Bordeaux Subskription - Was steckt dahinter?

unter Subskriptionen

Was ist das?
Jetzt stellen mehr uns mal janz dumm… Im Prinzip kauft man jetzt Wein, der noch in den Fässern auf den Weingütern im Bordeaux liegt und erst 2019 ausgeliefert wird. Die Subskription kannte man früher von Büchern, da konnte man sozusagen ein Buch vorbestellen, und wenn genug Subskribenten zusammen waren, wurde das Buch gedruckt. Dafür bekamen die dann einen Preisnachlass auf den späteren Ladenpreis. Im Bordeaux hat man dieses Prinzip dann mit so etwas wie Warentermingeschäften verbunden. Man kauft also ein Anrecht auf eine bestimmte Anzahl Flaschen, der Wein existiert ja schon, das Anrecht wird dann gegen den Wein eingetauscht. Bei den meisten Warentermingeschäften sieht man die 100 Gallonen Erdöl, 3 Tonnen Schweinebäuche oder 100 Gramm Gold ja nie, bei der Bordeaux-Subskription (“Insider” sprechen von Subse) bekommt man den Wein dann nach ca. zwei Jahren geliefert.

 

Warum macht man das?
Der Grund so etwas einzuführen war ganz einfach. In den 70er und 80er Jahren waren auch die Grand Château im Bordeaux in einer Krise. Oft hatten sie die Keller voll mit älteren Jahrgängen, und dann noch den jeweils aktuellen Jahrgang für zwei Jahre vorfinanzieren? Im Burgund war es schon länger üblich, dass man bei den ganz gefragten Weingütern auf einer Subskriptionsliste stand und jedes Jahr eine Zuteilung bekam, die man dann z. T. auch direkt, das heißt ein Jahr bevor der Wein ausgeliefert wurde, bezahlen musste. Im Bordeaux lief der ganze Vertrieb seit jeher über große Händler, die Négociants, die optimierten das Geschäftsmodell. Auch hier war es dann so, dass die Weine in der Subskription oft deutlich günstiger waren als später, wenn sie auf den Markt kamen. Viele Weine bekam man auch einfach nicht mehr. In den 2000er Jahren ist die Subskription schließlich immer mehr zum Spekulationsobjekt geworden. Preissteigerungen zwischen Subskription und Auslieferung schienen bei einigen Weinen vorprogrammiert, aber eben auch nur bei einigen Weinen und einigen Jahrgängen. In der Regel sind, gerade in den gefragten Jahrgängen, die Weine später immer noch teurer, aber wie bei allen Anlagen in denen viel Phantasie und weniger Logik im Spiel ist, gibt es hier keine Garantie. Man muss aber sagen, verlieren kann man eigentlich nicht, schließlich hat man den Wein dann im Keller und kann ihn zur Not auch trinken. Dafür ist er ja eigentlich auch gemacht worden.

 

Lohnt es sich Weine zu subskribieren?
“Ach wissen sie, ob der Wein nachher dann etwas teurer ist oder nicht”, sagte uns mal ein Kunde, “interessiert mich nicht so, aber es ist so ein tolles prickelndes Gefühl jetzt zu kaufen und dann warten zu müssen. Das ist so herrlich unmodern.” So kann man es natürlich auch sehen. Ja, in der Regel sind die Weine später etwas teurer, und wenn Sie bei der Auslieferung eine Top-Bewertung von Parker & Co bekommen, können die Preise sogar explodieren. Manche Weine bleiben aber auf dem Niveau der Subskription. Aber bei den Zinsen heute kann man sagen, es gibt schlechtere Anlagen, und die Zertifikate der Lehmann Brothers konnte man am Ende nicht einmal trinken.

 

Was muss ich tun um zu subskribieren?
Nicht viel, die Subskription kann man bei uns ganz einfach im Internet bestellen. Wir bestätigen die Bestellung bzw. schicken ein Rechnung, und in zwei Jahren den Wein. Man sollte sich natürlich Gedanken darüber machen, was man gerne trinkt, wie lange man den Wein lagern möchte und welches Budget man hat. Will ich ein paar Flaschen Icon-Weine kaufen oder lieber zwei Kisten von etwas, das ich auch gerne mal in geselliger Runde mit Freunden öffne.

