Saint-Émilion

Saint Emilion BordeauxSchöne Städte können eine Plage sein. Es ist Mitte Oktober, als wir im Bordelais unterwegs sind. Es sei Nebensaison, hat man uns versichert, trotzdem gibt es nirgends einen Parkplatz, Busse spucken Menschenmassen aus und rund um die berühmte Kirche drängen sich die Menschen dicht an dicht. Hier kommt einiges zusammen, eine an sich bezaubernde, kleine, alte Stadt, in der gefühlt seit dem 15. Jahrhundert niemand mehr etwas Neues gebaut hat, eine eindrucksvolle Kirche, ein alter Wehrturm, Klöster, Katakomben und ringsherum ein Ring von ehrfurchtgebietenden Châteaux, angefangen mit Ausone, das wie eine Galionsfigur oben vor der Stadt liegt. Dazu kommt: Saint-Émilion ist hip. In den USA, Russland, Japan, China scheint Saint-Émilion zu jeder gediegenen Europa-Tour zu gehören. Die vielen kleinen Weinläden mit unfassbaren Beständen und teilweise auch unfassbar hohen Preisen, geben mit ihren World Wide Delivery und Tax Free Schildern rege Auskunft von der internationalen Beliebtheit. Wer durch die Gassen der Stadt schlendert, könnte vor lauter Bling-Bling fast vergessen, dass hier auch Wein angebaut wird, dabei ist der ja bekanntlich gar nicht so schlecht.

Kenner bevorzugen natürlich die Gewächse vom Kalkplateau direkt um die Stadt herum, vielleicht auch noch von den Côtes, den Hängen am Rande des Plateaus oder der kleinen Parzelle weit im Nord-Westen, wo das Terroir fast dem von Pomerol entspricht und Cheval-Blanc sein Grenzdasein fristet. Kenner in Saint-Émilion müssen wohl leider viel Geld mitbringen, oder? Nein, denn natürlich gibt es neben den Côtes auch in den Kieselböden in Richtung Dordogne einige gute Weingüter und es werden immer mehr.

Eine Besonderheit ist das Grand Cru System. Im Gegensatz zum Médoc erscheint es nicht auf immer und ewig festgelegt, sondern wird alle zehn Jahre einer Revision unterworfen. Berücksichtigt werden hierbei die Ergebnisse der Blindverkostungen, denen sich jedes Château einmal im Jahr unterziehen muss, außerdem wird die Reputation des Weingutes bei Kritikern und der durchschnittliche Verkaufspreis zu Rate gezogen. Ein System, das nach großer Transparenz klingt. Da im Detail aber dann doch nicht bekannt wird, wer aufgenommen wird oder nicht, und warum aufgenommen, abgestuft oder heraufgestuft wird, gibt es auch hier natürlich Streit, der auch mal vor Gericht ausgefochten wird. Wer will schon einsehen, dass er nicht oder – noch schlimmer – nicht mehr zur Elite gehört. So wurde die Revision der Klassifikation von 2006 ein Jahr darauf nach wilden Klagen und Gerichtsverhandlungen wieder suspendiert, um Ende des Jahres dann erneut in Kraft gesetzt zu werden. Klar, es geht um viel Geld, denn der Titel Grand Cru Classé ist gefragt. Erstaunlicherweise ist er im Saint-Émilion auch wirklich an den Boden gebunden. Zukäufe von Weinparzellen oder Weingütern dürfen, anders als im Mèdoc, nicht einfach dem Grand Vin zugeschlagen werden. So geschehen, als Stephan von Neipperg das damals nicht klassifizierte La Mondotte kaufte. Es konnte nicht einfach in den Canon-la-Gaffelière übernommen werden. Also baute er die wenigen Flaschen getrennt aus. Mit der 2012er Klassifikation sind beide Weingüter aber dann als 1er Grand Cru Classé (B) eingestuft worden.

Steckbrief Saint-Émilion

Gebiet: ca. 1.700 Hektar A.O.C. und 4.100 Hektar Grand Cru, rund um die Stadt Saint-Émilion, hauptsächlich südlich, westlich bis Libourne.

Terroir: Heterogen. Rund um die Stadt, auf dem sogenannten Plateau, kompakter Kalkstein, mehr oder minder mit Tonauflage, an den Hängen mit Kiesel durchsetzt, Richtung Dordogne mehr Schwemmland, zum Teil auch steinig, Richtung Pomerol verdichtete Sandböden, kurz vor Pomerol reine Kiesel.

Klima: Das Klima in Bordeaux ist erstaunlich homogen. Also kann man sagen, wie in allen anderen Anbaugebieten der Region auch. Durchschnittstemperatur 12,3°, Niederschlag 900 mm 

Reben: 60 Prozent Merlot, 30 Prozent Cabernet Franc, 10 Prozent Cabernet Sauvignon, es soll auch mindestens noch einen Malbec Rebstock geben.

Qualität: Ohne Zweifel, einige der grössten Weine der Welt werden hier produziert! Lange Zeit dachten viele Weingüter, sie könnte vom großen Namen auch
ohne jede Anstrengung profitieren. Jetzt gibt es immer mehr Weingüter mit ansprechenden bis sehr guten Weinen, leider wissen die Leute hier, was ihre Weine wert sind.

