in der Kellerei in der er arbeitete erst einmal gejobbt, und wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Er hat mir viel von seiner Liebe zum Wein mitgegeben und mich vielen interessanten Leuten vorgestellt.“ Aber dann ist Valter erst einmal dem Wein untreu geworden, dafür hat er unterdessen Elvios Tochter Nadja geheiratet. Aber auch Elvio selber war eine Art Quereinsteiger. Das Ristorante dell Angelo in La Morra war eine echte Institution in der Region und Elvio leitete es nicht nur, er kelterte auch eigenhändig ein wenig Wein für den Ausschank. Das hatte in der Familie eine große Tradition, nur auf die Idee das zum Hauptberuf zu machen wäre niemand gekommen. Im dell Angelo gingen die Weinhändler und die wenigen bekannten Winzer der Region ein und aus, und irgendwann fiel wohl jemandem auf, dass der Ausschankwein hier deutlich besser war, als in den anderen Restaurants. Ende der 50er Jahre, mit Mitte zwanzig, begann die zweite Karriere des Elvio Cogno. Er verließ das dell Angelo und wurde der verantwortliche Weinmacher im damals schon sehr bekannten Weingut Marcarini. Er hatte Glück, der erste Wein, der unter seiner Leitung gemacht wurde, war der große Jahrgang 1961, so erlangte er ziemlich schnell einen sehr guten Ruf und drei Jahre später traute er sich schon den Namen eines Weinbergs auf das Etikett zu setzen: Brunate. Fast 30 Jahre lang blieb er dem Weingut treu, dann kamen neue Ideen und er begann, mit fast 60 Jahren, sein drittes Leben. In einem Alter, in dem andere an die Rente denken, meinte Elvio es sei erstens an der Zeit nach Novello, dem Heimatort der Familie Cogno, zurückzukehren, und zweitens wieder einen eigenen Wein zu machen. Und wieder hatte er Glück. Auf einem Hügel vor Novello stand ein etwas runtergekommenes Weingut, die Cascina Nuova. „Es gehörte einer Familie die unfassbar reich war und wenig Interesse am Haus und noch weniger Interesse am Weinmachen hatte,“ erzählt uns Valter, „das wurde bis Ende der 80er noch nach dem mittelalterlichen Mezzadria-System betrieben. Die Bauern pachteten das Land und gaben dafür dem Inhaber 50 % des produzierten Weins. Wahrscheinlich wussten die gar nicht, was sie mit dem vielen Wein machen sollten …“

1990 wurde Elvio stolzer Besitzer seines ersten eigenen Weinguts und sein Schwiegersohn Valter Fissore verließ seinen Schreibtisch und wurde sein Kompagnon. Stolz zeigt er uns die Weinberge, die alle rund um den Hof, der gerade etwas erweitert wird, liegen. Der Ravera, direkt zu Füßen des Fasskellers, geht bis auf 380 Meter über Meereshöhe und ergibt mit seinem kompakten, kalkhaltigen Lehmboden einen sehr eleganten, aber auch frischen Barolo. Der Cascina Nuova liegt direkt unterhalb und gehört eigentlich noch zur Lage Ravera, aber hier stehen etwas jüngere Rebanlagen, also wird er gesondert ausgebaut und ergibt einen etwas früher zugänglichen Barolo. Der Bricco Pernice liegt langgezogen auf dem nächsten Hügel Richtung Barolo, hier sind die Reben zwischen 25 und 60 Jahre alt. Der höhere Kalkstein-Anteil sorgt für einen Wein mit viel Power, aber auch sehr runden, reifen Tanninen und einer feinen Mineralität. Besonders stolz ist Valter aber auf den Vigna Elena, ein dreieckiges Stück zwischen Novello und dem Weingut. „1991 haben wir das Weingut offiziell gegründet und meine Tochter Elena wurde geboren“, erzählt Valter. „Elvio hatte beschlossen, dass dieser Teil des Weinbergs neu gepflanzt werden muss …“ Er hatte sich etwas Besonderes ausgedacht. Wie bei den meisten alten Rebsorten gibt es eine Vielzahl von Klonen, also natürlichen Mutationen die nur minimale Unterschiede aufweisen. Es gibt Familienmitglieder des Nebbiolo die mehr Farbe geben, welche die mehr Ertrag haben und so weiter. Und es gibt einen sehr alten Klon, der kaum noch Verwendung findet eben, weil genau das Gegenteil von den beiden oben genannten Eigenschaften seine Stärken sind. Er gibt wenig Ertrag und das bei recht heller Farbe, der Nebbiolo Rosé. „Aber was haben denn Farbe und Ertrag mit der Qualität eines Barolo zu tun?“ fragt Valter mit Recht, „Es braucht Duftigkeit, Langlebigkeit, er muss auf dem Gaumen vibrieren und das noch nach zwanzig Jahren und all das bringt kaum ein Klon so mit sich wie der Rosé. Ich liebe diesen Weinberg.“ Der auch übrigens nach seiner Tochter Elena benannt ist. 

Überhaupt, die Lagen! Wir stehen vor der großen Lagenkarte des Barolo. „Schaut euch das mal an“, sagt er und zeigt auf ein paar farbig schraffierte Flächen, „das ist zum Beispiel der berühmte Bussia, der zieht sich von Monforte am südlichen Ende des Barolo bis fast nach Annunziata hoch. Die halbe Länge des ganzen Gebietes. Und wenn ihr euch den Ravera anschaut, der ist auch nicht wirklich klein und umfasst auch die Weinberge auf der Rückseite des Gutes, in denen man allenfalls Dolcetto pflanzen sollte.“ Es sei denn man ist ein Pharma-Konzern. 

