Odinstal - on higher grounds

unter Weinbrevier

Zum Odinstal hinauf muss man im Frühjahr, oder besser noch im Herbst, wenn die Sonne scheint und die Sicht klar ist. Einen besseren Blick über das Rheintal findet man sonst nirgends. 200 Höhenmeter über den anderen Weinbergen der Pfalz liegt das Odinstal, dessen Name ziemlich irreführend ist, denn erstens sieht es hier gar nicht aus, als habe man etwas mit dem nordischen Kriegsgott zu tun, und zweitens ist das Tal eher eine leicht geneigte und in der Mitte zusammenlaufende Hochebene. Tal im Pfälzerwald, hört sich dunkel und zugewachsen an, hier oben ist aber alles licht und frei. Es war der Wachenheimer Bürgermeister Johann Ludwig Wolff, der hier oben eine kleine Villa errichten ließ. Es sollte sein Wochenendsitz werden, mit einmaliger Aussicht und Blick auf sein Wachenheim. Neben ein paar Hektar Reben wurde ein Garten angelegt und so viel Wald gerodet, dass das „Tal“ eine herrlich leichte Wiesenlandschaft wurde. Die Legende sagt, an dem Wochenende, an dem er hier oben eingezogen sei, wäre er so guter Laune gewesen, dass er im Spielzimmer seines Weinguts so richtig losgelegt hätte. Am nächsten Morgen dann gehörte das Odinstal dem Weinunternehmer Kuhn, auch ein Wachenheimer, der in der Nacht wohl die besseren Karten hatte. Durch Heirat kam es dann zu einem Deidesheimer Weingut und verfiel irgendwie in einen Dornröschenschlaf. Die Villa wurde mehr oder minder instand gehalten, aber kaum genutzt, die Reben, so sagte man, wurden alle zehn bis zwanzig Jahre einmal reif und ihr Wein wäre selbst für Sektgrundweine nur unter Schmerzen zu gebrauchen.

1998 kam dann Thomas Hensel. Nein, nicht der Thomas Hensel aus Bad Dürkheim, sondern ein Immobilienentwickler aus Mannheim. „Ich habe die Villa bei meinen Touren durch den Pfälzerwald so oft gesehen“, erzählt er in der gemütlich eingerichteten Küche, in der man immer ziemlich zwanglos um den großen Mitteltisch herumsteht, probiert, isst und debattiert, „und ich habe mich immer gefragt, warum macht da keiner was mit?“ Es brauchte wohl jemanden von außen, um das Odinstal aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, jemanden der Weitsicht genug hat, Ideen, das nötige Kapital, vor allem aber auch eine kindliche Freude daran, verrückte Dinge zu entwickeln. „Weißt du Andreas,“ sagt er, „das war doch klar, wenn wir hier oben schon unser zu Hause einrichten, dann gehörte auch der Wein dazu. Ach,“ sagt er, und schenkt lachend noch ein Glas vom Silvaner ein, „klar haben da unten alle gesagt, das wird nie reif hier oben, der wird niemals vernünftigen Wein ernten, aber“, und er nimmt einen großen Schluck, „ist das jetzt vernünftig?“ Ist es, sogar deutlich mehr als das. Erst einmal hat er aber die Villa renoviert und durch einen modernen Anbau ergänzt. Aber auch hier hat er eine äußerst geschickte Hand gezeigt. Er hat das Haus nicht einfach mit neuem, makellosem Putz versehen und ein Disneyland-Odinstal geschaffen, er hat einfach den äußeren Zustand, die Narben der Zeit, konserviert. Mut zu Falten statt Facelifting. Auch die modernen Anbauten, obwohl sie von innen sehr großzügig sind und eine grandiose Aussicht bieten, halten sich angenehm zurück.

