Dr. Bürklin-Wolf oder die Geburt des Guten aus dem Notwendigen

unter Weinbrevier

„Als wir 1992 hier angefangen haben, konnte man sich vollkommen überflüssig vorkommen“, erzählt Bettina Bürklin-von Guradze lächelnd, und sie meinte das nicht im Sinne Voltaires. „Niemand brauchte den Wein von hier und man hatte den Eindruck, dass ihn auch niemand wollte. Man konnte so billig verkaufen wie man wollte, es war fast grotesk. Wenn wir so weitergemacht hätten, wäre das Weingut innerhalb der nächsten fünf Jahre pleite gewesen, und wir waren ja nicht die Einzigen denen es so erging.“ Dabei hatte das Weingut nicht nur ein unglaubliches Portfolio an Spitzenlagen, es gehörte auch zu den bekanntesten Deutschlands. Man sprach andächtig von den drei großen Bs, das waren Buhl, Bassermann und Bürklin. Ihre Weine waren über Jahrhunderte gefragt und gesucht, sie standen auf den Tischen der Mächtigen und Reichen, lagen in den Kellern der Weinsammler und waren auch international berühmt.

1597 hatte Johann Ludwig Wolf das Weingut gegründet, er war Weinhändler, Bankier und hatte großen Waldbesitz im Pfälzerwald. Jetzt kam auch noch die Landwirtschaft hinzu. Natürlich war der Weinbau der prestigeträchtigste Teil des landwirtschaftlichen Betriebs, aber es wurde auch Gemüse und Getreide angebaut und Viehzucht betrieben. So blieb es mehr oder weniger bis ins 20. Jahrhundert. „Wo heute in der Ebene Weinberge sind“, erzählt Bettina Bürklin-von Guradze, „da waren in den 60er Jahren oft noch Obstgärten und Rübenäcker.“ Vor allem in den 70er Jahren dehnte sich der Weinbau auf die Ebenen aus. Während immer mehr Steillagen an Rhein und Mosel, aber auch in der Pfalz, aufgegeben wurden, pflanzte man auf den ehemaligen Äckern Ortega, Scheurebe, Huxelrebe und andere Rebsorten, die hohe Mostgewichte, große Erträge und nichtssagend süße Weine ergaben. Auch bei Bürklin-Wolf kamen neue Rebsorten und Weinäcker hinzu. „Der Weinbau in den 70er und 80er Jahren war unheimlich technisch geprägt“, erzählt sie, „man schaute eher auf das, was man mit Maschinen, im Keller und sonst wie mit technischen Mitteln erreichen konnte, als auf den Weinberg. Die Kombination aus hohen Erträgen und viel Technik ließ viele vollkommen gesichtslose Wein entstehen.“ Dem Diktat hoher Mostgewichte wurde fast alles untergeordnet, erstaunlich dabei, dass man trotz aller technischen Mittel die heute üblichen Mostgewichte nur in Ausnahmefällen erreichte. Auf so ziemlich allen Weinen stand damals ein Lagenname, egal ob damit die 3,6 Hektar Kirchenstück oder die 360 Hektar Mariengarten gemeint war, alles Forst, alles Eins. Egal um welche Rebsorte es sich dabei handelte, ob sie zum Boden und Klima wirklich passte oder nicht. Und dann gab es diese verwirrende Weinvielfalt auch noch als Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, trocken, halbtrocken, süß, und vieles mehr. So konnte ein Weinjahrgang selbst auf einem mittelgroßen Weingut schon einmal 90 Positionen umfassen. Da konkurrierte dann eine Forster Mariengarten Scheurebe Spätlese halbtrocken mit einem Forster Kirchenstück Riesling Kabinett trocken. Betriebswirtschaftlich ein Wahnsinn, für den Kunden undurchschaubar. „Wenn ein Kunde die Dame, die damals bei uns den Verkauf ab Hof machte, fragte: Was ist denn Ihr bester Wein?, dann vergrub sie die Hände in ihrer Kittelschürze, schaute ein wenig empört und antwortete: Na, die sind alle gut!“ Stimmte wahrscheinlich auch irgendwie, denn am Ende war es geschmacklich kaum feststellbar, aus welcher Lage ein Wein wirklich kam.

