Ein wundervolles Jahr: Bordeaux En Primeur Jahrgang 2016

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Nach der Abreise aus dem sonnigen Köln und nach siebenstündiger Odyssee bin ich am vergangen Sonntag, im recht kühlen und regnerischen Bordeaux angekommen, um dort die En-Primeur-Weine aus dem Jahrgang 2016 zu verkosten, der, wie durch ein Wunder, ein Beeindruckender wurde…

Aber von vorne: Am Montagmorgen nach dem Frühstück in unserem Hotel im Haut-Médoc, verzog sich der in Bordeaux übliche Frühnebel schon zeitig und machte Platz für strahlenden Sonnenschein, der uns für die weiteren Tage erhalten blieb. Das war sehr erfreulich, da man sich auch schon einmal im Dauerregen auf der Rundreise durch die Châteaus, wo die Autos vielerorts in den Weinbergen oder im Garten der Châteaus geparkt werden, häufig im Schlamm watend wiederfindet. Außerdem bin ich überzeugt, dass sich die Weine bei Hochdruckwetterlage immer vorteilhafter zeigen, ob das an den Weinen, oder an einem selbst liegen mag. Wie auch im letzten Jahr begannen wir mit dem Schlürfen und Spucken der Weine auf Château Belgrave, wo einer unserer Négociants unter sehr professionellen Bedingungen eine große Bandbreite von Weinen zur Verfügung stellt, was ich immer dazu nutze mir erst einmal einen Überblick über alle Regionen zu verschaffen. So kommt man schnell auf mehr als 100 Proben und fragt sich am Abend, wenn man wieder im Hotel ist, ob das mit dem Weingeschäft wirklich eine gute Idee war. Denn Verkosten ist harte Arbeit und ein eher monotones Treiben. Ich höre dann immer erst auf, wenn der erste Mitverkoster im Saal ein Glas umwirft. In diesem Jahr war ich es selbst – mehr aus einer Ungeschicklichkeit heraus – weshalb ich die Bewertungen der letzten 10 Weine dann aber doch in Klammern gesetzt habe :-) In der Summe machten einem die neuen Weine das Verkosterleben aber nicht allzu schwer, was in schwierigen Jahren nicht unbedingt der Fall ist. Damit kommen wir zu einer ersten Einschätzung der Eigenschaft und Qualität vom Jahrgang 2016. 

Wie beim großen Jahrgangs-Doppel 2009 und 2010 folgt nun auch auf den besonderen Jahrgang 2015 mit 2016 ein weiteres Bordeaux-Jahr mit herausragenden Qualitäten, aber gänzlich anderen Vorzeichen. Lange Zeit sah es gar nicht so aus, als würde überhaupt etwas aus diesem Jahrgang werden. Wer nach einem eher durchschnittlichen Frühjahr und einem ordentlichen Sommer, der abgesehen von einer kurzen Hitzewelle insgesamt eher moderat, dafür aber viel zu trocken war, eine Wette auf die besondere Qualität dieses Jahrgangs abgeschlossen hätte, der wäre mit Sicherheit nicht ernst genommen worden, würde aber jetzt zu den großen Propheten der Weinbranche zählen. Erst ab Mitte September wendete sich nämlich, wie durch ein Wunder, das Blatt: Es gab dann unverhofft und schlagartig ausreichend Regen, um die Vegetation der Reben, die am Darben war, wieder in Gang zu bringen. Und ebenso wichtig: Es blieb, im Gegensatz zu vielen anderen Jahren, bis in den späten Oktober hinein ausgesprochen mild und trocken, sodass die Winzer den Lesezeitpunkt soweit wie möglich bis zur optimalen Reife der Trauben herauszögern konnten, ohne Angst vor Fäulnis haben zu müssen. So geht die Weinlese in 2016 als eine der spätesten überhaupt in die Geschichte ein und in ganz Bordeaux sah man in Anbetracht der Traubenqualitäten, mit denen man lange Zeit überhaupt nicht mehr gerechnet hatte, überall nur noch strahlende Gesichter.

Auch wenn die Qualität sicher einheitlicher ist als in 2015 gab es doch spürbare Unterschiede. Vor allem der Cabernet Sauvignon spielt in diesem Jahr zu ganz großer Form auf. So ist das nördliche Médoc ein absoluter Gewinner des Jahrgangs. Aber keine Sorge: Auch die südlichen und die Merlot-betonten Appellationen warten mit sehr guten Qualitäten auf. Es sind allerorts Rotweine mit sehr guter Konzentration entstanden, die deutlich mehr Tannin aufweisen, als die Weine in 2015, dafür ist dieses Tannin aber zumeist von sehr feiner Qualität und wird zusammen mit einer animierenden Säurestruktur für gute Lagerfähigkeit garantieren und hierin die 2015er wahrscheinlich übertreffen. So sind die Rotweine um einiges geradliniger und frischer, auch weil sie im Alkohol moderater geraten sind. 

Das gilt auch für die trockenen Weißweine und die Sauternes. So ist 2016 ein Jahrgang für die Anhänger des klassischen Bordeaux-Stils, auch weil die Châteaus in den letzten Jahren den Einsatz von neuem Holz immer weiter reduziert haben und der Frucht und der Finesse der Weine so wieder mehr Raum geben. Es ist ein Jahrgang der mit „Struktur und Frische“ überschrieben werden kann, im Gegensatz zu den 2015ern, die sich mehr das Attribut „Fülle“ verdient haben.

Nachdem ich auf Château Belgrave schon einmal ordentlich vorgearbeitet hatte, ging es dann auf Tour durch die Gemeinden, wo man auf je einem Château dann die Grand-Crus aus der gesamten Appellation verkosten kann. Zwischendurch rundete ich das Gesamtbild des Jahrgangs mit den Château-Besuchen einiger Ikonen (zum Beispiel Château Latour oder Château Cheval Blanc) ab, deren Weine man immer nur auf dem Chateau selbst verkosten kann. Die Proben auf den Top-Weingütern sind immer sehr spannend, um zu sehen, was im Jahrgang in der Spitze möglich war. 

Die Subskriptions-Kampagne dürfte in den nächsten Wochen beginnen. Wir sind wieder gespannt, wer als erster zuckt und wo sich die Preise hinbewegen. Leider munkelt man in Bordeaux wieder einmal von nicht unerheblichen Preissteigerungen und die deutlich gestiegene Nachfrage aus den USA und China seit dem letzten Jahr macht keine Hoffnung darauf, dass es anders käme. Die höhere Erntemenge wird das in jedem Fall nicht ausgleichen können. Gerade bei den ganz großen Weinen dürften die Preise deutlich höher ausfallen, als im letzten Jahr. Trotzdem gibt es auch wieder sehr guten Wein für vernünftiges Geld. Auf eben diese Châteaus, mit dem besten Preis-Genuss-Verhältnis, werde ich auch meinen Fokus bei den Empfehlungen für Sie legen.

In der kommenden Woche werde ich Ihnen hier noch eine detaillierte Zusammenfassung über die einzelnen Gemeinden geben, damit Sie sich besser orientieren können, welche Weine sich, aus meiner Sicht, in diesem Jahr – en primeur – besonders gut zeigen und bei welchen es sich somit lohnt, in der Subskription zuzuschlagen.