 

Kann ich die Weine vorher verkosten?
Leider nein. Es gibt eine Verkostungswoche im April in Bordeaux. Hier sind aber nur Händler und Journalisten zugelassen und ehrlich gesagt, das ist gut so. Denn das Verkosten der Jungweine ist kein wirklicher Spaß. Wir nennen das etwas despektierlich “Holzbrühe saufen”. Wenn sie sich einmal die Zähne und die Zunge nach so einem Verkostungstag mit deutlich mehr als 100 Proben angeschaut haben wissen Sie, wie wenig Vergnügen das macht. Das ist harte Arbeit und getrunken wird dabei nicht. Aber da so viele Gaumen die Weine verkostet haben gibt es natürlich auch viele Bewertungen und viele Meinungen, die man alle bei uns unter den Weinen nachlesen kann. Und Bordeaux-Freaks haben ohnehin ihre Lieblinge.

 

Kann ich die Weine zurückgeben?
Nein, das würde ja dem Sinn der Subskription widersprechen. Hier gelten die Regeln eines Warentermingeschäfts, gekauft ist gekauft. Wenn der Goldpreis fällt können Sie Ihr Zertifikat oder die Münze auch nicht bei der Bank zurückgeben und den alten Preis verlangen. 

 

Trage ich als Kunde da ein finanzielles Risiko?
Ein klares Jein! Natürlich trägt man das (überschaubare) Risiko von Preisschwankungen. In den letzten Jahrzehnten konnte einmal ein Château den Wein nicht ausliefern, da es abgebrannt ist. Hier bekamen die Kunden zumindest ihr Geld zurück. Es gab aber auch in der Tat Händler die nicht ausliefern konnten, weil sie unterdessen Pleite gegangen sind. In Frankreich war dies bei einem großen Internet-Händler der Fall, auch in Köln gab es da in den letzten Jahren ein schlechtes Beispiel. Es wird immer wieder kolportiert, dass die Subskriptionsweine durch einen Eigentumsvorbehalt vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters geschützt wären. Dem wäre nur so, wenn es um bestimmte, einzeln bezeichnete und schon vorhandene Flaschen ging. Also den Château Lafite mit der Flaschennummer 225, den müsste es so schon geben und es müsste auf der Rechnung im Einzelnen vermerkt sein. Dem ist natürlich nicht so, bei den erwähnten Fällen war das Geld weg. Der Kölner Weinkeller ist allerdings ein Unternehmen der REWE-Group, somit bürgt einer der größten Handelskonzerne Europas dafür, dass Ihre Weine in zwei Jahren ausgeliefert werden.      

 

Warum kann ich manche Weine nur Kistenweise kaufen und warum muss ich bei manchen Weinen auf die Bestätigung warten?
Dazu holen wir am besten mal ein wenig aus und erklären wie die Subskription für den Händler funktioniert: Irgendwann im Frühjahr, wenn die ersten Kritikerbewertungen da sind, legen die Château in Zusammenarbeit mit ihren Coutiers (eine Art von Maklern) ihre Preise für die Weine fest. Im Laufe des April, Mai, Juni, Juli (das ist jedes Jahr anders) offerieren sie dann an die Negociant gewisse Mengen von Weinen. Die Negociant sind Großhändler die in Bordeaux sitzen, teilweise riesige Lagerhäuser haben, und in der ganzen Welt mit Bordeaux-Weinen handeln. Es gibt ca. 100 davon, wichtig und groß sind vielleicht 30-40. Die meisten Château arbeiten mit mehreren Negociant (“Insider” sagen Negoc) zusammen, manche direkt mit 30, 40 oder mehr. Wann wer welchen Wein und zu welchem Preis auf den Markt bringt, weiß niemand. Mal kommen die 1er Grand Cru als erstes auf den Markt, wie 2008, meist aber ziemlich zum Schluss. Auf jeden Fall muss man dann schnell sein. Wir bekommen während der Subskription für jeden Wein von ca. 30 Negociant Angebote per Mail. Bei den meisten gilt: Wer sich zuerst meldet bekommt zuerst den Zuschlag. Außerdem bekommt man gefragte Weine oft nur angeboten, wenn man auch weniger gefragte kauft. In guten Jahren bekommt man nur eine Zuteilung, wenn man auch in eher schlechten etwas gekauft hat. Das ist alles ehrlich gesagt etwas undurchsichtig und ein festes, verlässliches Verfahren gibt es da nicht. Außerdem geht die ganze Abwicklung etwas “archaisch” vor sich. Man schickt eine Mail zurück und bekommt eine Bestätigung, ob man die Menge bekommt, manchmal ziemlich schnell, manchmal erst am Abend, manchmal erst nach einigen Tagen. Bis vor wenigen Jahren ging das bei vielen Händlern auch nur telefonisch und dann auch nur zwischen 10:00 und 12:00 Uhr und irgendwann am Nachmittag, weil die Mittagspausen im Bordeaux etwas länger sind (ein sehr bedeutender Negoc antwortete uns mal auf die Frage, warum sie denn kein Internetportal haben in dem man sehen könnte was noch verfügbar ist, “Monsieur Brensing… Internet? So was machen wir nicht. Wir liefern Qualität!” Aha. Das war übrigens nicht 1974 sondern vor zwei Jahren).   