„Unser großer Vorteil war, dass mein Mann überhaupt nie etwas mit Wein zu tun gehabt hatte.“, meint Bettina Bürklin-von Guradze, „Wo alle sagten: Das muss man so machen, haben wir dann gefragt: Warum?“ Die große Frage war, was ist denn der Markenkern von Bürklin-Wolf? Das war recht klar, denn in der historischen Weinliteratur wird das Weingut immer wieder für sein einmaliges Portfolio der besten Lagen gelobt. Was aber, wenn auf jedem Wein ein Lagenname drauf steht? Richtig, dann ist die Lage nichts Besonderes mehr. „Also haben wir 1994 unseren ersten Reiterpfad GC auf den Markt gebracht. Es gab plötzlich keine trockenen Kabinette, Spätlesen und so weiter mehr aus dieser Lage. Nur noch einen Wein, und nur noch 100 % Riesling. Es gab Kunden, die sind vom Hof wieder runtergefahren und wollten nie wieder was bei uns kaufen. Wegen der Bezeichnung GC, die sich ja vom französischen Grand Cru herleitet und sich natürlich an das burgundische System anlehnt, haben uns manche Kollegen für verrückt oder größenwahnsinnig gehalten.“ Aber es hat funktioniert, denn nun wusste der Weinfreund wenn „Kirchenstück“ auf der Flasche stand, dann war es das Beste was das Weingut zu bieten hatte und da gab es keine Abstufung mehr, die aus dem besten Weinberg einen zweitbesten und drittbesten Wein machte. Jetzt ist das vierstufige System mit Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage gelernt und die Weinfreunde raunen sich einfach die Lagennamen zu, statt eines nichtssagenden Endlossatzes. „Es war ganz klar, dass wir uns mit der Rückbesinnung auf die Lage und ihre Qualität auch wieder mehr auf den Weinberg besinnen mussten. Da konnte jetzt nicht mehr das technisch Machbare im Mittelpunkt stehen, sondern die Rebe und der Boden auf dem sie steht. Es war ein kompletter Paradigmenwechsel gegenüber den 80ern und uns war bald klar, dass diese Einstellung auch zu einer besonderen Art des Anbaus führen würde.“ Als Bürklin-Wolf dann 2005 den kompletten Anbau auf biodynamische Prinzipien umstellte und zertifizierte, war die Aufregung in der Pfalz wieder groß. „Ein so großes Weingut, das geht doch gar nicht, denen werden die Trauben am Stock verschimmeln, das waren noch die harmloseren Worte, die man zu hören bekam. Ja, wir haben von den 115 Hektar, die das Weingut Anfang der 90er hatte, gut 30 verkauft, aber was sollten wir mit Huxelrebe in der Ebene? Das Ziel war es ja nicht für irgendeinen Wein zu stehen, sondern für Riesling aus den Top-Lagen der Pfalz. Aber mit den 85 Hektar geht das gut und am Ende haben wir dabei so viel gewonnen, denn die Reben danken es einem. Die Gefahr einen Jahrgang komplett zu verlieren, das angebliche Damoklesschwert des Biowinzers, haben wir so nie gesehen. Das Wichtigste was wir in den letzten zwölf Jahren gelernt haben ist, dass man sehr flexibel sein muss. Man muss sich absolut nach der Rebe richten. 2013 gab es Weinberge, da haben wir die Nacht durchgelesen, weil man die Trauben ansah und wusste, jetzt sind die perfekt, aber morgen sind sie hinüber. 2016 haben wir dann fast sieben Wochen lang lesen können, extrem entspannt. Den Weinen schmeckt man das eine und das andere nicht an. Man schmeckt aber wo sie herkommen und wovon der Jahrgang geprägt war. Das ist die Kombination, die den Weinbau so einmalig macht. Man hat die  Rebsorte, die Lage, den Stil des Weingutes und die Charakteristik des Jahrgangs und alles das zusammen ergibt ein Unikat. Jeder Wein ist einzigartig und das macht es so spannend. Das heißt aber auch, dass man keine Kompromisse machen darf. Wer ein GC von uns im Glas hat, muss einen großen Wein bekommen. Im Jahr 2000 war das z.B. nicht möglich, daher gab es keine GCs und in manchen Jahren muss man so selektiv arbeiten, dass die Mengen hinter einzelnen Lagen extrem gering sind. Das ist halt Arbeiten mit der Natur und nicht die Beherrschung der Natur.“