 

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Saint-Émilion

Saint Emilion BordeauxSchöne Städte können eine Plage sein. Es ist Mitte Oktober, als wir im Bordelais unterwegs sind. Es sei Nebensaison, hat man uns versichert, trotzdem gibt es nirgends einen Parkplatz, Busse spucken Menschenmassen aus und rund um die berühmte Kirche drängen sich die Menschen dicht an dicht. Hier kommt einiges zusammen, eine an sich bezaubernde, kleine, alte Stadt, in der gefühlt seit dem 15. Jahrhundert niemand mehr etwas Neues gebaut hat, eine eindrucksvolle Kirche, ein alter Wehrturm, Klöster, Katakomben und ringsherum ein Ring von ehrfurchtgebietenden Châteaux, angefangen mit Ausone, das wie eine Galionsfigur oben vor der Stadt liegt. Dazu kommt: Saint-Émilion ist hip. In den USA, Russland, Japan, China scheint Saint-Émilion zu jeder gediegenen Europa-Tour zu gehören. Die vielen kleinen Weinläden mit unfassbaren Beständen und teilweise auch unfassbar hohen Preisen, geben mit ihren World Wide Delivery und Tax Free Schildern rege Auskunft von der internationalen Beliebtheit. Wer durch die Gassen der Stadt schlendert, könnte vor lauter Bling-Bling fast vergessen, dass hier auch Wein angebaut wird, dabei ist der ja bekanntlich gar nicht so schlecht.

Kenner bevorzugen natürlich die Gewächse vom Kalkplateau direkt um die Stadt herum, vielleicht auch noch von den Côtes, den Hängen am Rande des Plateaus oder der kleinen Parzelle weit im Nord-Westen, wo das Terroir fast dem von Pomerol entspricht und Cheval-Blanc sein Grenzdasein fristet. Kenner in Saint-Émilion müssen wohl leider viel Geld mitbringen, oder? Nein, denn natürlich gibt es neben den Côtes auch in den Kieselböden in Richtung Dordogne einige gute Weingüter und es werden immer mehr.

Eine Besonderheit ist das Grand Cru System. Im Gegensatz zum Médoc erscheint es nicht auf immer und ewig festgelegt, sondern wird alle zehn Jahre einer Revision unterworfen. Berücksichtigt werden hierbei die Ergebnisse der Blindverkostungen, denen sich jedes Château einmal im Jahr unterziehen muss, außerdem wird die Reputation des Weingutes bei Kritikern und der durchschnittliche Verkaufspreis zu Rate gezogen. Ein System, das nach großer Transparenz klingt. Da im Detail aber dann doch nicht bekannt wird, wer aufgenommen wird oder nicht, und warum aufgenommen, abgestuft oder heraufgestuft wird, gibt es auch hier natürlich Streit, der auch mal vor Gericht ausgefochten wird. Wer will schon einsehen, dass er nicht oder – noch schlimmer – nicht mehr zur Elite gehört. So wurde die Revision der Klassifikation von 2006 ein Jahr darauf nach wilden Klagen und Gerichtsverhandlungen wieder suspendiert, um Ende des Jahres dann erneut in Kraft gesetzt zu werden. Klar, es geht um viel Geld, denn der Titel Grand Cru Classé ist gefragt. Erstaunlicherweise ist er im Saint-Émilion auch wirklich an den Boden gebunden. Zukäufe von Weinparzellen oder Weingütern dürfen, anders als im Mèdoc, nicht einfach dem Grand Vin zugeschlagen werden. So geschehen, als Stephan von Neipperg das damals nicht klassifizierte La Mondotte kaufte. Es konnte nicht einfach in den Canon-la-Gaffelière übernommen werden. Also baute er die wenigen Flaschen getrennt aus. Mit der 2012er Klassifikation sind beide Weingüter aber dann als 1er Grand Cru Classé (B) eingestuft worden.

Steckbrief Saint-Émilion

Gebiet: ca. 1.700 Hektar A.O.C. und 4.100 Hektar Grand Cru, rund um die Stadt Saint-Émilion, hauptsächlich südlich, westlich bis Libourne.

Terroir: Heterogen. Rund um die Stadt, auf dem sogenannten Plateau, kompakter Kalkstein, mehr oder minder mit Tonauflage, an den Hängen mit Kiesel durchsetzt, Richtung Dordogne mehr Schwemmland, zum Teil auch steinig, Richtung Pomerol verdichtete Sandböden, kurz vor Pomerol reine Kiesel.

Klima: Das Klima in Bordeaux ist erstaunlich homogen. Also kann man sagen, wie in allen anderen Anbaugebieten der Region auch. Durchschnittstemperatur 12,3°, Niederschlag 900 mm 

Reben: 60 Prozent Merlot, 30 Prozent Cabernet Franc, 10 Prozent Cabernet Sauvignon, es soll auch mindestens noch einen Malbec Rebstock geben.

Qualität: Ohne Zweifel, einige der grössten Weine der Welt werden hier produziert! Lange Zeit dachten viele Weingüter, sie könnte vom großen Namen auch
ohne jede Anstrengung profitieren. Jetzt gibt es immer mehr Weingüter mit ansprechenden bis sehr guten Weinen, leider wissen die Leute hier, was ihre Weine wert sind.

 

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