Amarone - Was steckt dahinter?

unter Weinwissen
Die Trauben werden zum Trocknen ausgelegt

Früher, als alles einmal besser war, wie wir ja wissen, waren fast alle großen und berühmten Weine der Welt süß oder zumindest nicht trocken. Dann kam die Zuckerraffinade, Süße wurde einfach zu gewinnen und somit billig und mittlerweile ist fast alles süß.

Es war aber nicht immer so einfach, denn früher musste der Zucker aufwendig gewonnen und konzentriert werden. Ein beliebtes Verfahren bei Trauben war das Trocknen; so entstand die Rosine. Doch auch für die Produktion von Wein trocknete man Trauben, wie zum Beispiel beim toskanischen Vin Santo, oder im Valpolicella. Hier wurden die Rotweintrauben auf großen Holzgestellen in der Sonne getrocknet, dann gepresst und anschließend wurde der konzentrierten Saft vergoren. Im Most waren durch die natürliche Konzentration mehr Zucker, mehr Aroma, mehr Farbstoffe, mehr Säure, im Grunde einfach nur weniger Wasser – also die perfekte Ausgangslage für die Geschmacksempfindungen von damals. Als der Trend jedoch auf trocken umschwenkte, versuchte man, den Wein durchgären zu lassen, denn vorher hatten die Hefen bei ca. 14 bis 15 % Alkohol ihre Tätigkeit eingestellt und im Wein blieb eine natürliche Restsüße. 

Jetzt begann das „Miracolo dell’Amarone“: Irgendwann gelang es recht zuverlässig, dass die Weine 16 bis 17 % Alkohol entwickelten und die Weine wurden trocken. Ein Miracolo, ein Wunder, durch das der Amarone entstand! Nüchtern betrachtet war es natürlich kein Wunder, sondern schlicht und einfach die Weiterentwicklung der Hefestämme, die auch bei höheren Alkoholgraden noch aktiv bleiben. 

Es kann jedoch auch viel schiefgehen, vor allem während der Trocknungsphase. Oft haben die Weine flüchtige Säuren, da sich Essigbakterien auf den Traubenschalen einnisten können. Bei der süßen Variante fiel das nicht ganz so auf, bei den trockenen stach es aber sofort heraus. Denn mit dem Konzentrationsprozess intensiviert man nicht nur die erwünschten Aromen, selbstverständlich fallen auch alle Fehler, Schimmel, Unreife, Überreife mehr auf. Da der Amarone aber plötzlich gefragt war und man damit mehr Geld verdienen konnte als mit einem normalen Rotwein, gab es mehr schreckliche als wirklich gute davon. In den letzten Jahren hat man die Vorschriften für die Amarone-Produktion deutlich verschärft und es gibt sicherlich nicht mehr so viele fragwürdige Weine, aber ausgestorben sind sie auch nicht, wie wir Ihnen aus leidvoller Verkostungserfahrung sagen können. Aber eines bleibt, der Amarone und sein leicht restsüßer Bruder der Recioto oder Passito sind ganz besondere Weine. Weine für große Anlässe, die zelebriert werden wollen und die man am besten in Gesellschaft und bei einem guten Essen genießt.

 

AMARONE-TIPPS

Romano dal Forno – der Valpolicella

Ein Valpolicella ist kein Amarone. Eigentlich. Romanos Valpolicella Superiore ist nämlich zu 100 % aus getrockneten Trauben. Andere Winzer würden da selbstverständlich Amarone draufschreiben, aber bei Romano ist das dem Top-Wein vorbehalten. „Built like a tank“, schreibt der WineAdvocat über den ’09er Superiore, und wer die Weine von dal Forno noch probiert hat, kann wirklich den Eindruck gewinnen, da fährt ein Panzer über meinen Gaumen, so strotzen sie von Kraft, Tanninen und Würze. Das Erstaunliche ist, dass sie nicht, wie man es oft bei Überseeweinen erlebt, dann breiig, süßlich und/oder breit wirken, sondern immer präzise und auf ihre Art auch frisch. Der ’09er erscheint schon erstaunlich balanciert, da findet man getrocknete Sauerkirschen, Bitterschokolade, Mokka, rauchige Noten, Sojasauce, schwarze Oliven, Sternanis. Ein extrem reichhaltiger und klar strukturierter Wein, dem die massiven Tannine ein ausgeprägtes Rückgrat verleihen.