Alle Negociant verkaufen übrigens die Weine zu einem vorgegebenen Preis weiter, treten also sozusagen als Makler des Château auf. Der Händler, also wir, überlegt dann wie gefragt ein Wein ist, wieviel er gerne für später selber behalten möchte oder ob er den Wein schon in der Subse so weit wie möglich verkaufen will. Danach richtet sich seine Kalkulation. In den achtziger Jahren konnte man damit noch etwas Geld verdienen. Damals waren 15 bis 20 % Auflschlag üblich, aber die Marge in der Subskription ist seitdem kontinuierlich gesunken. Das hat damit zu tun, dass viele Händler kein Lager mehr aufbauen wollen und die Subse als eine Art von Zwischenfinanzierung sehen. Der Kunde zahlt schnell und die Negoc im Bordeaux bekommen ihr Geld erst in 6 oder 12 Monaten, je nachdem wie gut man verhandelt hat. Nicht ganz ungefährlich, wenn man dabei an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit geht (siehe auch Risiko). Mittlerweile liegen die Rohmargen je nach Wein zwischen 5 und 10 %. Man kann sich also leicht ausrechnen, dass man an der Subse als Händler nicht mehr viel verdient. Wenn ich eine 12er Kiste Wein für 25 € die Flasche verkaufe ergibt sich daraus folgende einfache Rechnung: 25 € abzgl. MwSt = 21 €; davon (im besten Fall) 10 % = 2,10 €; abzgl. Eingangsfracht & Transportversicherung = 1,70 €; abzgl. Handlingkosten, Bearbeitung etc. = 1,50 €; macht für eine Kiste also 18 €. Da sind nicht einmal die Beratungskosten, das Risiko, ob man den eingekauften Wein denn überhaupt verkauft bekommt und die schwierigeren Weine und Jahrgänge, die man mitkaufen muss, mit eingerechnet. Vor allem möchten natürlich alle Bordeaux-Freunde die Weine günstig in der Subskription einkaufen, bei denen man relativ sicher sein kann, dass sie nachher teurer sind. Ein eher schlechtes Geschäft für die Händler also.   

 

Warum macht man dann noch Subskription?
Das Modell stand schon öfter zur Diskussion und es gibt auch immer weniger Händler in Deutschland, die das noch mitmachen, da Aufwand und Ertrag nicht mehr wirklich in Verhältnis zueinander stehen. Aber wir kaufen sowieso jedes Jahr große Mengen Bordeaux in der Subskription für uns ein, da bisher die Weine später mit einiger Sicherheit teurer waren. Daher denken wir auch es ist ein besonderer Service für unsere Kunden, Ihnen Weine daraus anzubieten. Bei einigen Weinen müssen wir aber daher auch ganze Einheiten, also Kisten, verkaufen und einige, besonders gesuchte Weine unterbreiten wir eben auch nur unseren Club-Kunden, also denen die uns auch außerhalb der Subskription mit weniger limitierten Weinen, die Treue halten. Schließlich müssen wir auch viel kaufen, um von den gesuchten Weinen eine Zuteilung zu bekommen.  

 

 Hier finden Sie ab der Veröffentlichung Weine aus der Subskription in der Übersicht