Für den Wein hat er in Andreas Schumann einen kongenialen Partner gefunden. Andreas hat bei einigen der renommiertesten Bio-Betriebe Deutschlands gelernt, unter anderem bei Bürklin-Wolf oder bei Wittmann, und die Probleme des Odinstal zur Stärke gemacht. „Ja, wir sind hier immer etwas später dran“, sagt er mit den Schultern zuckend, „aber wann ich ernte ist doch eigentlich egal.“ Es zählt zu einer der großen Stärken von Hensel und Schumann, dass sie sich Zeit nehmen. Hier ist der Weinbau nicht auf Schnelligkeit eingestellt. „Wichtig war von Anfang an, dass wir so spät noch gesunde Trauben haben, und das geht nur, wenn sie auch widerstandsfähig sind.“ Also entschied sich Schumann für den biodynamischen Anbau. Wenn man mit ihm durch das Biotop Odinstal geht, muss man einfach für diese Anbaumethode schwärmen. Es gibt Blumen- und Kräuterwiesen, aus denen dann die „Spritzmittel“ bereitet werden, auf ein paar Wiesen stehen Galloway Rinder, es gibt Schafe und Schumann scheint jede Biene, die hier schwirrt, persönlich zu kennen. Er erzählt, welche Blume und welches Kraut auf einen gesunden Boden, auf eine ausgeglichene Flora hinweisen, und welche Probleme anzeigen. „Man kann den Problemen natürlich mit Chemie zu Leibe rücken, aber die Erfahrung zeigt, dass das meistens nur zu mehr Problemen und mehr Chemie führt,“ erklärt er, „Wir versuchen die Natur in ihren natürlichen Abläufen zu unterstützen, dafür müssen wir natürlich auch mehr darüber wissen.“

BioDyn mag manchen Leuten ziemlich mystisch erscheinen, aber das Ziel von Schumann ist einfach näher hinzuschauen, und Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen. Gerade einmal fünf Hektar Reben stehen auf Odinstal unter Ertrag, und der ist gering. Also Weine mit echtem Seltenheitsstatus, auch geschmacklich. „Warum macht ihr denn jetzt die Saarweine in der Pfalz,“ rief einmal ein Weinkritiker Andreas Schumann zu, als er die ersten 10er probierte, „Weil die an der Saar ja jetzt die Pfalzweine machen…“, konterte er trocken. Ja, die Weine sind extrem schlank und mineralisch, sie sind fordernd, und man muss ihnen Zeit geben. Selbst ein Silvaner zeigt sich nach drei bis vier Jahren erst in seiner ganzen kristallinen Schönheit. „Schmeckt doch,“ würde Thomas Hensel jetzt laut über seine eigene Freude am schönen Odinstal sagen und allen in der Küche nachschenken. Klar, und auf fünf Hektar, die fast in den Wolken liegen, braucht man ja auch nicht Wein für jedermann zu machen, mit den paar Flaschen bekommt man ja nicht einmal alle, die an sowas spannendem Spaß haben, glücklich gemacht.

RIESLING 120 N.N.
2015, Odinstal

Die Weine von Odinstal spiegeln immer die kühle Eleganz der hoch gelegenen Weinberge des Gutes wider. So ist auch der Riesling 120 N.N. im Duft von zurückhaltender Art, mit ausreichend Belüftung zeigen sich Aromen von reifen Äpfeln, Steinobst und frischen Kräutern. Am Gaumen ist er straff verwoben und von steinig-kühler Frische. Unter der frischen Säureader lugt aber schon sein feiner Schmelz hervor, der sich im Laufe der Reifung immer weiter hervortun wird. Ein Understatement für Liebhaber mineralischer Rieslinge.

 18,00 €   BIO   (0,75l; 1l = 24,00 €)   

 

RIESLING BASALT
2014, Odinstal

Der 2014er Basalt spielt auch im kühlen Jahrgang 2014 wieder in einer Liga mit den Großen Gewächsen seiner Herkunft. Mit erster Reife ausgestattet, öffnet er sich im Duft zu erster Zugänglichkeit und changiert gekonnt zwischen würziger Sanddorn- und Kräuteraromatik und kühler mineralischer Ader seines vulkanischen Terroirs. Er ist im Geschmack immer noch etwas fordernd, dabei aber auch von großer Eleganz und angenehmer Fülle. Er wird sich sicher noch weiter entwickeln können, ist aber für Rieslingbegeisterte ein echter Referenzwein für einen feinen und zugleich urwüchsigen Stil.

 35,00 €   BIO   (0,75l; 1l = 46,67 €)   92 Parker 

 

 

Hier finden Sie alle Weine von Odinstal.

 

 

Die Angebote sind bis zum 31.07.2017 gültig, bzw. solange der Vorrat reicht.