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Château Le Lau

Bevor die Weine von Château Le Lau und ihrer hinreißenden Macherin Sylvie Plomby zur Sprache kommen, muss es um deren Herkunft gehen. Ohne sie sind weder Leistung noch Leidenschaft gänzlich zu beschreiben. Mit nur etwa 600 Hektar Rebfläche zählt Graves de Vayres zu den kleinsten Appellationen im größten Anbaugebiet Frankreichs, dem Bordelais. Graves de Vayres ist in etwa so groß wie das deutsche Anbaugebiet Ahr (ebenfalls eines der kleinsten des Landes).  Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Wie an der Ahr lag der Schwerpunkt der Appellation Graves de Vayres in früheren Zeiten auf dem Anbau von weißen Sorten. Dass sich das überhaupt geändert hat ist erstaunlich, da sich die Region am nördlichen Rand der größten Bordelaiser Appellation Entre deux mers befindet, die bekanntlich weniger für Rot- als für Weißwein-Cuvées bekannt ist. Doch auch in Entre deux mers schlägt das Pendel seit einigen Jahren von weißen zu roten Weinen um. Und in beiden Fällen sind es – wie so oft – Absatzprobleme, die ein Weinbaugebiet dazu bewegt, seine Rebflächen auf andere Varietäten umzustellen. Was die Gebiete jedoch grundlegend unterscheidet, ist der Umstand, dass an der Ahr heute einige der edelsten Rotweine des Landes entstehen, während von den Weinen der Graves de Vayres nur wenig die Rede ist, weswegen sie auch zu unverschämt günstig verkauft werden und das, obwohl sich ihre Qualitäten in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert haben. Während der Wein-Entdecker jubelt, weil sich in solch einem vermeintlich vinophil unentschlossenen Gebiet immer wieder unerwartet delikate Schätze heben lassen, ringen zahlreiche Weinbauern um ihr wirtschaftliches Überleben.

Es braucht vielleicht eine gewisse Portion smarter Naivität, um ein Projekt anzugehen, wie es Sylvie Plomby 2013 getan hat. Bevor sie ins elterliche Weingut an der Dordogne zurückkehrte, war Sylvie gerade dabei, in London und Paris ein kleines, aber feines Modelabel zu etablieren. Haute Couture war ihre Passion und Profession. Auch das Gärtnern zählte zu ihren Leidenschaften. Doch lässt sich professionelle Kleiderschneiderei und Hobby-Gärtnerei auf ein Weingut mit einer Fläche von knapp einem Dutzend Hektar übertragen? Vor allem mit dem Ziel, am Ende aus der Ernte auch ein ausreichendes Auskommen zu erzielen? Sylvie hätte Château und Rebflächen sicherlich auch verkaufen und ihre Haute Couture-Karriere weiter vorantreiben können. Sie tat es nicht. Stattdessen sprang sie in das kalte Wasser der Dordogne, in eine kleine Weinbauregion, die selbst im eigenen Land kaum bekannt ist. Vermutlich hat Sylvies Aufbruchsstimmung oder sagen wir besser: Sprungstimmung auch mit dem wunderschönen, nur ein paar Meter vom Flusslauf der Dordogne gelegenen Château zu tun.

Um die Rebflächen war es bei ihrem Start schlecht bestellt. Etliche mussten neu angelegt, Rebstöcke ersetzt werden. Samt und sonders, das war von Anfang an ihr Anspruch, sollten ihre Weinberge biologisch, bestenfalls gar biologisch-dynamisch bewirtschaftet werden. Aus Naivität wurde Realität. Und letztere hat es bekanntlich in sich. Aber Sylvie hielt durch. Es mag auch das Terroir sein, dass ihr einen gewissen Vorteil in diesem Kampf zwischen David und Goliath gebracht hat. Denn freilich bezieht sich das Wort »Graves« im Namen der Appellation Graves de Vayres nicht auf die gleichnamige berühmte Weinbauregion am linken Ufer der Garonne, sondern einzig auf die kleine Gemeinde Vayres und ihr prägendes Flussgestein, dem Kiesel, der im Französischen „Gravel“ heißt. Auf diesem steinigen Terroir konzentriert sich Sylvie auf die rote Sorte Merlot, der sie mittlerweile mehr als erstaunliche Gewächse abringt. Bei ihrem Einstiegswein „Perle Rouge“ verzichtet sie gänzlich auf die Reifung in Eichenholzfässern, sondern lässt ihn komplett im Edelstahl zu einem Wein von selten klar strahlender Frucht und Saftigkeit heranreifen. Natürlich spielt der Ausbau der Weine in neuen Barrique-Fässern auch eine wichtige Rolle auf Château Le Lau, doch wird er in Ruhe und nicht unbedacht betrieben. Vanille, Schoko, Kirsche: All diese Aromen mag ein Zecher in den Weinen von Sylvie Plomby wiederfinden, doch sie sind niemals übertrieben, plakativ oder aufgesetzt. Wenn es denn einen aromatischen Überbau gibt, diese Weine mit Worten zu beschreiben, bleibt am Ende und als Substrat nur ein Wort übrig: Subtilität. Erstaunlich, was aus smarter Naivität zu Wein werden kann.