 2009 Valpolicella Superiore, Romano dal Forno   0,75l   69,00 €   94+ Parker 

 

Romano dal Forno – der Amarone

„Lasst jede Hoffnung fahren, die ihr mich verkostet“, könnte frei nach Dante Alighieri als Warnung auf den Amarone-Flaschen von Romano dal Forno stehen. Jede Hoffnung, dass man jemals wieder etwas Ähnliches, Ebenbürtiges verkosten könnte. Der Monte Lodoletta ist ein Statement, ein Monolith, eine Art von einziger Wahrheit, die so außerhalb von allen anderen Weinen dieses Namens steht, dass ein Vergleich zwangsläufig in die Irre führen muss. Als ich ihn das erste Mal probieren durfte, war ich von der massiven Geschmacksattacke so schockiert, dass ich ihn beinahe sofort wieder ausgespuckt hätte. Mir stiegen die Tränen in die Augen und wahrscheinlich bekam ich einen hochroten Kopf. Eine seltsame Reaktion, fand ich, aber Romano stand nur daneben, lächelte und meinte, das ginge allen so, die das unvorbereitet probierten. Aha! Wenn dieser Wein aber ein Angriff auf unsere Sinne ist, dann muss man sagen, ein äußerst gelungener, ein einzigartiger, vielleicht ist hier die Grenze, wo Wein wirklich zur Kunst wird, denn es gibt nur wenige Weine, die so polarisieren, deren Faszination sich aber kaum jemand entziehen kann. Wie er schmeckt? „Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man schweigen!“ Probieren, und wenn auch nur einmal im Leben.

 2009 Amarone della Valpolicella Monte Lodoletta, Romano dal Forno   0,75l   269,00 €   97 Parker

 

Monte Sant’Urbano

Einzellagen sind im Valpolicella eher die Seltenheit. Hier, wo es viele große Kellereien gibt, setzt sich das Terroir-Denken erst langsam durch. Bei den vielen überkonzentrierten Amarone, die es so gibt, wäre ein besonderes Terroir auch kaum herauszuschmecken. Die Familie Speri hat in fünf einzelnen, klar umrissenen Weinbergen ihren Besitz. Einer davon ist etwas ganz Besonderes, der Sant’Urbano. Auf einem langgestreckten Hügel gelegen, profitiert die Lage von einer hohen Sonneneinstrahlung, andererseits wird es hier nie zu heiß, da kühle Fallwinde aus den Lessinia-Bergen die Temperaturen nicht zu sehr ansteigen lassen. So wird hier der Amarone kein Monster, sondern bleibt, trotz aller Konzentration, ausgesprochen filigran. Wo findet man in einem Amarone neben all diesen dunklen, getrockneten Früchten, dem Anklang an Rumtopf und indischen Gewürzen noch so etwas wie kühle Mineralität und eine belebende Frische. Bei unserer letzten Verkostung fiel der Satz: Der Monte Sant’Urbano ist für den Amarone das, was Lafite fürs Pauillac ist. Ja, so ist es, und deshalb ist dieser Wein in unseren Augen auch immer noch ein absolutes Schnäppchen.

 2011 Amarone Classico Monte Sant’Urbano, Speri Viticoltori   0,75l   42,50 €   3 Gläser Gambero Rosso

 

Der Cà dei Frati Amarone

Die Familie dal Cero hat ihre Wurzeln im Hügelland hinter Verona, so war es nur eine Frage der Zeit, bis man sich auch einmal dem Amarone widmen würde. Als Mitte der 2000er Jahre die Möglichkeit bestand, einen Weinberg zu kaufen, nahm das Projekt Fahrt auf. 2008 war der erste Jahrgang, der in den Verkauf kam. Mit dem ’09er hat man sich bereits in die Oberliga der Amarone-Produzenten katapultiert. Im warmen Jahr 2009 ist ein mächtiger Wein entstanden. Kraftvolle Tannine, Sauerkirschen, Mokka, Bitterschokolade. Die Tannine wirken noch etwas massiv, mit viel Luft oder Zeit harmonisiert sich das Ganze. Sehr spannend, denn sonst ist man ja eher für die leichten, fruchtigen Weine zuständig. Es zeugt davon, welche Kompetenz man auf dem Weingut besitzt, dass man eben auch locker und wie selbstverständlich den Weg in die andere Richtung geht und dabei direkt einen Top-Wein erzeugt.

 2009 Pietro dal Cero Amarone della Valpolicella, Cà dei Frati   0,75l   statt 57,00 € nur 48,90 €

 

Angebote gültig bis zum 31.10.2016