Frauensache Wein - Einblicke von Elisabetta Geppetti

unter Weinbrevier

BESCHREIBEN SIE UNS GANZ KURZ IHR WEINGUT UND WAS SIE DARAN AM MEISTEN LIEBEN.
Fattoria Le Pupille ist seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Eigentum meiner Familie. Es war ursprünglich ein Bauernhof, der sich im Laufe der Jahre zu einem Weingut entwickelt hat. Und wir waren Vorreiter für die Appellation Morellino di Scansano, dies zunächst im Süden der Maremma und dann in Maremma Grossetana, wo wir uns dafür einsetzten das die Maremma zum DOC-Anbaugebiet erklärt wurde. Zunächst füllten wir nur kleine Mengen unseres Sangiovese ab für den Eigenverbrauch und Freunde.

 

WELCHE STILISTIK VERFOLGEN SIE MIT IHREN WEINEN?
Seit ich mit 20 angefangen habe, Wein zu machen, habe ich immer versucht Eleganz zu erreichen. Es war eine große und auch schöne Herausforderung für mich, weil wir im Süden der Toskana ein eher mediterranes Klima haben, obwohl die durchschnittliche Höhe der Weinberge recht hoch ist, sie liegt bei etwa 350 Meter über dem Meeresspiegel. Es kostete sehr viel Mühe, in den verschiedenen Jahrgängen ein Gleichgewicht zwischen der Kraft dieses Bodens und der Eleganz zu erreichen. Das alles übt immer noch eine sehr große Faszination auf mich aus und hier auf Le Pupille haben wir auch die besten Voraussetzungen um solche Weine zu erreichen.

 

WAS IST IHRE AUFGABE IM BETRIEB?
Ich besitze das Unternehmen, das ich in meinem Bildnis und Gleichnis geschaffen haben! Das hat viele Vorteile, aber auch viele Fehler.

 

WAS LIEBEN SIE AN IHREM BERUF BESONDERS UND WIE SIND SIE DARAUF GEKOMMEN?
Ich liebe meine Arbeit sehr, sie bedeutet viel für mich und ist kein Job, es ist die größte Leidenschaft meines Lebens. Ich könnte nicht ohne Fattoria Le Pupille leben, es wäre nicht das gleiche Leben voller Begeisterung, Leidenschaft und Freude. Nach fast 52 Jahre kann ich sagen, dass es ein großes Abenteuer war, und ich glaube, ich würde nichts anderes im Leben tun wollen.

 

WAS WÄREN SIE HEUTE, WENN SIE NICHT WINZERIN GEWORDEN WÄREN?
Als ich begann mich um Le Pupille zu kümmern studierte ich Kunstgeschichte. Kunst ist meine zweite Leidenschaft; bis ich 23 Jahre alt war, war ich hin- und hergerissen. Vielleicht wäre ich heute im Museum, aber es ist alles richtig gelaufen und gut so wie es ist.

 

HABEN SIE EINE LIEBLINGSREBSORTE UND WENN JA, WARUM IST ES DIESE?
Im Laufe der Jahre habe ich mich für die verschiedensten Sorten begeistert. Als ich jung war habe ich Bordeaux-Cuvées geliebt, Cabernet und Merlot, die später dann in unserem Top-Wein zum Ausdruck gekommen sind, in unserem Saffredi. Aber dann, im Laufe der Jahre, so wie man sich über die Zeit in die verschiedensten Männer verliebt, verliebte ich mich in die verschiedenen Rebsorten: Ich hatte eine Zeit mit Sauvignon Blanc und Traminer, die ich als Herausforderung ansah und in Angriff nahm, dann Sangiovese, die Traube der Toskana. Vor kurzem begann meine aktuelle Liebesaffäre mit der Syrah, die wir 1985 bereits gepflanzt hatten, und deren Extreme wir in der Weinbereitung in Amphoren zum Ausdruck bringen, ein neues Abenteuer!

 

WENN SIE SICH EIN GEBIET AUF DIESER ERDE AUSSUCHEN KÖNNTEN UM WEIN ANZUBAUEN, WO WÄRE DAS UND WARUM?
Das habe ich mich während meiner 33 Ernten auch oft gefragt. Am Ende kam ich aber immer zu dem Schluss dass wir, Le Pupille und ich, woanders nicht zu dem geworden wären was wir heute sind. Hier habe ich meine Wurzeln!

 

WELCHER WEIN IST IHR LIEBLINGSWEIN AUS IHREM EIGENEN SORTIMENT?
Absolut der Saffredi. Es war mein erster Wein. Ich wollte so viel erreichen und hab mir immer gewünscht der Weinwelt damit meinen Stempel aufzudrücken.

 

HABEN SIE EINEN LIEBLINGSWEIN VON EINER IHRER KOLLEGINNEN?
Ich bin ein Wein-Fan von Bruno Giacosa. Nun wird das Weingut von seiner Tochter betrieben, Bruna Giacosa. Ich liebe ihre Barolo!

 

WAS TUN SIE UM SICH ZU ENTSPANNEN?
Ich liebe es sehr mit meinen Hunden spazieren zu gehen! Das lässt mich entspannen. Wenn ich kann versuche ich zu segeln, wenn mich die Weinberge lassen.

 

WELCHE HOBBYS HABEN SIE?
Neben Le Pupille und meinen Kindern bleibt leider nur wenig Zeit … Aber ich liebe es Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.

 

HABEN SIE EIN LIEBLINGSGERICHT?
Ich mag es ganz einfach mit Brot und Öl! Ich liebe guten Käse! In dieser Zeit meines Lebens genieße ich die einfache Küche und dazu natürlich einen Poggio Valente.

 

WAS SIND DIE VOR- BZW. NACHTEILE EINER FRAU IN DER WEINBRANCHE?
Heute sehe ich keine Nachteile mehr sondern nur noch Vorteile. Als ich anfing waren wir nur wenige Frauen. Mir hat es jedoch geholfen eine Frau in einer maskulinen Welt zu sein. Es hat seine Vorteile wenn man Charme und Intelligenz als Frau einzusetzen weiß.

 

WIE SIEHT IHR TYPISCHER ALLTAG AUF DEM WEINGUT AUS?
Ich gehe immer mit großer Freude ins Weingut. Ich spreche mit den verschiedenen verantwortlichen Menschen, ich kümmere mich um die technische Seite und die Werbung. Der schönste Teil meiner Arbeit ist, wenn die ersten Knospen aufspringen. Jedes Jahr öffnet sich eine neue Welt, jedes Jahr ist anders, je nach Klima und neuen Weinbergen.

 

WIE BRINGEN SIE FAMILIE UND KARRIERE UNTER EINEN HUT?
Es war sehr schwierig! Ich habe viel Frustration erlebt als Mutter zweier Familien, als der meiner Kinder und der meines Geschäfts. Viele Jahre lang hatte ich das Gefühl meinen Kindern Zeit zu stehlen wenn ich im Weingut war und umgekehrt. 2008 dann hatte ich eine sehr schlechte Zeit in meinem Leben: erst den Verlust meines Vaters, dann eine Krankheit … Dies hat eine Welt eröffnet: Ich fing an alles so zu nehmen wie es kommt und versuche dabei mein Bestes zu geben. —

 

Haben Sie nun Lust bekommen, ein paar der Weine von Elisabetta Geppetti zu probieren oder einmal wieder aufzuziehen? Hier finden Sie alle Weine.