En passant: Den Kontakt zur Mode, nach London und Paris hat Sylvie nie verloren. Ein Blick auf die Etiketten reicht, um das zu erkennen: En vogue.

 

STECKBRIEF

  • Inhaber: Familie Plomby
  • Kellermeister: Sylvie Plomby  
  • Region, Ort: Graves de Vayres, Avayres
  • Gründungsjahr: 1988
  • Rebsorten: Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Malbec
  • Terroir: Kies, Ton, Kalk
  • Stil: Merlot, Alleskönner! Rotweine aus dieser weltweit bekannten Rebsorte haben den Ruf, gefällig, weich und fruchtbetont zu schmecken. Auch den Merlot-geprägten Weinen von Sylvie Plomby mangelt es daran nicht. Was sie besonders macht, ist die köstliche Tatsache, dass sie neben Saftigkeit und Gefälligkeit stets von einer unvergleichlichen Eleganz geprägt sind. Wenn Sylvies Reben bisweilen auch auf den für Merlot typischen Böden aus Kalk und Ton wachsen, so ist es doch der Flusskies, der prägend für ihr Terroir ist. Womöglich ziehen ihre Weine aus diesem steinigen Umstand ihre Klarheit und Finesse.
  • Produktion: ca. 10.000 Fl./Jahr
  • Besonderheit: Château Le Lau wurde 1762 von dem bedeutenden Architekten Victor Louis (1731 - 1800) erbaut, der mit bürgerlichen Name Louis-Nicolas Louis hieß. Den siegreichen Victor als Vornamen gab er sich nach seinem Architekturstudium in Rom. Zahlreiche Châteaux und sakrale Bauten gehen auf seine Entwürfe zurück. Zum Höhepunkt seines Schaffens zählt das Grand Thèâtre de Bordeaux. Das ebenso weiträumige wie stilvolle Château Le Lau befindet sich nur einen Steinwurf von der Dordogne entfernt und ist von malerischen Gärten und Wäldern umgeben. 
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Château Le Lau

Bevor die Weine von Château Le Lau und ihrer hinreißenden Macherin Sylvie Plomby zur Sprache kommen, muss es um deren Herkunft gehen. Ohne sie sind weder Leistung noch Leidenschaft gänzlich zu beschreiben. Mit nur etwa 600 Hektar Rebfläche zählt Graves de Vayres zu den kleinsten Appellationen im größten Anbaugebiet Frankreichs, dem Bordelais. Graves de Vayres ist in etwa so groß wie das deutsche Anbaugebiet Ahr (ebenfalls eines der kleinsten des Landes).  Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Wie an der Ahr lag der Schwerpunkt der Appellation Graves de Vayres in früheren Zeiten auf dem Anbau von weißen Sorten. Dass sich das überhaupt geändert hat ist erstaunlich, da sich die Region am nördlichen Rand der größten Bordelaiser Appellation Entre deux mers befindet, die bekanntlich weniger für Rot- als für Weißwein-Cuvées bekannt ist. Doch auch in Entre deux mers schlägt das Pendel seit einigen Jahren von weißen zu roten Weinen um. Und in beiden Fällen sind es – wie so oft – Absatzprobleme, die ein Weinbaugebiet dazu bewegt, seine Rebflächen auf andere Varietäten umzustellen. Was die Gebiete jedoch grundlegend unterscheidet, ist der Umstand, dass an der Ahr heute einige der edelsten Rotweine des Landes entstehen, während von den Weinen der Graves de Vayres nur wenig die Rede ist, weswegen sie auch zu unverschämt günstig verkauft werden und das, obwohl sich ihre Qualitäten in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert haben. Während der Wein-Entdecker jubelt, weil sich in solch einem vermeintlich vinophil unentschlossenen Gebiet immer wieder unerwartet delikate Schätze heben lassen, ringen zahlreiche Weinbauern um ihr wirtschaftliches Überleben.

