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Amarone - Ein besonderer Wein

Es gibt Weine, die sind irgendwie gerade en vogue, aber keiner weiß so richtig, was es damit auf sich hat. Der Amarone gehört da sicher dazu. Ein guter Amarone hat nämlich jene großartige Spannung zwischen herb-reifen Gerbstoffen und konzentrierter Frucht, zwischen Extrakt-Süße und reifer Säure. Wie jedoch entsteht ein guter Amarone?

Erst einmal ist er ein, für die Weinwelt, relativ junges Produkt. Bis in die 30er Jahre baute man das, was heute Amarone ist, grundsätzlich restsüß aus. Recioto, oder damals noch Passito, war ein absoluter Luxuswein. Er war, gar nicht so ungewöhnlich, rot, süß und trotzdem sehr stark, das war gefragt in der Weinwelt. Bei Portwein oder Rivesaltes z. B. erreichte man die Restsüße, indem man den Wein in der Gärung durch Alkohol abstoppte, beim Passito, indem man die Trauben vor dem Pressen an der Luft trocknete, sodass sie fast 50 % ihres Wassergehaltes verloren. Die Gärung wurde jetzt nicht durch Zugabe von Alkohol abgestoppt, sondern hielt von selber an, wenn es im Winter kühler wurde oder ein gewisser Alkoholgehalt erreicht war. Die meisten Hefen sterben nämlich bei einem Alkoholgehalt von 13 bis 14 Volumenprozent von alleine ab und man muss schon sehr gut Bescheid wissen, um mit natürlichen Hefen einen höheren Alkoholgehalt zu erreichen.

Die Legende besagt nun, dass einem jungen Kellermeister ein Fass aus Versehen durchgegoren sei und er das Ergebnis so spannend fand, dass er ihn als neuen Weinstil auf den Markt brachte. Er soll ihn dann Amarone genannt haben, weil er im Abgang so eine kräutrige, leicht bittere Note hatte (italienisch amaro = bitter). In Wahrheit wird das wohl öfter passiert sein. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren jedoch süße, oder sagen wir besser nicht ganz trockene Weine sehr gefragt. Diese Mode änderte sich aber. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden immer mehr trockene Weine getrunken und Bordeaux und Burgund, wo die Rotweine immer trocken waren, wurden Vorbilder für andere Regionen. Man wird also einfach mal das, was vorher Ausschuss gewesen ist und wahrscheinlich in andere, billige Weine als Verschnittpartner kam, vermarktet haben. Italiener sind da ja sehr kreativ.

Mit der Zeit lernte man auch besser mit der Gärung und den Reben umzugehen. Denn die Produktion dieser Weine aus getrockneten Trauben ist nicht ganz einfach. Es kann viel schiefgehen, vor allem während der Trocknungsphase. Oft haben die Weine flüchtige Säuren, da sich Essigbakterien auf den Traubenschalen einnisten können. Bei der süßen Variante fiel das nicht ganz so auf, bei den trockenen stach es aber sofort heraus. Denn mit dem Konzentrationsprozess intensiviert man nicht nur die erwünschten Aromen, selbstverständlich fallen auch alle Fehler, Schimmel, Unreife, Überreife mehr auf. Da der Amarone plötzlich gefragt war und man damit mehr Geld verdienen konnte als mit einem normalen Rotwein, gab es mehr schreckliche als wirklich gute davon. In den letzten Jahren hat man die Vorschriften für die Amarone-Produktion deutlich verschärft und es gibt sicherlich nicht mehr so viele fragwürdige Weine, aber ausgestorben sind sie auch nicht, wie wir Ihnen aus leidvoller Verkostungserfahrung sagen können.

Eines bleibt jedoch, der Amarone und sein leicht restsüßer Bruder der Recioto oder Passito sind ganz besondere Weine. Weine für große Anlässe, die zelebriert werden wollen und die man am besten in Gesellschaft und bei einem guten Essen genießt.

Genau das richtige also für die kalte Jahreszeit!