Steffen Brahner, der das Weingut leitet, schenkt einen Wein ein. „Wachenheimer Riesling 2013, den haben wir im Januar gefüllt.“ Im Januar 2016 meint er. Zwei Fuderfässer des Weins hatte man 2014 einfach nicht gefüllt, um sie weiter im Fass reifen zu lassen und später zu bringen. „Das war früher ganz normal,“ erzählt er, „in den großen Jahren des deutschen Weinbaus kamen auch die Weißweine deutlich später auf den Markt. Der Kellermeister entschied, wann ein Wein bereit für den Verkauf war. Hauptsächlich nach dem Geschmack. So konnte man auch in mengenmäßig kleinen oder qualitativ mäßigen Jahren große Weine auf den Markt bringen. Wir möchten dahin kommen, nicht alles sofort zu verkaufen, sondern das ein oder andere reifen zu lassen und auch länger im Fass auszubauen. Und das nicht nur bei den GCs, auch einem Ortswein können drei Jahre extrem gut tun.“ Ja das stimmt, das wissen wir auch und legen deshalb immer wieder mal Weine auf die Seite, aber gerade bei Weißweinen versteht das noch nicht jeder. Zu tief hat sich die falsche Formel „Weißweine jung, Rotweine gereift“, in das kollektive Weintrinker Gedächtnis gebrannt. Was haben wir uns schon an negativen Bemerkungen anhören müssen, dass im Kölner Weinkeller alte Weißweine herum lägen, Ausschussware … So würde ich etwa ein 99er Kirchenstück nicht bezeichnen. Frau Bürklin von Guradze lächelt, „ja da ist noch viel Unverständnis, aber ihr seid ja auch einer der wenigen Händler die sich um reife deutsche Weine kümmern und dem Kunden das nahebringen. Eine wichtige Arbeit, denn Premium Weine, vor allem deutsche, sind ja eine echte Nische.“ In der Tat, wenn man bedenkt, dass die Durchschnittsflasche im deutschen Supermarkt nicht einmal 2,50 € kostet, dann ist ein Kirchenstück mit 120 € eine recht kleine Nische. „Aber da kommt ja auch gerade einmal eine Handvoll Flaschen her und zwischen dem und dem ganz einfachen Wein gibt es ja eine fast endlose und spannende Vielfalt, die es immer wieder neu zu entdecken gilt.“ Und da ist man dann bei Bürklin-Wolf wieder ganz nah an Voltaire der einmal meinte: „Das Überflüssige ist eine sehr notwendige Sache.“

RIESLING TROCKEN FASS 76
2016, Dr. Bürklin-Wolf

Auch in 2016 ist unser Fass 76 wieder genauso, wie wir es uns vorstellen, vielleicht sogar besser als je zuvor - und das will bei Jahrgängen seit 2009 etwas heißen! Der Gutsriesling, den Dr. Bürklin-Wolf exklusiv für uns jedes Jahr füllt und der noch ganz klassisch im Holzfass ausgebaut wird, begrüßt im Duft offenherzig mit feinen Zitrusaromen und frischer Kräuterwürze. Genauso zugänglich und beschwingt schmeckt er auch: Seine klare Rieslingfrucht wird unterstützt von einer saftigen und reifen Säureader. Er macht von Schluck zu Schluck immer mehr Spaß und endet mit einer delikaten Salzigkeit, die man getrost unter mineralischer Frische abheften kann. Dabei ist er sehr ausgewogen und zugänglich. Wie gesagt: Vielleicht das beste Fass 76, das es jemals gab.

 10,00 € im 11+1   BIO   (0,75l; 1l = 13,33 €)   

 

WACHENHEIMER RIESLING TROCKEN
2013, Dr. Bürklin-Wolf 

Eine echte Spezialität ist der 2013er Wachenheimer von Dr. Bürklin-Wolf, der nach längerer Fass- und Edelstahltanklagerung jetzt erst den Weg in die Flasche gefunden hat. Im Duft ist er dezent reif mit expressiven Aromen von getrockneten Aprikosen und Bananenchips. Etwas kandierter Ingwer und Salbei. Vollmundig und cremig am Gaumen präsentiert er sich mit würzigem Schmelz und rundem Frucht-Säure-Spiel. Bleibt mild und großzügig anhaltend nach. Wirklich überraschend, wie perfekt dieser Orts-Riesling aus einem eher schwierigen Jahrgang jetzt auf den Punkt gereift ist. Konzentriert, strukturiert und zugleich erfrischend, zeigt er besondere Affinität zu Zitronenhühnchen oder pochiertem Fisch.

 anstatt 14,00 € nur 12,90 €   BIO   (0,75l; 1l = 18,67 €)

 

FORSTER PECHSTEIN RIESLING TROCKEN EDITION G.C.
2015, Dr. Bürklin-Wolf

Der Forster Pechstein ist eine Toplage aus schwarzem Basalt, einem Überbleibsel des erloschenen Vulkans Pechsteinkopf, sowie Buntsandsteingeröll, die bereits 1828 in die Königlich-Bayrische Lagenklassifikation aufgenommen wurde. Der Riesling aus dem großartigen Jahrgang 2015 duftet brillant nach reifen Reineclauden, Pink Grapefruit und mineralischen Noten. Zupackend frischer Geschmack mit anregender Frucht und feiner, salziger Mineralik. Das Forster Pechstein ist ausgesprochen elegant geraten und perfekt ausbalanciert. Es wurde spontan vergoren und in Doppelstück-Holzfässern ausgebaut. Wird mit etwas Reife sein gesamtes Potenzial zeigen.

 75,00 €   BIO   (0,75l; 1l = 100,00 €)

 

 

Hier finden Sie alle Weine von Dr. Bürklin-Wolf.

 

 

Die Angebote sind bis zum 31.07.2017 gültig, bzw. solange der Vorrat reicht.