Es braucht vielleicht eine gewisse Portion smarter Naivität, um ein Projekt anzugehen, wie es Sylvie Plomby 2013 getan hat. Bevor sie ins elterliche Weingut an der Dordogne zurückkehrte, war Sylvie gerade dabei, in London und Paris ein kleines, aber feines Modelabel zu etablieren. Haute Couture war ihre Passion und Profession. Auch das Gärtnern zählte zu ihren Leidenschaften. Doch lässt sich professionelle Kleiderschneiderei und Hobby-Gärtnerei auf ein Weingut mit einer Fläche von knapp einem Dutzend Hektar übertragen? Vor allem mit dem Ziel, am Ende aus der Ernte auch ein ausreichendes Auskommen zu erzielen? Sylvie hätte Château und Rebflächen sicherlich auch verkaufen und ihre Haute Couture-Karriere weiter vorantreiben können. Sie tat es nicht. Stattdessen sprang sie in das kalte Wasser der Dordogne, in eine kleine Weinbauregion, die selbst im eigenen Land kaum bekannt ist. Vermutlich hat Sylvies Aufbruchsstimmung oder sagen wir besser: Sprungstimmung auch mit dem wunderschönen, nur ein paar Meter vom Flusslauf der Dordogne gelegenen Château zu tun.

Um die Rebflächen war es bei ihrem Start schlecht bestellt. Etliche mussten neu angelegt, Rebstöcke ersetzt werden. Samt und sonders, das war von Anfang an ihr Anspruch, sollten ihre Weinberge biologisch, bestenfalls gar biologisch-dynamisch bewirtschaftet werden. Aus Naivität wurde Realität. Und letztere hat es bekanntlich in sich. Aber Sylvie hielt durch. Es mag auch das Terroir sein, dass ihr einen gewissen Vorteil in diesem Kampf zwischen David und Goliath gebracht hat. Denn freilich bezieht sich das Wort »Graves« im Namen der Appellation Graves de Vayres nicht auf die gleichnamige berühmte Weinbauregion am linken Ufer der Garonne, sondern einzig auf die kleine Gemeinde Vayres und ihr prägendes Flussgestein, dem Kiesel, der im Französischen „Gravel“ heißt. Auf diesem steinigen Terroir konzentriert sich Sylvie auf die rote Sorte Merlot, der sie mittlerweile mehr als erstaunliche Gewächse abringt. Bei ihrem Einstiegswein „Perle Rouge“ verzichtet sie gänzlich auf die Reifung in Eichenholzfässern, sondern lässt ihn komplett im Edelstahl zu einem Wein von selten klar strahlender Frucht und Saftigkeit heranreifen. Natürlich spielt der Ausbau der Weine in neuen Barrique-Fässern auch eine wichtige Rolle auf Château Le Lau, doch wird er in Ruhe und nicht unbedacht betrieben. Vanille, Schoko, Kirsche: All diese Aromen mag ein Zecher in den Weinen von Sylvie Plomby wiederfinden, doch sie sind niemals übertrieben, plakativ oder aufgesetzt. Wenn es denn einen aromatischen Überbau gibt, diese Weine mit Worten zu beschreiben, bleibt am Ende und als Substrat nur ein Wort übrig: Subtilität. Erstaunlich, was aus smarter Naivität zu Wein werden kann.

En passant: Den Kontakt zur Mode, nach London und Paris hat Sylvie nie verloren. Ein Blick auf die Etiketten reicht, um das zu erkennen: En vogue.

 

STECKBRIEF

  • Inhaber: Familie Plomby
  • Kellermeister: Sylvie Plomby  
  • Region, Ort: Graves de Vayres, Avayres
  • Gründungsjahr: 1988
  • Rebsorten: Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Malbec
  • Terroir: Kies, Ton, Kalk
  • Stil: Merlot, Alleskönner! Rotweine aus dieser weltweit bekannten Rebsorte haben den Ruf, gefällig, weich und fruchtbetont zu schmecken. Auch den Merlot-geprägten Weinen von Sylvie Plomby mangelt es daran nicht. Was sie besonders macht, ist die köstliche Tatsache, dass sie neben Saftigkeit und Gefälligkeit stets von einer unvergleichlichen Eleganz geprägt sind. Wenn Sylvies Reben bisweilen auch auf den für Merlot typischen Böden aus Kalk und Ton wachsen, so ist es doch der Flusskies, der prägend für ihr Terroir ist. Womöglich ziehen ihre Weine aus diesem steinigen Umstand ihre Klarheit und Finesse.
  • Produktion: ca. 10.000 Fl./Jahr
  • Besonderheit: Château Le Lau wurde 1762 von dem bedeutenden Architekten Victor Louis (1731 - 1800) erbaut, der mit bürgerlichen Name Louis-Nicolas Louis hieß. Den siegreichen Victor als Vornamen gab er sich nach seinem Architekturstudium in Rom. Zahlreiche Châteaux und sakrale Bauten gehen auf seine Entwürfe zurück. Zum Höhepunkt seines Schaffens zählt das Grand Thèâtre de Bordeaux. Das ebenso weiträumige wie stilvolle Château Le Lau befindet sich nur einen Steinwurf von der Dordogne entfernt und ist von malerischen Gärten und Wäldern umgeben. 
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