Ja, die Cru des Barolo sind oft sehr groß, aber immer mehr Produzenten gehen dazu über die besten Parzellen herauszusuchen, wie auch Valter. „Ravera ist für mich nur das Herzstück, direkt vor dem Weingut. Alle anderen Lagen gehören rechtlich dazu, aber im Pernice haben wir ganz andere Voraussetzungen, also haben wir den alten Gewannennamen dafür gewählt. Der Elena ist auch was Besonderes, also haben wir ihm einen neuen Namen gegeben.“ Es freut ihn sichtlich, dass damit nicht nur der Name seiner Tochter um die Welt geht, sondern wohl auch für die Zukunft immer mit diesem Stück Piemonteser Erde verbunden ist. Verbundenheit, die ist ihm extrem wichtig, daher hat er sich auch einer anderen Rebsorte angenommen. Woher die Nascetta genau kommt und mit wem sie verwandt ist hat man noch nicht herausgefunden, aber weil sie etwas zickig ist und der Ertrag recht gering, war sie so gut wie verschwunden. Valter muss ein Mann mit großer Überzeugungskraft auch bei den Kollegen sein, denn mittlerweile gibt es wieder 20 Hektar, aber nur rund um Novello. Davon hat er zwei. Er hatte es sogar geschafft die Rebsorte mit in die DOC-Statuten aufnehmen zu lassen und durchgesetzt, dass der Ort mit draufstehen darf, also nennt er sie jetzt Stolz Nascetta di Novello. Lange gibt es den Wein noch nicht, aber wir verkosten ein vier Jahre gereiftes Exemplar. „Ich glaube die Rebsorte hat großes Potential“, meint Valter, „warum soll ich hier Chardonnay anbauen, wenn wir da was aus der Region haben.“ Stimmt und vor allem zeigt er jetzt schon, was in ihr steckt. „Wir werden da noch viel lernen müssen,“ das ‚müssen‘ klingt bei ihm viel mehr wie ein dürfen. Überhaupt haben wir den Eindruck, dass Valter noch viel vorhat. Er ist relativ schnell unter die besten Weingüter der Region vorgestoßen, aber Zufriedenheit heißt für ihn nicht Stillstand.

“Und was machst du, wenn noch einmal jemand anruft und dir sofort eine Zahl nennt“, fragen wir, „eine unvorstellbar große Zahl?“ „Was soll ich machen? Ich will Wein machen, hier und genau diesen Wein. Ich kann davon gut leben und habe einen der schönsten Berufe der Welt an einem der schönsten Orte der Welt. Also, ich lege auf. Basta.“ und er ergänzt „zum Glück denken hier noch die meisten so …“ Wollen wir für die Langhe hoffen das es so bleibt.

 

UNSERE WEINTIPPS

2015 BARBERA D’ALBA BRICCO DEI MERLI
Barbera führt wie Dolcetto ein Nischendasein und das völlig zu Unrecht. Mit dem 2015er zeigt Valter Fissore welches Potential in dieser Rebsorte steckt. Ihre runde, saftige Fruchtigkeit ist verführerisch und vielschichtig zugleich. In der Lage Bricco dei Merli wächst die Top Barbera von Elvio Cogno und wird dabei komplex und hedonistisch. Wunderbar saftig-waldbeerig, an reife Kirschen erinnernd mit einer kühlen Anmutung und milden Tanninen, die einen herrlichen Trinkfluss bieten. 16-18 °C 

 21,00 €   (0,75l; 1l = 28,00 €)

 

2012 BAROLO CASCINA NUOVA
Cascina Nuova nennt Elvio Cogno seinen Einstiegsbarolo. Aber was für ein Einstieg das ist! Herrlich reife, süße Kirscharomen unterlegt von schwarzem Tee, Tabak und feinen Kaffeenoten. Ein unmittelbar eingängiger Nebbiolo-Wein, für alle die Barolo lieben, aber auch für Weinfreunde die ihn gerne einmal kennenlernen möchten, denn seine vollmundige Art und die geschliffenen Tannine machen ihn zu einem herrlichen Genuss. 16-18 °C 

 statt 29,90 € nur 27,90 €   (0,75l; 1l = 39,87 €)

 

2013 BAROLO RAVERA
Wieder ein ganz starker Ravera. Die Lage ist berühmt dafür gut strukturierte und trotzdem sehr duftige Baroli hervorzubringen. Und diese Stärke der Lage kommt in 2013 insbesondere zum Tragen, denn in diesem meisterhaft gelungenen Barolo fügen sich Kraft und Struktur mit einer geballten Ladung von roten und schwarzen Beeren in puristischer Manier zu einer wirklich packenden Angelegenheit. Gleichzeitig verfügt der Ravera über einen weichen und sehr reifen Kern, der frühen Trinkgenuss sicherstellt. Wer ein paar Jahre warten kann, wird jedoch mit weiterer aromatischer Verfeinerung belohnt werden, denn das Reifen ist diesem Wein in die Wiege gelegt. 16-18 °C 

 53,00 €   (0,75l; 1l = 70,67 €)

 

 

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